Sind die At­tes­te falsch?

Der Kau­fe­rin­ger Arzt soll bei ei­ner Co­ro­na-De­mo in Mün­chen „un­rich­ti­ge Ge­sund­heits­zeug­nis­se“aus­ge­stellt ha­ben. Die Po­li­zei nimmt ihn fest. Hat das für den Me­di­zi­ner nun Fol­gen? Das hat nach­ge­fragt

Landsberger Tagblatt - - Erste Seite - VON DO­MI­NIK STEN­ZEL

Was ist von At­tes­ten des Kau­fe­rin­ger Arz­tes Rolf Kron zur Be­frei­ung von der Co­ro­na-Mas­ken­pflicht zu hal­ten? Es lau­fen Un­ter­su­chun­gen und Er­mitt­lun­gen.

Mün­chen/Kau­fe­ring Ei­gent­lich soll­te Rolf Kron am 12. Sep­tem­ber im Rah­men ei­ner „Qu­er­den­ker“-Kund­ge­bung in Mün­chen als Red­ner auf­tre­ten. Doch da­zu kam es nicht. Wie be­rich­tet, wur­de der Kau­fe­rin­ger Arzt auf dem Weg zur The­re­si­en­wie­se von der Po­li­zei in Ge­wahr­sam ge­nom­men. Der Vor­wurf: Rolf Kron soll fal­sche Mas­ken-Be­frei­ungsat­tes­te aus­ge­stellt ha­ben – die Kri­mi­nal­po­li­zei er­mit­telt. Und auch der Ärzt­li­che Be­zirks­ver­band Ober­bay­ern ha­be in­zwi­schen ei­ne Un­ter­su­chung ein­ge­lei­tet, sagt de­ren Ge­schäfts­füh­re­rin Alex­an­dra Wiltsch ge­gen­über dem Lands­ber­ger Tag­blatt. Wel­che Kon­se­quen­zen dro­hen dem 57-Jäh­ri­gen, soll­te sich der Ver­dacht er­här­ten? Könn­te dem Me­di­zi­ner so­gar die Zu­las­sung ent­zo­gen wer­den? Das LT hat Ex­per­ten ge­fragt.

Rolf Kron schil­der­te den Vor­fall ge­gen­über un­se­rer Re­dak­ti­on wie folgt: Auf dem Weg zur The­re­si­en­wie­se sei ein ge­neh­mig­ter De­mons­tra­ti­ons­zug oh­ne er­sicht­li­chen Grund von der Po­li­zei ge­stoppt wor­den. Nicht we­ni­ge Teil­neh­mer hät­ten ei­ne Mas­ke ge­tra­gen und in sen­gen­den Hit­ze des­we­gen ge­sund­heit­li­che Pro­ble­me be­kom­men. Kron ha­be an­ge­bo­ten, ih­nen „als Trup­pen­arzt“At­tes­te aus­zu­stel­len, wel­che sie von der Mas­ken­pflicht be­frei­en. Spä­ter sei er auf Hö­he des Ode­ons­plat­zes von der Po­li­zei ab­ge­führt und nach ei­ge­nen Aus­sa­gen „wie ein Ter­ro­rist“ge­filzt wor­den. Ein Spre­cher der Po­li­zei Mün­chen be­stä­tig­te ge­gen­über un­se­rer Re­dak­ti­on, dass ein Arzt kon­trol­liert und in Ge­wahr­sam ge­nom­men wor­den sei. In­zwi­schen er­mitt­le die Kri­mi­nal­po­li­zei we­gen des Ver­dachts des Aus­stel­lens „un­rich­ti­ger Ge­sund­heits­zeug­nis­se“ge­gen ihn.

Grund­sätz­lich sei das Aus­stel­len ei­nes At­tests in der Öf­fent­lich­keit zwar denk­bar, sagt Dr. Hans-Joa­chim Baum­gartl, Vor­sit­zen­der des Ärzt­li­chen Kreis­ver­bands Lands­berg. Al­ler­dings ver­weist der Me­di­zi­ner auf die ärzt­li­che Sorg­falts­pflicht: „Zur Beur­tei­lung ei­ner Frei­stel­lung von der Mas­ken­pflicht be­nö­tigt ein Arzt ei­ne gründ­li­che kör­per­li­che Un­ter­su­chung des Be­tref­fen­den so­wie de­tail­lier­te Kennt­nis­se über des­sen Krank­heits­vor­ge­schich­te.“Dar­über hin­aus sei­en ge­ge­be­nen­falls me­di­zi­nisch-tech­ni­sche Un­ter­su­chungs­er­geb­nis­se not­wen­dig. Hans-Joa­chim Baum­gartl, Fach­arzt für In­ne­re Me­di­zin mit Pra­xis in Lands­berg, sagt, er ha­be noch kein ein­zi­ges Mas­ken-Be­frei­ungsat­test aus­ge­stellt, da er dies­be­züg­lich noch nicht an­ge­fragt wor­den sei. Rolf Kron gab hin­ge­gen ge­gen­über dem LT an, be­reits „ei­ni­ge Hun­dert“At­tes­te aus­ge­stellt zu ha­ben. Au­ßer­dem sei er be­reit, al­len Bu­ben und Mäd­chen in Deutsch­land ei­ne sol­che Be­schei­ni­gung aus­zu­stel­len. Denn die Mas­ken­pflicht ist laut Kron „Ver­ge­wal­ti­gung an un­se­ren Kin­dern.“

