Weih­nachts­markt für Veg­gie-freun­de

Oh­ne Fleisch geht’s auch – Mit Man­deln, Mu­zen und Ge­mü­se­pfan­ne

Lübecker Nachrichten - - LOKALES -

In­nen­stadt. Gibt es hier auch et­was oh­ne Fleisch? Ei­ne Fra­ge, die im­mer häu­fi­ger auf dem Weih­nachts­markt ge­stellt wird. Denn der ve­ge­ta­ri­sche Trend ist auch in Lü­beck an­ge­kom­men. Ob Brat­wurst, Mu­zen oder Glüh­wein – vie­le Stand­be­trei­ber, die nicht oh­ne­hin schon ve­ge­ta­ri­sche Pro­duk­te ver­kau­fen, ha­ben im Lau­fe der letz­ten Jah­re ihr Sor­ti­ment um ve­ge­ta­ri­sche oder ve­ga­ne Pro­duk­te er­wei­tert. „Na­tür­lich muss sich das An­ge­bot für den An­bie­ter auch im­mer rech­nen“, sagt Doris Schütz vom Lü­beck und Tra­ve­mün­de Mar­ke­ting (LTM). Wenn es sich dem­zu­fol­ge für den Stand­be­trei­ber lohnt, sich aus­schließ­lich auf ve­ge­ta­ri­sche Kost zu kon­zen­trie­ren, kommt er auch im nächs­ten Jahr wie­der.

Ve­ge­ta­risch, das gibt es auch in der Al­ten Kog­ge auf dem Ko­berg. Ne­ben den brut­zeln­den Schasch­lik­spie­ßen und Würst­chen damp­fen Cham­pi­gnons und Zwie­beln in ei­ner Pfan­ne, die so groß ist wie der Rei­fen ei­nes Tre­ckers. „Die Nach­fra­ge an ve­ge­ta­ri­schen Pro­duk­ten ist in den letz­ten Jah­ren deut­lich mehr ge­wor­den“, sagt In­ha­ber Die­ter

Beim Pro­be­kos­ten un­se­rer Pro­duk­te war klar: Ve­ge­ta­risch ist ein Muss.

Sa­b­ri­na Reif­schlä­ger

Ja­bi’s Stand

Voß. Er hat schon seit 22 Jah­ren sei­nen Stand auf dem Ko­berg. Zwar wer­de der Ver­kauf von Würst­chen, dem Haupt­ge­schäft der Al­ten Kog­ge, nicht we­ni­ger. „Das kann sich aber in Zu­kunft än­dern.“Es kön­ne sein, dass ne­ben den Frank­fur­tern und Knack­würs­ten bald auch To­fu­würs­te auf dem Grill lie­gen.

Die Fra­ge, ve­ge­ta­risch Ja oder Nein, stell­te sich für Sa­b­ri­na Reif­schlä­ger und Jan Kri­an vom Ja­bis Stand auf dem Ko­berg nicht. „Beim Pro­be­kos­ten un­se­rer Pro­duk­te war klar: Ve­ge­ta­risch ist ein Muss“, sagt Reif­schlä­ger. Ih­re Piz­zakis­sen kön­nen mit jeg­li­chen Zu­ta­ten ge­füllt wer­den. „Wir las­sen auch manch­mal ei­ni­ge weg, wenn es der Kun­de wünscht.“Nur ve­gan, das wird schwie­rig, da die Rän­der des Kis­sens mit ei­ner Kä­se­schicht ver­schlos­sen wer­den. Oh­ne Kä­se wür­den sie wie­der auf­klap­pen und die Zu­ta­ten her­aus­kul­lern, sagt sie.

