SPD vor der Ent­schei­dung: Gro­ße Ko­ali­ti­on oder Am­pel?

Die SPD muss Far­be be­ken­nen: Geht sie mit der CDU ein Ehe­bünd­nis ein? Oder will sie ei­ne Drei­er-be­zie­hung mit Grü­nen und FDP? Heu­te fällt die Ent­schei­dung

Lübecker Nachrichten - - LOKALES - Von Jo­se­phi­ne von Zs­strow

Lü­beck. Die SPD steht vor ei­ner Rich­tungs­ent­schei­dung: Tritt sie mit der CDU vor den Trau­al­ter – oder lebt sie mit Grü­nen und FDP in ei­ner Drei­er­be­zie­hung? Heu­te fäl­len die Ge­nos­sen ih­re Ent­schei­dung. Dann ist klar, mit wem sie Ko­ope­ra­ti­ons­ge­sprä­che auf­neh­men.

„Es gibt noch kei­ne Ten­denz“, sagt Kreis­chef Tho­mas Ro­ther. Aber es ha­be gu­te Ge­sprä­che mit al­len Frak­tio­nen ge­ge­ben. „Ich war sehr po­si­tiv über­rascht.“Al­ler­dings: Das Pro­blem sind auch nicht die Frak­tio­nen, son­dern die ei­ge­ne Par­tei. Denn ei­gent­lich war schon kurz nach der Kom­mu­nal­wahl im Mai klar: Die CDU soll­te der neue Part­ner wer­den. Doch bei ei­ner Sit­zung des Kreis­vor­stan­des im Som­mer fehl­ten al­le Ge­nos­sen mit ge­wich­ti­gem Ein­fluss – und da be­schloss die Ba­sis: Wir wol­len auch Ge­sprä­che mit den Grü­nen. Und an so ei­nem Be­schluss des Kreis­vor­stan­des kommt die SPD nicht vor­bei. Seit­her zieht sich die Sa­che in die Län­ge. Jetzt soll es am Sonn­abend ei­ne Ent­schei­dung ge­ben, mit wem die SPD über ei­ne Part­ner­schaft ver­han­delt. Sie­ben Mo­na­te nach der Wahl.

Of­fi­zi­ell re­det kei­ner. So ist das bei der SPD. Den­noch gibt es ei­ne Prä­fe­renz: ei­ne Ehe mit der CDU. Die Gro­ße Ko­ali­ti­on ist kei­ne gro­ße Lie­be, aber ei­ne Ver­nunfts­be­zie- hung. In sol­chen Ver­bin­dun­gen geht es ra­tio­nal zu – und die da­zu­ge­hö­ri­ge Rech­nung ist sim­pel. 14 Spd­leu­te plus zwölf Cdu-mit­glie­der macht 26 Sit­ze in der Bür­ger­schaft. Ei­ne Zwei-stim­men-mehr­heit. Das ist kein di­ckes Pols­ter. Aber: Die CDU gilt als hand­zahm, seit de­ren Ex-frak­ti­ons­chef Andre­as Zan­der nicht mehr in der Bür­ger­schaft sitzt.

Die an­de­re Op­ti­on: Ei­ne Am­pel mit Grü­nen und FDP. Mit den Grü- nen ver­bin­det die SPD in­ne­re Nä­he – und über den Prag­ma­tis­mus der Li­be­ra­len wa­ren die Ge­nos­sen über­rascht. Die­ses Bünd­nis ver­spricht mehr Emo­tio­nen. Aber: Die Rech­nung ist wa­cke­lig. 14 SPD-SIT­ze, plus neun Grü­ne, plus zwei Fd­pman­da­te macht 25 Sit­ze. Ei­ne Ein­stim­men-mehr­heit. Hin­zu kommt, dass ei­ner von den Grü­nen zur Sa­ti­re-grup­pe Die Par­tei ge­hört.

Ob Gro­ße Ko­ali­ti­on oder Am­pel – die Knack­punk­te sind die­sel­ben. Städ­ti­sche Al­ten­hei­me, Kul­tur­ab­ga­be, Ver­bot von Fe­ri­en­woh­nun­gen in der Alt­stadt und Land­schafts­schutz­ge­bie­te. Die CDU wür­de ei­nen Neu­bau der Al­ten­hei­me zäh­ne­knir­schend mit­tra­gen, aber die Kul­tur­ab­ga­be ist mit ihr nicht zu ma­chen, ge­nau­so we­nig wie das Ver­bot der Tou­ris­ten-un­ter­künf­te. Land­schafts­schutz­ge­bie­te wür­de die CDU eher für Bau­ge­bie­te auf­ge­ben als die SPD. Bei ei­ner Am­pel sieht die FDP den Neu­bau von Al­ten­hei­men kri­tisch, Kul­tur­ab­ga­be und Fe­ri­en­woh­nungs­ver­bot lehnt die FDP ab, und Land­schafts­schutz für Bau­ge­bie­te auf­ge­ben – das wol­len die Grü­nen nicht.

Auf ei­nen ent­schei­den­den Un­ter­schied zwi­schen Gro­ßer Ko­ali­ti­on und Am­pel hat­te die SPD beim The­ma Se­na­to­ren ge­hofft. Vier Pos­ten sind zu ver­ge­ben. In ei­ner Ver­nunft-ehe mit der CDU ist klar: zwei für die SPD, zwei für die CDU. Bei ei­ner Am­pel wür­de die SPD mehr Se­na­to­ren wol­len, näm­lich drei; da­zu kä­me ei­ner für die Grü­nen – und die FDP be­kä­me ei­nen Auf­sichts­rats­pos­ten. Da ha­ben die Li­be­ra­len dan­kend ab­ge­lehnt. Da­mit bie­tet die Am­pel kei­ne Vor­tei­le aus Sicht der SPD.

Die Fra­ge bleibt aber: Setzt sich die Ba­sis mit ih­rer Vor­lie­be für ei­ne emo­tio­na­le­re Drei­er-ver­bin­dung durch – oder plä­diert sie auch für ei­ne nüch­ter­ne Ehe? Am Sonn­abend­nach­mit­tag soll die Ent­schei­dung ste­hen. An­schlie­ßend wird ein Ko­ope­ra­ti­ons­ver­trag ver­han­delt. Am 23. Fe­bru­ar soll der Spd-kreis­par­tei­tag das al­les ab­seg­nen. So der Plan.

Es gibt noch kei­ne Ten­denz. Aber ich war po­si­tiv über­rascht von den gu­ten Ge­sprä­chen. Tho­mas Ro­ther Spd-kreis­chef

FO­TOS: ULF-KERS­TEN NEELSEN

Bür­ger­schaft oh­ne Mehr­heit: Das könn­te sich heu­te Nach­mit­tag än­dern.

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