Wer macht's:

Neue We­ge mit ha­ehn­lein

LandGenuss - - Inhalt - Text: Han­na Kirstein

LÖ­SUN­GEN FIN­DEN

Vor fünf Jah­ren ent­stand die Idee, die Ein­tags­kü­ken­pro­ble­ma­tik mit dem ha­ehn­lein­kon­zept zu lö­sen. Seit­her ha­ben die bei­den Mit­in­itia­to­rin­nen Leo­nie und An­na­li­na Beh­rens gu­te Er­fah­run­gen ge­macht

Bei den Bio-ei­ern und dem Bio-ge­flü­gel­fleisch von ha­ehn­lein kommt es vor al­lem auf den Hahn an. Wir er­zäh­len Ih­nen, wie die Er­zeu­ger­ge­mein­schaft Fürs­ten­hof in Meck­len­bur­gvor­pom­mern mit die­sem Fo­kus er­folg­reich neue We­ge geht

Früh mor­gens herrscht hel­le Auf­re­gung im Hüh­ner­win­ter­gar­ten in Fin­ken­thal – die bo­den­tie­fen Lu­ken wer­den ge­öff­net und Scha­ren von Hüh­nern strö­men nach drau­ßen ins Freie. Die meis­ten Hüh­ner der Er­zeu­ger­ge­mein­schaft Fürs­ten­hof ha­ben ihr Ta­ge­werk dann schon voll­bracht und Eier ge­legt.

Neue We­ge

„Bei der heu­ti­gen stark spe­zia­li­sier­ten Hüh­ner­zucht fin­den die männ­li­chen Le­ge­tie­re häu­fig kei­ne Ver­wen­dung. Wir bei ha­ehn­lein zei­gen, dass es an­ders geht“, so Mit­in­itia­to­rin An­na­li­na Beh­rens. Mit ei­nem Auf­preis bei den Ei­ern fi­nan­ziert ha­ehn­lein die Auf­zucht der männ­li­chen Le­ge­tie­re. Ih­re Schwes­ter Leo­nie Beh­rens be­rich­tet: „Die Nach­fra­ge nach un­se­ren Pro­duk­ten gibt uns recht: Es hat sich ge­zeigt, dass die Auf­zucht der Häh­ne über ei­ne Qu­er­fi­nan­zie­rung der Eier wirt­schaft­lich trag­bar ist, und dass sich die Kun­den wün­schen, dass die männ­li­chen Kü­ken mehr als nur den Schlupf er­le­ben. Wir freu­en uns da­her, wenn uns an­de­re Be­trie­be auf die­sem Weg fol­gen bzw. be­glei­ten und wir zu­künf­tig im­mer mehr ‚ha­ehn­lein‘ her­an­wach­sen se­hen.“Seit der ers­ten Test­pha­se im Jahr 2012 ist die Nach­fra­ge nach Ei­ern und Fleisch so kon­stant ge­stie­gen, dass ha­ehn­lein im März 2016 die Auf­zucht des 100.000 Hahns fei­ern konn­te. 2017 – zum 5. Jah­res­tag – hat ha­ehn­lein ins­ge­samt rund 350.000 Häh­ne ge­ret­tet.

Ge­mein­sa­me Auf­zucht

Das Le­ben der ha­ehn­lein-le­ge­hen­nen und -häh­ne be­ginnt in der Bio-brü­te­rei. Dort schlüp­fen die Kü­ken un­ter op­ti­ma­len Wär­me­be­din­gun­gen. Das Ver­hält­nis von männ­li­chen und weib­li­chen Tie­ren ist in et­wa 1:1. Wäh­rend die männ­li­chen Tie­re an die­ser Stel­le üb­li­cher­wei­se aus­sor­tiert

blei­ben hier Häh­ne und Hen­nen zu­sam­men. Sie zie­hen zu­nächst ge­mein­sam in die Auf­zucht, wo sie es mit 35 Grad Raum­tem­pe­ra­tur und Fuß­bo­den­hei­zung ku­sche­lig warm ha­ben. Hier be­kom­men sie spe­zi­ell auf ih­re Be­dürf­nis­se ab­ge­stimm­tes Fut­ter, Kü­ken­trän­ken, Sand­kis­ten, Ru­he­plät­ze, so­gar Mu­sik und na­tür­lich viel Zu­wen­dung. Wenn die Kü­ken zu Jung­tie­ren her­an­ge­wach­sen sind und sie ih­re Kü­ken­dau­nen mit rich­ti­gen Fe­dern über­deckt ha­ben, er­hal­ten sie zu­sätz­lich ein Stro­h­ab­teil oh­ne Fuß­bo­den­hei­zung. Ab der ach­ten Wo­che ver­fü­gen sie ne­ben dem Stall­ge­bäu­de über den Win­ter­gar­ten und ei­nen groß­zü­gi­gen Aus­lauf im Frei­en.