Was bei ei­nem Weih­nachts­markt­be­such nicht feh­len darf, ist ein hei­ßer Glüh­wein. Bei dem Punsch der un­ter­schied­li­chen Stand­be­trei­ber sind die In­halts­stof­fe in­di­vi­du­ell ver­schie­den. „In Est­land wird der Weih­nachts­trunk tra­di­tio­nell oh­ne Rot­wein aus Trau­ben ge­macht“, sagt Liis Nii­ne (33) vom est­län­di­schen Stand. Statt­des­sen nut­zen sie Ap­fel-, Quit­ten-, Kir­schund Jo­han­nes­wein. Ob die­se durch ei­ne Schwei­ne­haut ge­fil­tert wur­den, wie es bei ei­ni­gen Säf­ten und Wei­nen aus in­dus­tri­el­ler Her­stel­lung der Fall ist, weiß sie je­doch nicht. Es fra­ge al­ler­dings auch kaum je­mand da­nach.

Meist bleibt der Glüh­wein nicht al­lein in den Hän­den der Be­su­cher. Ei­ne Tü­te ge­brann­ter Man­deln ist Pflicht beim Bum­meln über den Weih­nachts­markt. Auch bei ih­nen kön­nen Ve­ge­ta­ri­er be­herzt zu­grei­fen. Sie sind nicht nur ve­ge­ta­risch, son­dern in den meis­ten Fäl­len frei von Lak­to­se und – fast im­mer – glu­ten­frei und ve­gan. „Im­mer mehr Men­schen wün­schen sich ei­ne Aus­kunft über die In­halts­stof­fe und ach­ten auf All­er­gi­ker-hin­wei­se“, sagt Fran­co Ve­sper­mann, In­ha­ber von Ve­sper­manns Man­del­bren­ne­rei. Das sei aber auch ge­setz­lich vor­ge­schrie­ben.

Deut­lich fet­ti­ger wird es beim Mu­zen­stand ge­gen­über. Doch wer­den die nicht in Schwei­ne­fett frit- tiert? Das ist ein Irr­glau­be, weiß Ju­li­an Räu­scher. Er ver­kauft und be­rei­tet das Schmalz­ge­bäck in der ge­gen­über­lie­gen­den Back­stu­be zu. Mu­zen frit­tie­ren sie schon seit Jah­ren in Pflan­zen­fett. „Das schmeckt zum ei­nen bes­ser und kann auch Ve­ge­ta­ri­ern und Mus­li­men, die kein Schwein es­sen, an­ge­bo­ten wer­den“, sagt er. Zwar ist der Teig ve­ge­ta­risch und wird nor­ma­ler­wei­se mit But­ter­schmalz, But­ter und Milch zu­be­rei­tet; für den ve­ga­nen Sta­tus reicht es dort je­doch nicht.

Und wer gänz­lich auf tie­ri­sche Pro­duk­te ver­zich­ten möch­te, der fin­det in Städ­ten wie Bre­men, Berlin und Ham­burg auch rein ve­ga­ne Weih­nachts­märk­te. Im Jahr 2010 galt der in Han­no­ver noch als der ein­zi­ge in Deutsch­land. Mitt­ler­wei­le ist die ve­ga­ne Le­bens­wei­se im Main­stream an­ge­kom­men – und auch an­de­re Städ­te zie­hen nach.

FO­TOS: ULF-KERS­TEN NEELSEN

Sa­b­ri­na Reif­schlä­ger ver­kauft Ja­bis-piz­zakis­sen am Ko­berg. Mit oder oh­ne Fleisch – das ent­schei­det der Kun­de.

Bei Mi­ke Behn­ke, Brot­bä­cker auf dem Mit­tel­al­ter­markt, ist so gut wie al­les ve­ge­ta­risch. Au­ßer der Sch­mand­lap­pen – auf dem sind Schin­ken­wür­fel.

Ne­ben Wurst und Schasch­lik-spie­ßen ver­kauft Andrea Pe­ter­mann ge­bra­te­ne Cham­pi­gnons und Grün­kohl – na­tür­lich oh­ne Fleisch.

Der est­län­di­sche Glüh­wein ist oh­ne Rot­wein, er­zählt Liis Nii­ne vom Est­land­stand auf dem Ko­berg.

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