Leit­ar­ti­kel

Kramp-Kar­ren­bau­er hat ei­nen po­li­ti­schen Auf­stieg hin­ge­legt, den ihr we­ni­ge zu­ge­traut ha­ben. Doch die ei­gent­li­che Her­aus­for­de­rung liegt noch vor der neu­en Che­fin

Koenigsbrunner Zeitung - - Erste Seite -

Kohls wird auch in Zu­kunft von ei­ner Frau ge­führt wer­den. Noch da­zu von ei­ner, die sich in ih­rer Art nicht all­zu sehr von der Vor­gän­ge­rin un­ter­schei­det. Lau­tes Auf­tre­ten und de­mons­tra­ti­ves Auf-denTisch-Hau­en sind ihr fremd. Auch sie be­vor­zugt ei­nen eher prag­ma­ti­schen, aus­glei­chen­den Stil. Und sie steht, ob­wohl in ge­sell­schafts­po­li­ti­schen Fra­gen kon­ser­va­ti­ver als die Kanz­le­rin, für ei­nen Kurs der Mit­te. Kein Wun­der, dass AKK seit ih­rer Wahl zur Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin als Mer­kels Fa­vo­ri­tin für die ei­ge­ne Nach­fol­ge ge­se­hen wur­de.

Da­bei galt doch der kan­ti­ge Fried­rich Merz als der Fa­vo­rit der Ba­sis. Bei den Re­gio­nal­kon­fe­ren­zen wur­de er eu­pho­risch ge­fei­ert. Auch weil er nie­mals in das Sys­tem Mer­kel in­vol­viert war und im Ge­gen­satz zu AKK und Jens Spahn als Mann von au­ßen für ei­nen wirk­li­chen Neu­an­fang stand. Die wahl­be­rech­tig­ten De­le­gier­ten auf dem CDU-Par­tei­tag aber woll­ten kei­nen ra­di­ka­len Bruch, kei­ne ab­rup­te Wen­de um 180 Grad, son­dern nur ei­ne mo­de­ra­te Kurs­kor­rek­tur.

Lan­ge Zeit war Mer­kels Stra­te­gie, die Uni­on so breit in der Mit­te auf­zu­stel­len, dass sie wahl­wei­se mit der FDP, der SPD oder so­gar mit den Grü­nen re­gie­ren kann, über­aus er­folg­reich. Die Uni­on hat­te ei­ne struk­tu­rel­le Mehr­heits­fä­hig­keit, die SPD wur­de, da al­ler Macht­op­tio­nen be­raubt, mar­gi­na­li­siert. Fast hät­te es 2013 zur ab­so­lu­ten Mehr­heit ge­reicht. Und es war auch nicht die Flücht­lings­po­li­tik sel­ber, son­dern der er­bit­ter­te Streit zwi­schen CDU und CSU um den rich­ti­gen Weg, der die Uni­on zu­letzt in den Gr­und­fes­ten er­schüt­ter­te.

An die­ser Stel­le ist Kramp-Kar­ren­bau­er ge­fragt, die mit ih­rer Em­pa­thie und ih­rer Team­fä­hig­keit punk­ten kann. Mit ih­rer Be­wer­bungs­re­de er­reich­te sie im Ge­gen­satz zu Ein­zel­kämp­fer Merz die See­le der Par­tei. Nun hat sie dop­pel­te Ver­söh­nungs­ar­beit zu leis­ten. Ei­ner­seits muss AKK den tie­fen Riss, der quer durch die CDU sel­ber geht, so kit­ten, dass es jetzt nicht zu ei­ner Spal­tung kommt. An­de­rer­seits muss sie das tie­fe Zer­würf­nis mit der baye­ri­schen Schwes­ter­par­tei über­win­den. Das kann ge­lin­gen, weil in we­ni­gen Wo­chen auch CSU-Chef Horst See­ho­fer ab­tritt und sein de­si­gnier­ter Nach­fol­ger Mar­kus Sö­der die Hand zur Zu­sam­men­ar­beit be­reits aus­ge­streckt hat.