Vom Stall in den Su­per­markt

Die ha­ehn­lein-le­ge­hen­nen le­gen min­des­tens 260 Eier der Gü­te­klas­se A. Die ers­ten Eier legt ei­ne Hen­ne nach ca. 20 Wo­chen. Dies ge­schieht meist früh­mor­gens, wenn die Tie­re im Nest ih­re Ru­he ha­ben. Der Bo­den ist leicht schräg, so­dass die Eier vor­sich­tig auf ein da­hin­ter­lie­gen­des Band kul­lern. Es trans­por­tiert sie in die Pack­stati­on di­rekt auf dem Hof. Hier wer­den die Eier zu­erst sor­tiert und ge­stem­pelt. Ei­ne Ma­schi­ne wiegt die Eier au­to­ma­tisch. Ab­hän­gig vom Ge­wicht lau­fen sie auf ei­ne S-, M-, L- oder Xl-bahn. Hier wer­den sie dann in ei­ne ent­spre­chen­de Ver­pa­ckung ge­legt, wel­che an­schlie­ßend eti­ket­tiert wird. Da­nach sind die Eier zum Trans­port be­reit. An ei­nem nor­ma­len Werk­tag kön­wer­den, nen Sie die ha­ehn­lein-eier schon 24 St­un­den nach der Le­gung im Stall im Su­per­markt um die Ecke kau­fen.

Be­son­de­res Ge­flü­gel­fleisch

Nach der ge­mein­sa­men Auf­zucht wird ein Teil der Häh­ne re­gio­nal ge­schlach­tet. Sie ha­ben dann ihr Soll­ge­wicht er­reicht. Der

rest­li­che Teil ver­bleibt in der Hüh­ner­her­de und fun­giert dort als Leit­hahn. Wäh­rend kon­ven­tio­nel­le Mast­hähn­chen nach et­wa 35 Ta­gen und klas­si­sche Bio-hähn­chen nach ca. 2,5 Mo­na­ten ge­schlach­tet wer­den, wach­sen die „ha­ehn­lein“scho­nen­der und lang­sa­mer auf. Sie er­rei­chen nach et­wa 4 bis 5 Mo­na­ten ihr Schlacht­ge­wicht. Sie wer­den dann von ih­rem be­treu­en­den Per­so­nal be­hut­sam ver­la­den und in die Ge­flü­gel-schlach­te­rei trans­por­tiert. Das Fleisch wird von Hand zer­legt, tief­ge­fro­ren, ver­packt und di­rekt an den Le­bens­mit­tel­ein­zel­han­del aus­ge­lie­fert. Be­dingt durch das lang­sa­me Wachs­tum und die vie­le Be­we­gung, die die Tie­re zeit­le­bens ge­habt ha­ben, ist das Fleisch na­tür­lich zart, be­son­ders aro­ma­tisch und von dunk­le­rer Far­be. Die ver­blei­ben­den Häh­ne sie­deln ge­mein­sam mit den Hen­nen in den Le­ge­stall über, wo sie zur ge­sun­den So­zi­al­struk­tur bei­tra­gen.

Po­si­ti­ves be­we­gen

„Dar­an, dass das ha­ehn­lein-kon­zept auf­ge­hen wür­de und sich so die Ein­tags­kü­ken­pro­ble­ma­tik für vie­le Tie­re lö­sen lie­ße, glaub­ten nicht al­le. Vor al­lem, dass Kun­den mehr Geld für sol­che Eier be­zah­len wür­den, wur­de an­ge­zwei­felt“, er­zäh­len die Bio-land­wir­tin­nen An­na­li­na und Leo­nie Beh­rens von ih­rem schwie­ri­gen Start. „Da­her freu­en wir uns um­so mehr, dass der Han­del un­se­re Pro­duk­te mitt­ler­wei­le lis­tet und un­ser Kon­zept auf­geht. So kön­nen die Ver­brau­cher le­cke­re Le­bens­mit­tel kon­su­mie­ren und gleich­zei­tig Wert auf die Ethik le­gen. ha­ehn­lein zeigt: Wenn wir Tier­hal­ter, der Han­del und Sie als Ver­brau­cher al­le an ei­nem Strang zie­hen, lässt sich viel Po­si­ti­ves be­we­gen. Und das wol­len wir auch wei­ter­hin! Sie dür­fen auf viel Neu­es ge­spannt sein!“

„Wir freu­en uns sehr, dass un­ser Kon­zept so gut an­ge­nom­men wird“

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