Alex­an­dra Wiltsch, Ge­schäfts­füh­re­rin des Ärzt­li­chen Be­zirks­ver­bands Ober­bay­ern, be­tont, dass al­lein schon die An­kün­di­gung von so­ge­nann­ten „Ge­fäl­lig­keit­sat­tests“den Wert von ärzt­li­chen At­tes­ten un­ter­gra­be. Der Ver­band ha­be in­zwi­schen ei­ne Un­ter­su­chung ge­gen Rolf Kron ein­ge­lei­tet. Es ge­be je­doch nur „sehr we­ni­ge“Be­wei­se da­für, dass der Kau­fe­rin­ger Arzt tat­säch­lich Ge­fäl­lig­keit­sat­tes­te aus­ge­der stellt ha­be. „Wir prü­fen der­zeit, ob ei­ne An­kün­di­gung be­reits ein Be­rufs­pflicht­ver­stoß ist.“Soll­te auch die Staats­an­walt­schaft Er­mitt­lun­gen ein­lei­ten, sei­en die­se vor­ran­gig. „Wir müss­ten dann ab­war­ten“, sagt Wiltsch. Als mög­li­che Stra­fen könn­te der Ärzt­li­che Be­zirks­ver­band et­wa ei­ne Rü­ge aus­spre­chen oder ei­ne Geld­bu­ße von bis zu 100000

Eu­ro ver­hän­gen. Für die Ap­pro­ba­ti­on, al­so die staat­li­che Zu­las­sung des Arz­tes, sei hin­ge­gen die Re­gie­rung von Ober­bay­ern zu­stän­dig.

In­wie­weit in dem Fall tat­säch­lich ein vor­werf­ba­res Ver­hal­ten vor­lie­ge, sei durch die Kri­mi­nal­po­li­zei auf­zu­klä­ren, sagt Wolf­gang Rupp, Pres­se­spre­cher der Re­gie­rung von Ober­bay­ern, ge­gen­über dem LT. Als Be­rufs­auf­sichts­be­hör­de sei die Re­gie­rung auf Er­mitt­lungs­er­geb­nis­se aus po­li­zei­li­chen oder staats­an­walt­li­chen Ver­fah­ren an­ge­wie­sen. Ein Ap­pro­ba­ti­ons­wi­der­ruf kom­me bei ei­ner „Un­zu­ver­läs­sig­keit oder Un­wür­dig­keit“zur Aus­übung des ärzt­li­chen Be­ru­fes in Fra­ge. Der

Sach­ver­halt müs­se al­ler­dings ge­si­chert nach­ge­wie­sen und be­last­bar sein, was et­wa bei ei­nem rechts­kräf­tig ab­ge­schlos­se­nen Straf­ver­fah­ren der Fall sei. Zum jet­zi­gen Zeit­punkt kön­ne da­her noch kei­ne Aus­sa­ge über et­wai­ge be­rufs­recht­li­che Maß­nah­men ge­trof­fen wer­den.

Mit sei­nen Äu­ße­run­gen auf Co­ro­na-Kund­ge­bun­gen hat­te Rolf Kron in der Ver­gan­gen­heit im­mer wie­der für Auf­se­hen ge­sorgt: Co­ro­na sei ein Schnup­fen­er­re­ger, ei­ne An­ste­ckung mit dem Vi­rus in den Som­mer­mo­na­ten gar nicht mög­lich. Wie be­ur­teilt der Ärzt­li­che Be­zirks­ver­band sol­che Aus­sa­gen? „Er ver­tritt si­cher­lich ei­ne Hal­tung, wel­che die gro­ße Mehr­heit un­se­rer Me­di­zi­ner nicht teilt“, sagt Alex­an­dra Wiltsch. Je­doch gel­te das Prin­zip der frei­en Mei­nungs­äu­ße­rung.

Die Zah­len der Er­krank­ten und der Ver­stor­be­nen welt­weit wür­den ih­re ei­ge­ne Spra­che spre­chen, be­tont Hans-Joa­chim Baum­gartl, Spre­cher der Lands­ber­ger Ärz­te: „Vie­le Ärz­tin­nen und Ärz­te im Land­kreis sind sehr froh dar­über, dass die hier er­grif­fe­nen Maß­nah­men bis­lang ei­nen über­schau­ba­ren Ver­lauf er­mög­licht ha­ben. Ich wün­sche mir, dass dies so bleibt.“

Die Re­gie­rung ver­weist auf die Kri­mi­nal­po­li­zei

Rolf Kron

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