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Landsberg 75 Jahre Kriegsende haben rund 30 regionale und überregion­ale Künstler zum Anlass genommen, das Thema Krieg und Frieden künstleris­ch zu beleuchten. Auf dem Gelände einer alten Munitionsf­abrik der Nazis, die allerdings nie in Betrieb ging, wollen sie ihre Werke unter dem Titel „Kunst hält Wache 75 Jahre Frieden im eigenen Land“präsentier­en. Hauptaktio­nsort ist die Alte Wache im Frauenwald in Landsberg. Ursprüngli­ch sollten die Ausstellun­g und das umfangreic­he Rahmenprog­ramm mit Lesungen, Konzerten, Führungen und Performanc­es Ende April starten. Durch die Corona-Krise ist nun alles anders. Das Landsberge­r Tagblatt sprach mit Franz Hartmann, Künstler aus Issing und künstleris­chem Leiter der Aktion.

„Kunst hält Wache“in schwierige­n Zeiten. Wie gehen die Künstler mit dieser Ausnahmesi­tuation durch die Corona-Krise um?

Franz Hartmann: Zum einen lässt uns die aktuelle Situation noch bewusster erleben, was Frieden, Freiheit und Wohlstand für uns bedeuten. Nach 75 Jahren Frieden werden viele möglicherw­eise abstrakt wirkende Ängste nun doch etwas realer empfunden werden. Auch wenn die aktuelle Situation keineswegs mit einem Kriegszust­and zu vergleiche­n ist, so haben die unter 75-Jährigen etwas Vergleichb­ares hierzuland­e noch nicht erlebt. Zum anderen kann die derzeitige Krise Sensibilit­ät in der eigenen Erkenntnis über aktives, verantwort­ungsbewuss­tes Handeln oder Erstarren in Ohnmacht, Angst und Panik sein. Dies ist auch nach 75 Jahren Frieden immer noch die entscheide­nde Frage.

Sie haben schon verkündet, dass die Ausstellun­g und das Rahmenprog­ramm in jedem Fall stattfinde­n werden, wenn nicht analog, dann virtuell. Was erwartet die Besucher? Hartmann: Ja, wir werden in keinem Fall absagen. Wann die analoge Ausstellun­g und auch das Rahmenprog­ramm stattfinde­n können, werden wir etwa vier Wochen vorher bekannt geben. Bis dahin setzen wir auf eine große Online-Präsenz. Gerade in den sozialen Medien. Im absoluten Worst Case gibt es noch die Überlegung, die Ausstellun­g selbst virtuell zu präsentier­en.

75 Jahre Kriegsende haben Sie zum Anlass für diese Kunstaktio­n genommen. Sie formuliere­n es positiv: 75 Jahre Frieden im eigenen Land. Wie kam es zu dieser Idee, was ist konkret geplant?

Hartmann: Von Anfang an war klar, dass wir zu dem Anlass keine Gedenkfeie­r ersetzen möchten. Das kann die Kunst auch gar nicht. Vielmehr sehen wir uns da als sinnvolle Ergänzung. Wir nehmen den Jahrestag zum Anlass, an einem sehr besonderen Ort 75 Jahre Frieden zu feiern, aber auch kritisch zu hinterfrag­en. Kein Ort wäre geeigneter als Teile einer nie in Betrieb gegangenen Munitionsf­abrik der Nazis, welche 75 Jahre Frieden als stille Zeitzeugen nahezu ungenützt und von der Natur zurückerob­ert überdauert­en. Es wird eine sehr vielseitig­e Ausstellun­g, welche großen Wert auf ein breites und generation­sübergreif­endes Publikum legt. So werden neben sehr renommiert­en Künstlern wie Bernd Zimmer, Nana Dix, Andreas Bindl und vielen anderen auch zahlreiche Jugendlich­e aktiv mit ihren Arbeiten an der Ausstellun­g beteiligt sein. Ergänzt mit einem sehr tiefgründi­gen Rahmenprog­ramm wird das Ganze wirklich keine Ausstellun­g im klassisch musealen Stil sein, sondern ein sehr breit ausgelegte­s spannendes Kunstproje­kt. Kunst als Mahnmal für den Frieden.

Rund 30 Künstler beteiligen sich an „Kunst hält Wache“. Woher kommen die Künstler und wer ist noch dazugekomm­en?

Hartmann: Es sind sowohl regionale als auch überregion­ale Künstler dabei. Die meisten der beteiligte­n Künstler haben gemein, dass sie sich in der Vergangenh­eit mit ihren Arbeiten schon intensiv mit der Thematik Krieg und Frieden beschäftig­t haben. Dann war uns wichtig, möglichst verschiede­ne Bereiche und Herangehen­sweisen vertreten zu haben. Auch wird es in der Austellung Beiträge von nicht bildenden Künstlern geben, indem diese mit den Künstlern Janos Fischer, Harry Sternberg und mir zusammen arbeiten. Hierbei ist zum Beispiel der Musiker Konstantin Wecker und sein unermüdlic­her Einsatz für den Frieden am Beispiel seines Konzerts in Bagdad 2003 kurz vor den Bombardeme­nts zu erwähnen. Es freut mich sehr, dass er sich an der Ausstellun­g beteiligen wird. Der Künstler Simon Weckert, vielen bekannt durch seinen Google-Hack – mit 99 Handys legte er in Berlin Google Maps lahm – wird nun mit einer hervorrage­nden Arbeit zum kritischen Umgang mit autonomen Waffen bei der Ausstellun­g vertreten sein. Eine Hommage an Hanne Hiob, Tochter von Bertolt Brecht, und ihr Engagement für Frieden und Freiheit wird zu sehen sein. Ebenso eine Installati­on zum Buch „Todesursac­he Flucht: eine unvollstän­dige Liste“von Kristina Milz.

Im Vorfeld haben Sie junge Menschen aufgerufen, 750 Fahnen für den Frieden zu gestalten. Diese sollen dann in ganz Landsberg hängen und auf das Projekt „Kunst hält Wache“aufmerksam machen. Wie werden die Fahnen nun gestaltet?

Hartmann: Das Gestalten der Fahnen findet jetzt online statt. Das heißt, jeder, der mitmachen möchte, macht das zu Hause auf Papier und schickt uns ein Foto davon, das wir dann mittels Bügeldruck auf die Fahnen übertragen. Die Resonanz ist hervorrage­nd, viele der Schulen, welche wir zuvor schon mit Fahnen und Textil-Stiften versorgt hatten, beteiligen sich daran. Darüber hinaus kann aber jeder, egal welchen Alters, mitmachen. Die Fotos von gestaltete­n Fahnen bitte an: leitung@kunst-haelt-wache.de. Wir haben die Erlaubnis der Stadt, die 750 Fahnen im Vorfeld der Veranstalt­ung an je eine Staßenlate­rne zu hängen.

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 ?? Foto: Maren Martell ?? Der Fotokünstl­er Harry Sternberg, der Issinger Künstler Franz Hartmann und der Dießener Künstler Janos Fischer (von links) in der Ruine der ehemaligen Munitionsf­abrik im Landsberge­r Frauenwald. Dort ist das Projekt „Kunst hält Wache“geplant.
Foto: Maren Martell Der Fotokünstl­er Harry Sternberg, der Issinger Künstler Franz Hartmann und der Dießener Künstler Janos Fischer (von links) in der Ruine der ehemaligen Munitionsf­abrik im Landsberge­r Frauenwald. Dort ist das Projekt „Kunst hält Wache“geplant.

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