RAUCH­ZEI­CHEN FÜR MEHR WOHL­BE­FIN­DEN

Landfrau - - INHALT - Text: Sa­bi­ne Ber­ger • Fo­tos: LAB.DANUM

Räu­cher­ex­per­tin Chris­ti­ne Fuchs er­klärt, wie wohl­tu­end die tra­di­tio­nel­le Kunst des Räu­cherns ist

Räu­chern ist ei­ne al­te Tra­di­ti­on, die nicht nur Räu­me, son­dern auch un­se­ren Geist rei­nigt. Dass das kein Ho­kus­po­kus, son­dern ein wun­der­bar wohl­tu­en­des Ri­tu­al ist, zeigt uns Räu­cher­ex­per­tin Chris­ti­ne Fuchs.

Bei mei­nem ers­ten Räu­cher­ver­such ha­be ich al­les falsch ge­macht, was man falsch ma­chen kann“, lacht Chris­ti­ne Fuchs. Die Räu­cher­mi­schung hat­te sie von ei­ner Freun­din ge­schenkt be­kom­men, um ih­re da­ma­li­ge Woh­nung aus­zu­räu­chern. „Auch wenn der Start et­was holp­rig war, mei­ne Neu­gier­de fürs Räu­chern wur­de durch die­ses Er­leb­nis den­noch ge­weckt“, be­teu­ert sie. Die Neu­gier­de schlug rasch in Fas­zi­na­ti­on um, nach­dem sie sich ein Buch zum The­ma be­sorg­te, das sie in kür­zes­ter Zeit ver­schlang, und an­schlie­ßend im­mer wie­der Räu­cher­kur­se be­such­te. Schnell ver­mehr­te sich ihr Wis­sen und ihr Er­fah­rungs­schatz, so­dass sie die Kurs­lei­te­rin bald schon als As­sis­ten­tin un­ter­stütz­te. Was sie als festan­ge­stell­te Mit­ar­bei­te­rin in ei­nem gro­ßen Au­to­mo­bil­kon­zern le­dig­lich als Hob­by be­trei­ben konn­te, wur­de nach ih­rem Aus­stieg zum neu­en Stand­bein. „Es lag ein­fach na­he, die­se Chan­ce zu er­grei­fen und end­lich das zum Be­ruf zu ma­chen, was mir schon so lan­ge Spaß macht“, er­zählt die 51-Jäh­ri­ge stolz. Und so grün­de­te sie ih­re Räu­cher­ma­nu­fak­tur na­mens Lab­da­num. „So heißt das Harz der Cis­tro­se“, er­klärt sie, „das von hol­zig-er­dig bis blu­mig-süß ein un­ge­wöhn­lich brei­tes Duft­spek­trum auf­weist. Und weil ich auch mit mei­ner Ma­nu­fak­tur ein brei­tes Spek­trum von Men­schen an­spre­chen möch­te, ha­be ich mich für die­sen Na­men ent­schie­den.“Denn Räu­chern ist nicht nur et­was für re­li­gi­ös oder spi­ri­tu­ell In­ter­es­sier­te, fin­det die le­bens­fro­he Schwä­bin. „Am meis­ten fas­zi­niert mich nach wie vor, wie der Rauch be­zie­hungs­wei­se die Räu­cher­düf­te es schaf­fen, Men­schen auf ei­ner sehr tie­fen Ebe­ne zu er­rei­chen, die au­ßer­halb des ver­stan­des­mä­ßi­gen Er­fas­sens liegt. Die Düf­te wir­ken, ob wir das wol­len oder nicht, wir kön­nen uns ih­nen nicht ent­zie­hen.“Des­halb

