Mehr Zeit für die Steu­er­er­klä­rung

Heu­er ge­ben die Fi­nanz­äm­ter Ver­brau­chern bis zum 31. Ju­li Zeit für die Ab­ga­be ih­rer Do­ku­men­te. Mit der Än­de­rung wur­den aber auch die Stra­fen fürs Trö­deln ver­schärft

Koenigsbrunner Zeitung - - Geld & Leben - VON BERRIT GRÄBER

Neu­es Jahr, neue Zeit­rech­nung für die Steu­er­er­klä­rung: Den Ab­ga­be­stich­tag 31. Mai, der Mil­lio­nen Steu­er­bür­gern jahr­zehn­te­lang im Na­cken saß, gibt es nicht mehr. Ab die­sem Jahr zählt der 31. Ju­li. Das ist die neue of­fi­zi­el­le „Som­merDe­ad­line“für al­le, die mit dem Fi­nanz­amt ab­rech­nen müs­sen. Fürs Steu­er­jahr 2018 blei­ben al­so erst­mals zwei Mo­na­te mehr Luft, um die ei­ge­ne Zet­tel­wirt­schaft, die For­mu­la­re oder On­li­ne-An­mel­dung auf die Rei­he zu krie­gen. Mit Lohn­steu­er­hil­fe­ver­ein oder Steu­er­be­ra­ter wird die Frist eben­falls ver­län­gert, und zwar bis En­de Fe­bru­ar 2020. Doch der Ex­tra-Zeit­puf­fer hat sei­nen Preis: Das Fi­nanz­amt wird künf­tig deut­lich stren­ger sein zu no­to­ri­schen Zu-spät-Kom­mern, wie Tho­mas Ei­gen­tha­ler, Vor­sit­zen­der der Deut­schen Steu­er­ge­werk­schaft, be­tont. Trö­deln kann jetzt rich­tig teu­er wer­den. Bei 25 Eu­ro pro an­ge­fan­ge­nem Ver­spä­tungs­mo­nat kann ei­ni­ges zu­sam­men­kom­men.

Bis wann muss die Steu­er­er­klä­rung nun fer­tig sein? Für das Steu­er­jahr 2018 muss die Abrech­nung bis En­de Ju­li beim Fi­nanz­amt sein. Aber: Fällt der 31. Ju­li auf ei­nen Sams­tag oder Sonn­tag, ver­schiebt sich der Stich­tag auf den dar­auf­fol­gen­den Mon­tag. In die­sem Jahr ist der 31. Ju­li ein Mitt­woch. Da­mit blei­be der Stich­tag un­ver­än­dert. Ein Tipp für al­le, die ih­re Steu­er­er­klä­rung seit Jah­ren schon auf den al­ler­letz­ten Drü­cker ma­chen: Zwei Mo­na­te mehr Zeit kön­nen leicht zu zwei Mo­na­ten mehr Trö­del­zeit ge­ra­ten. „Wir ra­ten da­zu, sich ein­fach den bis­he­ri­gen Stich­tag 31. Mai vor­zu­neh­men, das dis­zi­pli­niert“, sagt Si­gurd Warsch­kow von der Lohn­steu­er­hil­fe für Ar­beit­neh­mer in Glad­beck.

Gilt die Ab­ga­be­frist für al­le?

Nein. Küm­mert sich ein Steu­er­be­ra­ter oder ein Lohn­steu­er­hil­fe­ver­ein um die Steu­er­er­klä­rung, ver­län­gert sich die Ab­ga­be­frist eben­falls um zwei Mo­na­te. Der Ab­ga­be­ter­min ist dann nicht mehr En­de des Jah­res, son­dern En­de Fe­bru­ar des über­nächs­ten Jah­res. Für das Steu­er­jahr 2018 be­deu­tet das: Die Abrech­nung muss bis zum letz­ten Fe­bru­ar­tag 2020 ein­ge­reicht sein. Da 2020 ein Schalt­jahr ist, ist das der 29. Fe­bru­ar 2020. Der Tag fällt noch da­zu auf ei­nen Sams­tag. Al­ler­letz­te Frist ist da­her der 2. März 2020. „Auch hier ra­ten wir da­zu: Leu­te, nehmt euch den al­ten Stich­tag vor. Eu­re Be­ra­ter ha­ben dann ge­nü­gend Zeit, al­les ent­spannt hin­zu­krie­gen“, be­tont Die neu­en Fris­ten näh­men auch den Fi­nanz­be­am­ten je­de Men­ge Druck und ent­zerr­ten die Ar­beit, be­tont Ei­gen­tha­ler.

War­um wird Trö­deln teu­er?

