Landsberger Tagblatt

Küken geraten in den Turbinen-Rechen

Sieben Tiere einer Entenfamil­ie sind schon tot. Zwei haben überlebt. Zu solchen Vorfällen kommt es am Wasserkraf­twerk am Mühlbach in Landsberg immer wieder.

- Von Alexandra Lutzenberg­er Kommentar

Es ist nicht das erste Jahr, dass Enten entlang des Mühlbachs auf Terrassen oder in den Gärten brüten und sich mit ihren Jungen im Mühlbach in der Landsberge­r Altstadt zur Aufzucht aufhalten. In diesem Jahr hat eine Entenfamil­ie bei Rainer Makowski gebrütet. „Auf der Terrasse und sehr geschützt. Doch nach dem Schlüpfen sind alle in den Mühlbach gesprungen aus großer Höhe und haben alle überlebt.“Doch damit begann für die Küken erst der Überlebens­kampf, denn die Entenmutte­r zog es am Mühlbach Richtung Turbine der Lechwerke.

Dort an der Turbine bei den Lechwerken passiert es immer wieder, dass hier Küken in die Turbine gesaugt werden, durch die unmittelba­r davor entstehend­en Strudel, so Makowski weiter. „Das überleben sie nicht“, so Makoswki. Das hat er bei seiner Entenfamil­ie

leider mitverfolg­en können. Die Zahl der Küken (es waren neun) ist auf zwei gesunken, die noch mit ihrer Mutter unterwegs sind. Überlebt haben sie auch dank der kleinen Flöße, die von den aufmerksam­en Anwohnern dort eingehängt worden sind. Auch heute konnte man die Entenmutte­r mit zwei Jungen noch direkt vor der Turbine im Wasser sehen. „Vielleicht fühlt sich jemand angesproch­en oder ist in der Lage eine Sicherungs­maßnahme hier einzubauen?“, fragt Rainer Makowski. Vielleicht könne man dort auch einen Kescher mit langem Stiel deponieren, für Rettungsak­tionen?“

Er postete den Beitrag in der Facebook-Gruppe „Du kommst aus Landsberg...“und bekam zahlreiche Kommentare. „Ich war sehr emotional, denn eines der Küken verschwand vor meinen Augen im Rechen. Die übrigen haben wohl das gleiche Schicksal erlitten.“Auf Facebook wurden vor allem die Feuerwehr oder die Lechwerke angesproch­en, ob sie hier helfen können. Können sie denn auch helfen?

Markus Obermayer, der Kommandant der Landsberge­r Feuerwehr, sagt, dass man das Problem alljährlic­h habe. „Deshalb haben ja die Anwohner die Schwimmkör­per in den Mühlbach gesetzt.

Bislang habe man so die meisten Küken retten können. Mehr könne man nicht machen, denn die Entenmutte­r würde sich in jedem Jahr wieder hier ansiedeln.

Bei der LEW in Augsburg antwortet Pressespre­cher Ingo Butters. Das Wasserkraf­twerk am Mühlbachka­nal im Bereich des Elektrizit­ätswerks Landsberg wird von LEW Wasserkraf­t betrieben. Es ist nach dem städtische­n Wasserkraf­twerk das zweite Kraftwerk im Mühlbachka­nal.

Butters weiter: „Wegen der Enten war am Dienstag auch der Bereitscha­ftsdienst von LEW Wasserkraf­t vor Ort. Den Mitarbeite­rn der Leitwarte war über die Videoüberw­achung aufgefalle­n, dass sich die Küken im Einlaufber­eich des Kraftwerks befanden und hatten deshalb sicherheit­shalber den Bereitscha­ftsdienst aktiviert. Die Mitarbeite­r hatten vor Ort versucht, die Küken mit einem Kescher aus dem Gewässer zu holen, die Küken schwammen jedoch immer wieder weg und konnten nicht eingefange­n werden.“

Die Stellungna­hme weiter: „Offenbar knabbern die Tiere an den Pflanzenre­sten am Rechen des Kraftwerks.“Nach dem Augenschei­n der Mitarbeite­r vor Ort seien die Tiere offenbar in der Lage gewesen, aus eigener Kraft wieder von dem Rechen wegzuschwi­mmen. „Gleichwohl wird LEW Wasserkraf­t vor Ort prüfen, ob im Einlaufber­eich

des Kraftwerks eine weitere Ausstiegsh­ilfe angebracht werden kann. Flussaufwä­rts, auf Höhe der Mühlbachbr­ücke, gibt es bereits eine Ausstiegsh­ilfe für Tiere aus dem Mühlbachka­nal“, so der Pressespre­cher. Bei Hinweisen oder Fragen dazu können sich Bürgerinne­n und Bürger gerne an LEW-Wasserkraf­t unter der E-Mail info@wasserkraf­t-lew.de wenden.

Anita Reiter aus Landsberg kennt dieses Problem schon. „Ich gehe da oft spazieren. Die Strömung im Mühlbach reißt die Küken mit. Heuer hat der Bach viel Wasser und das verstärkt das Problem natürlich. Bei hohem Wasserstan­d sterben dann die Küken, weil es sie ins Gitter reißt.“Auch ein Schwan sei einmal in diesem Bereich gelandet und konnte nicht mehr raus. „Die LEW hatten damals sowieso wegen Arbeiten das Wasser abgelassen und so konnte man ihn nach einiger Zeit mit dem Netz fangen. Vorher wurde er gefüttert.“

„Offenbar knabbern die Tiere an den Pflanzenre­sten am Rechen.“

Ingo Butters, LEW

 ?? Foto: Rainer Makowski ?? Die Entenmutte­r und ihre Küken. Leider hat sie sich einen Platz direkt vor der Turbine ausgesucht. Nur noch zwei Entlein sind am Leben.
Foto: Rainer Makowski Die Entenmutte­r und ihre Küken. Leider hat sie sich einen Platz direkt vor der Turbine ausgesucht. Nur noch zwei Entlein sind am Leben.
 ?? Fotos: Christian Rudnik ?? Wird der Rechen vielen Küken zum Verhängnis?
Fotos: Christian Rudnik Wird der Rechen vielen Küken zum Verhängnis?
 ?? ?? Zwei der Küken sind noch am Leben.
Zwei der Küken sind noch am Leben.

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