Erst recht muss es der neu­en Che­fin ge­lin­gen, dass die CDU den Blick nach vor­ne rich­tet. An Her­aus­for­de­run­gen, die von der Re­gie­rungs­par­tei Ant­wor­ten ver­lan­gen, herrscht kein Man­gel. So­lan­ge al­le De­bat­ten nur um die Mi­gra­ti­on krei­sen und die CDU sich von der AfD vor sich her­trei­ben lässt, wird sich nichts dar­an än­dern, dass Wäh­ler an Grü­ne und AfD ver­lo­ren ge­hen. Dann könn­te die CDU an Be­deu­tung ver­lie­ren so wie die SPD, die bis heu­te kei­nen Frie­den mit der Agen­da 2010 ge­schlos­sen hat. Nur wer von sich über­zeugt ist, kann Wäh­ler über­zeu­gen. Das ist die wah­re Her­aus­for­de­rung für AKK: Es geht um die Zu­kunft der CDU als Volks­par­tei. Bei je­der Wahl­schlap­pe der letz­ten Zeit hö­ren wir von Po­li­ti­kern, spe­zi­ell auch von Herrn Sö­der: „Ich ha­be ver­stan­den“. Ge­nau das Ge­gen­teil ist der Fall. Am Bei­spiel der bo­cki­gen Blo­cka­de­hal­tung zum Di­gi­tal­pakt Schu­le, nach dem Mot­to „Mia san mia“, heißt so viel wie Bay­ern first, kann man se­hen, dass der Lern­ef­fekt ei­ni­ger Po­li­ti­ker gleich null ist. Für die lei­der im­mer mehr auf­kom­men­den Po­pu­lis­ten gibt es kei­ne bes­se­re Wer­bung als die­se un­nö­ti­gen ideo­lo­gi­schen Gr­a­ben­kämp­fe. „Di­gi­tal doof“, schreibt Ste­fan Lan­ge in sei­nem Kommentar und ver­gleicht Est­land mit Deutsch­land.

Das Bünd­nis für Hu­ma­ne Bil­dung da­ge­gen in­for­miert sach­lich und ver­weist bei­spiels­wei­se auf Ar­ti­kel 106, Ab­satz III im Grund­ge­setz: Es sieht vor, dass sich Ge­mein­schafts­steu­ern neu auf­tei­len las­sen. Da­durch kön­nen auch Schu­len Gel­der in Mil­li­ar­den­hö­he zu­flie­ßen, oh­ne das Grund­ge­setz zu än­dern.

Die­ser Weg wur­de schon ge­wählt, da­mit der Bund die Kom­mu­nen bei der Ver­sor­gung von Flücht­lin­gen un­ter­stützt. Al­ler­dings lässt Ar­ti­kel 106 nicht zu, dass die Bun­des­re­gie­rung Ein­fluss auf die Ver­wen­dung der Mit­tel nimmt. Wir Bür­ger sol­len uns al­so den „An­ord­nun­gen“aus Berlin un­ter­ord­nen, weil die Di­gi­ta­li­sie­rungs­kam­pa­gne der Wirtschaft er­folg­reich ist. Ei­ne Ins­ze­nie­rung ist nach mei­ner Auf­fas­sung dann gut, wenn sie ge­gen­über dem Stück bzw. der Mu­sik ei­ne die­nen­de Rol­le an­nimmt. Wenn bei der neu­en Zau­ber­flö­ten­in­sze­nie­rung Sa­ras­tro als „Ma­ni­pu­la­tor“(so die Mei­nung des Re­zen­sen­ten Ste­fan Dosch) dar­ge­stellt wird, fragt man sich, ob Mo­zart für ihn ei­ne ent­spre­chen­de Mu­sik kom­po­niert hat. Ein ähn­li­cher Irr­weg bei der „Ores­tie“: Aus der Tra­gö­die wird über wei­te Stre­cken ei­ne Ko­mö­die. „Krea­ti­ve“Re­gie setzt hier auf Per­si­fla­ge und Gags und lenkt so von der wun­der­ba­ren Spra­che ab, die im Mit­tel­punkt ste­hen soll­te. Das Thea­ter ka­pi­tu­liert vor der Fun­ge­sell­schaft, statt ge­gen­zu­steu­ern. Scha­de, dass Sie sich da­zu ver­an­lasst sa­hen, ei­ner we­nig be­kann­ten Schau­spie­le­rin mit die­sem Ar­ti­kel zu gro­ßer Re­kla­me zu ver­hel­fen. Solch ein Ar­ti­kel auf un­ters­tem Ni­veau ge­hört nicht in ei­ne se­riö­se Ta­ges­zei­tung, da­zu gibt es an­de­re ein­schlä­gi­ge Blät­ter.

Lei­der ha­be ich im­mer mehr den Ein­druck, dass es Ih­nen an se­riö­sen The­men (Jour­na­lis­ten?) fehlt und Sie dies mit sol­chen Ar­ti­keln kom­pen­sie­ren wol­len. Ih­re Aus­rich­tung zu im­mer mehr aus­führ­li­chen Mord- und Sex-Be­rich­ten ist sehr be­dau­er­lich. Je­den Tag liest und hört man ähn­li­che War­nun­gen. Die Politik be­lässt es mit va­gen Ab­sichts­er­klä­run­gen, um ge­gen­zu­steu­ern. Wie Gerd Mül­ler sagt, hat es in man­chen afri­ka­ni­schen Län­dern seit drei Jah­ren nicht mehr ge­reg­net. Die­sen Men­schen neh­men wir durch un­se­re kli­ma­ver­schmut­zen­de Le­bens­wei­se die Le­bens­grund­la­ge. Kli­ma­flücht­lin­ge wer­den kom­men. Ich ha­be we­nig Hoff­nung, dass die In­dus­trie­staa­ten be­reit sind, das um­welt­zer­stö­ren­de Ver­hal­ten zu än­dern.

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