In­ter­view

Der His­to­ri­ker Micha­el Wolffs­ohn spricht an­läss­lich der Wahl von An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er zur Nach­fol­ge­rin von An­ge­la Mer­kel über ei­nen Be­griff, der in der Uni­on und in der Ge­sell­schaft seit Jahr­zehn­ten kon­tro­vers dis­ku­tiert wird

Koenigsbrunner Zeitung - - Erste Seite -

Sin­ne durch­aus kon­ser­va­tiv. Ich ver­su­che mei­ne Po­si­tio­nen – al­so das, was ich für be­wah­rens­wert hal­te – nach­voll­zieh­bar zu er­klä­ren. Und zwar in ei­nem Dia­log mit mög­lichst vie­len an­de­ren. Wenn so et­was oh­ne Dia­log ge­schieht, lan­det man im Dog­ma­tis­mus. Das wä­re das En­de al­len Den­kens und der si­che­re Weg zum Schei­tern. Zu sa­gen „frü­her war al­les bes­ser“, ist we­der rich­tig noch kon­ser­va­tiv, son­dern, ganz wört­lich, re­ak­tio­när. Kon­ser­va­ti­ver war die CDU, als die tra­di­tio­nel­le Rol­le der Re­li­gi­on, in ers­ter Li­nie die ka­tho­li­sche Kon­fes­si­on, noch ei­ne grö­ße­re Rol­le spiel­te. Der rech­te, sehr markt­ori­en­tier­te Flü­gel war ge­sell­schaft­lich kon­ser­va­tiv – gleich­zei­tig aber wirt­schaft­lich dy­na­misch und mo­dern. Par­tei ent­frem­det. Gleich­zei­tig ha­ben sich die Grund­la­gen in Deutsch­land ver­scho­ben. Zum Bei­spiel de­mo­gra­fisch, durch die star­ke Zu­wan­de­rung, die 2015 schlag­ar­tig ein­setz­te. So sind frü­he­re An­hän­ger der CDU oder CSU heu­te be­reit, AfD zu wäh­len.

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