„Bis­her war vie­les Er­mes­sens­sa­che, da konn­ten Fi­nanz­be­am­te auch mal fün­fe ge­ra­de sein las­sen“, er­klärt Ge­werk­schafts­chef Ei­gen­tha­ler. War ein sonst pünkt­li­cher Steu­er­zah­ler zu spät dran, wur­de in der Re­gel ein Au­ge zu­ge­drückt und ei­ne Straf­zah­lung war auch kein The­ma. Ab die­sem Jahr hat die Groß­zü­gig­keit ein En­de. Wer mehr Zeit für die Steu­er be­kommt, von dem wird Pünkt­lich­keit er­war­tet. Sonst wird er kräf­tig zur Kas­se ge­be­ten. Für je­den an­ge­fan­ge­nen Mo­nat, den die Steu­er­er­klä­rung zu spät beim Fi­nanz­amt ein­geht, muss der Tröd­ler 0,25 Pro­zent der fest­ge­setz­ten Steu­er drauf­zah­len. Min­des­tens liegt die Stra­fe aber bei 25 Eu­ro pro Ver­spä­tungs­mo­nat. Die Hö­he des Ver­spä­tungs­zu­schlags ist seit die­sem Jahr ge­setz­lich fest­ge­legt. Ma­xi­mal sind 25000 Eu­ro mög­lich. Die Stra­fe wird au­to­ma­tisch im Steu­er­be­scheid zur Steu­er­schuld da­zu­ge­rech­net oder von ei­ner Er­stat­tung ab­ge­zo­gen. Au­ßer- dem kann es wei­te­re Sank­tio­nen ge­ben, um no­to­ri­sche Zu-spät-Kom­mer auf Tr­ab zu brin­gen, wie Zwangs­gel­der, Zin­sen und die Schät­zung der Steu­er­schuld. Aber: Die stren­ge­ren Re­geln gel­ten erst dann au­to­ma­tisch, wenn die Steu­er­er­klä­rung für 2018 am 1. März 2020 noch nicht beim Fi­nanz­amt ist. Wer spät dran ist, aber we­nigs­tens noch vor die­sem Ter­min, muss auf die Gna­de des Be­am­ten hof­fen.

Was ma­che ich, wenn ich mehr Zeit brau­che? Wer bis Som­mer merkt, dass er die Steu­er­er­klä­rung ganz si­cher nicht frist­ge­recht hin­kriegt, soll­te auf je­den Fall recht­zei­tig schrift­lich um ei­ne Frist­ver­län­ge­rung bit­ten. Wie frü­her schnell mal an­ru­fen und ei­ne Ver­schie­bung raus­ho­len geht nicht mehr. Das Ge­setz zur Mo­der­ni­sie­rung des Be­steue­rungs­ver­fah­rens gibt den Fi­nanz­be­am­ten grund­sätz­lich we­ni­ger Er­mes­sens­spiel­raum. Ei­ne Frist­ver­län­ge­rung soll nur noch in Aus­nah­me­fäl­len mög­lich sein. Et­wa, weil je­mand im Kran­ken­haus liegt oder Ähn­li­ches. „Es wird auch wei­ter­hin die Mög­lich­keit der Frist­ver­län­ge­rung für Nor­mal­bür­ger geWarsch­kow. ben, für Be­ra­ter nicht“, er­klärt Uwe Rau­höft, Ge­schäfts­füh­rer des Bun­des­ver­bands Lohn­steu­er­hil­fe­ver­ei­ne (BVL). Die Be­grün­dung muss al­ler­dings plau­si­bel sein. Der neue Ab­ga­be­ter­min soll­te dann un­be­dingt ein­ge­hal­ten wer­den.

Was pas­siert, wenn ich den Ab­ga­be­ter­min ver­pas­se? Zum Glück lässt sich der Ver­spä­tungs­zu­schlag in ei­ni­gen Fäl­len ver­mei­den. Denn das Fi­nanz­amt hat letzt­lich doch noch ein we­nig Spiel­raum, was Sank­tio­nen an­geht. Und das be­deu­tet: Liegt die be­rech­ne­te Steu­er­schuld bei 0 Eu­ro oder be­kommt je­mand Geld zu­rück­er­stat­tet, darf der Be­am­te auf den ob­li­ga­to­ri­schen Ver­spä­tungs­zu­schlag ver­zich­ten. „Hier ist mit Mil­de zu rech­nen“, er­klärt Ei­gen­tha­ler. An­ders dürf­te die Sa­che aus­se­hen für die, die Steu­ern nach­zah­len müs­sen. Wer es nicht ge­schafft hat, sei­ne Steu­er­er­klä­rung in­ner­halb von 14 Mo­na­ten nach Ablauf des Be­steue­rungs­jah­res ab­zu­ge­ben, wird zur Kas­se ge­be­ten. Das heißt: Sind die Un­ter­la­gen für 2018 bis 1. März 2020 im­mer noch nicht beim Fi­nanz­amt, gibt es kein Par­don.

Fo­to: stock.ado­be.com

Die Steu­er­er­klä­rung macht ver­mut­lich nie­mand wirk­lich ger­ne. Aber seit die­sem Jahr ha­ben al­le zwei Mo­na­te län­ger Zeit. Den­noch ra­ten Ex­per­ten zur Dis­zi­plin – sonst wird es schnell teu­er.

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