Jetzt ge­hen die Po­li­zei­ge­werk­schaf­ten auf­ein­an­der los

Streit we­gen der Ro­ckeraf­fä­re – Die DPOLG be­für­wor­tet per­so­nel­le Kon­se­quen­zen, wäh­rend die GDP ab­war­ten will

Lübecker Nachrichten - - NORDDEUTSCHLAND -

Kiel. Ge­werk­schaft ge­gen Ge­werk­schaft: Die Kie­ler Ro­cker- und Po­li­zei­af­fä­re spal­tet of­fen­bar wei­te Tei­le der Lan­des­po­li­zei. Wäh­rend die Ge­werk­schaft der Po­li­zei GDP fest zu den in Ver­ruf ge­ra­te­nen Füh­rungs­kräf­ten des Lan­des­kri­mi­nal­amts steht, er­greift die Deut­sche Po­li­zei­ge­werk­schaft DPOLG Par­tei für die von eben je­nen Füh­rungs­kräf­ten ge­schass­ten, kri­ti­schen Er­mitt­ler.

Der Streit er­hielt in die­ser Wo­che durch Cdu-in­nen­mi­nis­ter Hans­joa­chim Gro­te neue Nah­rung. Es sei­en sich „al­le ei­nig“, dass es im LKA im Zu­ge von Ro­cker­er­mitt­lun­gen 2010 zu Ak­ten­ma­ni­pu­la­ti­on und Mob­bing ge­kom­men sei. „Das wird nie­mand leug­nen“, sag­te Gro­te.

So deut­lich hat­te der Mi­nis­ter die Vor­wür­fe bis­lang noch nie be­stä­tigt. Nach ei­ner Messerstecherei im Ro­cker­mi­lieu 2010 in Ne­u­müns­ter hat­te tat­säch­lich ein In­for­mant aus der Sze­ne meh­re­re Ver­däch­ti­ge ent­las­tet. Ih­re Vor­ge­setz­ten hät­ten die­se Aus­sa­ge aber nicht in die Ak­ten auf­neh­men wol­len, um den V-mann zu schüt­zen, be­rich­te­ten zwei ehe­ma­li­ge Er­mitt­ler spä­ter. Als sie wei­ter nach­bohr­ten, ha­be der V-mann­füh­rer so­gar ei­nen ge­fälsch­ten Ver­merk ge­schrie­ben, der so auch Grund­la­ge der Ge­richts­ver­hand­lung wur­de. Die Vor­ge­setz­ten hät­ten da­von ge­wusst. Sie sel­ber, sa­gen die kri­ti­schen Be­am­ten, sei­en weg­ge­mobbt wor­den.

In den „Kie­ler Nach­rich­ten“kri­ti­sier­te Gdp-lan­des­chef Tors­ten Jä­ger Gro­te da­für scharf. Er emp­fin­de es „als rechts­staat­lich be­denk­lich“, wenn der In­nen­mi­nis­ter da­mit mög­li­che Er­geb­nis­se des PUA, des Par­la­men­ta­ri­schen Un­ter­su­chungs­aus­schus­ses des Land­tags, vor­weg­neh­me. Er dür­fe nicht so pau­schal be­haup­ten, dass es Ak­ten­ma­ni­pu­la­ti­on, Un­ter­drü­ckung von Be­weis­mit­teln, Mob­bing und Druck auf Mit­ar­bei­ter ge­ge­ben ha­be.

Es wür­de sich für den Mi­nis­ter da­her auch ver­bie­ten, jetzt schon per­so­nel­le Kon­se­quen­zen zu zie­hen, warnt Jä­ger. Gro­te al­ler­dings kün­dig­te in die­ser Wo­che an, ge­nau das zu prü­fen. Das Ver­hal­ten der Ver­ant­wort­li­chen in der Af­fä­re wer­de trotz der mög­li­chen Ver­jäh­rung von Straf­tat­be­stän­den straf- und dis­zi­pli­nar­recht­lich auf­ge­ar­bei­tet. Die Spd-op­po­si­ti­on for­dert be­reits, sie in je­dem Fall aus dem sen­si­blen Be­reich der ver­deck­ten Er­mitt­lun­gen weg­zu­ver­set­zen.

Will die GDP im Ge­gen­zug das Spiel auf Zeit ver­län­gern, dass ei­ne Ahn­dung mög­li­chen Fehl­ver­hal­tens von Lka-ver­ant­wort­li­chen im­mer schwe­rer macht? Schon im Ju­li 2017 hat­te die Ge­werk­schaft ge­mein­sam mit dem Bund Deut­scher Kri­mi­nal­be­am­ter BDK mit ei­nem of­fe­nen Brief Stim­mung ge­gen die Pres­se­be­richt­er­stat­tung über die Af­fä­re ge­macht. Dpolg-lan­des­vi­ze­chef Tho­mas Nom­men­sen je­den­falls geht Jä­ger und die GDP hart an. „Wer jetzt noch meint, auf die Er­geb­nis­se des PUA war­ten zu müs­sen, hat im­mer noch nicht ver­stan­den, wel­che Di­men­sio­nen die Af­fä­re hat und wie groß die Be­las­tun­gen für die Ge­schä­dig­ten und die ge­sam­te Lan­des­po­li­zei sind“, sagt Nom­men­sen. Nach den Aus­sa­gen des Mi­nis­ters müss­ten jetzt „selbst- ver­ständ­lich“so­fort Kon­se­quen­zen ge­zo­gen wer­den. So müss­ten ge­gen die da­ma­li­gen Ver­ant­wort­li­chen be­am­ten­recht­li­che Schrit­te ein­ge­lei­tet und die ge­schass­ten Er­mitt­ler re­ha­bi­li­tiert wer­den.

Im LKA wächst der­weil of­fen­bar die Ner­vo­si­tät. Dort wur­de jetzt in der „Grund­satz­ab­tei­lung“so­gar ei­ne ei­ge­ne „Ge­schäfts­stel­le“ein­ge­rich­tet, die sich nur mit der Ar­beit des Un­ter­su­chungs­aus­schus­ses be­fasst – und das, ob­wohl es im In­nen­mi­nis­te­ri­um be­reits ei­ne sol­che St­abs­stel­le für die Zu­sam­men­ar­beit mit dem PUA gibt. Es ge­he dar­um, „dem ho­hen In­for­ma­ti­ons- und Aus­kunfts­be­darf des PUA nach­kom­men zu kön­nen“, sagt Lka-spre­cher Uwe Kel­ler ge­gen­über den LN. Die Ein­rich­tung sei „Aus­druck des Be­mü­hens, den An­for­de­run­gen des PUA ge­recht zu wer­den“. Ihr ge­hör­ten ein Ab­tei­lungs­lei­ter, ein Ju­rist und ein Ge­schäfts­stel­len­lei­ter an, da­zu der stän­di­ge Ver­tre­ter des Amts­lei­ters – al­so der Lka-vi­ze­chef. Das ist Ste­phan Nietz, zugleich Lan­des­vor­sit­zen­der des BDK und als sol­cher im Ju­li 2017 Mit­un­ter­zeich­ner des Pro­test­brie­fes ge­gen die Pres­se­be­richt­er­stat­tung, die die Auf­klä­rung der Af­fä­re im LKA for­der­te. Auf der Home­page des BDK nann­te er sie da­mals „ei­ne Treib­jagd“.wolf­ram Ham­mer

FO­TO: ROESS­LER

Gdp-lan­des­chef Tors­ten Jä­ger ver­tei­digt die be­schul­dig­ten Vor­ge­setz­ten im LKA wei­ter­hin.

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