ist es Chris­ti­ne Fuchs ei­ner­seits wich­tig, auch im­mer wie­der Neu­lin­ge da­für zu be­geis­tern, und zwei­tens möch­te sie Pro­duk­te an­bie­ten, mit de­nen sich je­der oh­ne viel Fach­wis­sen und Zeit­auf­wand an das Räu­chern her­an­tas­ten kann. „Die tra­di­tio­nel­le Art, das ri­tu­el­le Räu­chern, wird mit der Räu­cher­koh­le ge­macht“, er­klärt sie (sie­he da­zu auch „Räu­cher­me­tho­den“auf der rech­ten Sei­te). „Da­bei geht es haupt­säch­lich um den Rauch, der da­für be­nö­tigt wird, denn die­ser ent­führt uns nicht nur mit sei­nem Duft, son­dern auch vi­su­ell in ei­ne an­de­re Di­men­si­on.“Für den All­tags­ge­brauch zu Hau­se oder im Bü­ro eig­net sich die Va­ri­an­te mit dem Stö­vchen bes­ser. Da­zu wird die Räu­cher­wa­re auf ein spe­zi­el­les Räu­cher­stö­vchen mit Draht­sieb ge­legt, wel­ches mit ei­ner Ker­ze er­hitzt wird. „Da­bei ent­fal­tet sich le­dig­lich der Duft, es ent­steht aber nicht der ty­pi­sche Rauch“, er­läu­tert Chris­ti­ne Fuchs. „Da­für müs­sen Sie kei­ne Angst ha­ben, dass die Rauch­mel­der Alarm schla­gen!“Das Räu­chern kann und soll­te laut Chris­ti­ne Fuchs wo im­mer es mög­lich ist, in den All­tag in­te­griert wer­den, denn es rei­nigt und des­in­fi­ziert nicht nur die Wohn­räu­me. Auch auf un­se­ren emo­tio­na­len Zu­stand wir­ke sich die­ses Ri­tu­al zen­trie­rend aus. „Nach ei­ner Räu­che­rung fühlt man sich in­ner­lich kla­rer und ent­spann­ter“, be­teu­ert die Fach­frau – ei­nen Ef­fekt, den wir heu­te wohl in fast je­der Le­bens­la­ge gut ge­brau­chen kön­nen. Au­ßer­dem sor­gen die Duft­stof­fe für ein woh­li­ges, be­hag­li­ches Am­bi­en­te, nach dem wir uns gera­de in der Weih­nachts- und Win­ter­zeit be­son­ders seh­nen. „Es gibt vie­le Stof­fe, die in den dunk­len Mo­na­ten un­se­re See­le mit ei­ner zi­tro­ni­gen No­te er­hel­len, wie der wei­ße Co­pal oder Mas­tix“, fin­det Chris­ti­ne Fuchs. „Aber auch wär­men­de Düf­te gibt es vie­le. Ich mag im Win­ter be­son­ders San­del­holz, Va­nil­le, Ton­kaboh­ne und das kost­ba­re Gua­jak­harz.“Die ho­he Kunst des Räu­cherns ist aber nicht nur das Ri­tu­al an sich, son­dern auch die rich­ti­ge Zu­sam­men­stel­lung der Räu­cher­stof­fe. Da­mit kann die Räu­cher­ex­per­tin St­un­den in ih­rer klei­nen Werk-

Gera­de jetz t in der Win­ter­zeit wirkt das Räu­chern wär­mend und schüt­zend auf Kör­per und Geist

statt in der Nä­he von Stutt­gart ver­brin­gen. Vie­le Zu­ta­ten sam­melt sie ei­gen­hän­dig im Wald oder ern­tet sie im haus­ei­ge­nen Kräu­ter­gar­ten. Ne­ben ih­rem On­li­ne­shop (www.lab­da­num.de) reist die tüch­ti­ge Ge­schäfts­frau mit ih­rem Ver­kaufs­stand zu vie­len Märk­ten, haupt­säch­lich im süd­deut­schen Raum. Da­ne­ben bie­tet sie re­gel­mä­ßig Räu­cher­kur­se an, hält Vor­trä­ge und schreibt Bü­cher rund ums Räu­chern (sie­he Buch­tipp Sei­te 28). Dass ihr Hob­by sich mitt­ler­wei­le in ei­nen Voll­zeit­job ver­wan­delt hat, stört Chris­ti­ne Fuchs nicht. „Auch nach all den Jah­ren bin ich noch im­mer fas­zi­niert von der wun­der­ba­ren Kraft, die das Räu­chern auf uns aus­übt, und kann mir kei­ne schö­ne­re Be­schäf­ti­gung vor­stel­len.“

SCHRITT 1 Als ers­tes wird das Stück Koh­le über der Flam­me vor­sich­tig er­hitzt.

SCHRITT 2 Wenn die Koh­le durch­ge­glüht ist, wird sie in ei­ne Scha­le auf et­was Sand ge­legt.

SCHRITT 3 Erst dann wird das Räu­cher­gut vor­sich­tig auf die glü­hen­de Koh­le ge­ge­ben.

EX­PER­TIN Mit ih­rer Ma­nu­fak­tur hat Chris­ti­ne Fuchs ihr Hob­by zum Be­ruf ge­macht. DUFTERLEBNIS Ei­ne Räu­cher­mi­schung soll­te aus ¾ Kräu­tern und ¼ Har­zen be­ste­hen.

EIN­STIM­MUNG Set mit vier win­ter­li­chen Räu­cher­mi­schun­gen für je­de Ad­vents­wo­che.

OBEN LINKS Das Räu­chern mit der Koh­le be­darf et­was mehr Übung und Ge­duld. MIT­TE RECHTS Für Ein­stei­ger eig­net sich das Räu­chern mit dem Stö­vchen, da man da­bei we­ni­ger falsch ma­chen kann.

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