Ge­heim­nis um die „Gel­be Sup­pe“: Wer kennt das Re­zept?

His­to­ri­ker er­for­schen ein 2eson­de­res Ge­richt aus dem al­ten Leip­zig / Slow Food Leip­zig-hal­le-mer­se2urg kocht es nach

Leipziger Volkszeitung - - Leipzig - VON MA­THI­AS ORBECK

„Gel­be Sup­pe“– das klingt zu­nächst we­nig auf­re­gend. Da­bei gibt sie ei­nem po­li­tisch aus­ge­rich­te­ten Fest­mahl ih­ren Na­men, wel­ches der His­to­ri­ker Andre­as Schnei­der er­forscht. Wäh­rend des Kir­chen­ta­ges wur­de je­ne „Gel­be Sup­pe“von Slow Food Leip­zig-hal­le-mer­se­burg nach über hun­dert Jah­ren wie­der ser­viert – als ve­ge­ta­ri­sches Re­zept, ge­kocht haupt­säch­lich aus gel­ben Schä­lerbsen und Ka­rot­ten.

„Wie sie ur­sprüng­lich schmeck­te, wis­sen wir al­ler­dings nicht. Denn es ist kein Re­zept über­lie­fert“, so Schnei­der. Vie­le Hin­wei­se deu­ten auf ei­ne Erb­sen­sup­pe, die ku­li­na­risch als Auf­takt­ge­richt für ein opu­len­tes Fest­mahl für ei­nen eli­tä­ren Kreis al­ler­dings recht au­ßer­ge­wöhn­lich er­scheint. Der His­to­ri­ker ist in­ter­es­siert, Hin­wei­se über die Zu­be­rei­tung je­nes be­son­de­ren Ge­richts aus dem al­ten Leip­zig zu er­hal­ten.

Das Fest­mahl der „Gel­ben Sup­pe“ist für die Zeit von 1853 bis 1913 be­legt – wahr­schein­lich ist es aber äl­ter. Als Neu­jahrses­sen wur­de es in je­nen Jah­ren re­gel­mä­ßig ver­an­stal­tet. An­lass war die so­ge­nann­te Drit­te­ler­neue­rung. Tra­di­tio­nell wur­de zu je­ner Zeit ein­mal jähr­lich ein Drit­tel der Stadt­ver­ord­ne­ten hin­zu­ge­wählt, ab 1899 dann al­le zwei Jah­re. Das opu­len­te Fest­mahl mit ex­klu­si­ven Spei­sen in meh­re­ren Gän­gen – die Sup­pe war je­weils das Ge­richt zum Auf­takt – wur­de zu Eh­ren der aus­schei­den­den und neu ge­wähl­ten Stadt­ver­ord­ne­ten aus­ge­rich­tet. Und zwar im An­schluss an die kon­sti­tu­ie­ren­de Sit­zung. „Beim Fest­mahl ver­sam­mel­ten sich die Eli­ten und ver­pflich­te­ten sich an ei­nem her­aus­ra­gend ge­sel­li­gen Abend selbst auf den Di­enst an der Stadt­ge­mein­de“, er­klärt der His­to­ri­ker den heu­te wohl ei­gen­tüm­lich an­mu­ten­den Po­li­tik­an­satz.

Wäh­rend die Tra­di­ti­on in Leip­zig 1913 ihr En­de fand, ist sie nach 1918 für Dres­den bis 1927 und in Chemnitz im­mer­hin bis 1922 be­legt, dar­über hin­aus vor dem Ers­ten Welt­krieg auch in wei­te­ren säch­si­schen Städ­ten wie Wur­zen, Plau­en, Mitt­wei­da und Frei­berg. „Ver­mut­lich lie­fer­te Leip­zig das Ur­mus­ter, da hier die äl­tes­ten und viel­fäl­tigs­ten Be­le­ge exis­tie­ren“, so Al­f­red Ge­org Frei, Pro­fes­sor für Kul­tur­ge­schich­te an der Hoch­schu­le Mer­se­burg.

Slow Food Leip­zig-hal­le-mer­se­burg setzt sich eben­falls für die „Gel­be Sup­pe“ein. Die re­gio­na­le Grup­pe der welt­weit agie­ren­den Ver­ei­ni­gung von be­wuss­ten Ge­nie­ßern und mün­di­gen Kon­su­men­ten hat es sich zur Auf­ga­be ge­macht, die Kul­tur des Es­sens und Trin­kens zu pfle­gen. „Vi­el­leicht wird die Sup­pe ein Pas­sa­gier der Slow Food Ar­che des Ge­schmacks. Das sind Pro­duk­te, die wir für be­son­ders schüt­zens­wert hal­ten“, so Clau­dia Schrei­ner, die die Re­gio­nal­grup­pe lei­tet. So wer­den bei­spiels­wei­se auch sel­te­ne Schwei­ne­ras­sen ge­schützt, die nicht in Mas­sen­tier­hal­tung le­ben.

Das Stadt­ar­chiv möch­te dem Fest­mahl ei­ne Aus­stel­lung wid­men, wie Lei­te­rin Bea­te Ber­ger an­kün­digt. Wahr­schein­lich aber erst nach dem Um­zug des Ar­chi­ves auf die Al­te Mes­se. Schnei­der und sei­ne Mit­strei­ter ha­ben ei­nen gro­ßen Wunsch. „Vi­el­leicht fin­det sich ja ein säch­si­scher Gas­tro­nom, der ’Gel­be Sup­pe’ als lo­ka­le Spe­zia­li­tät auf sei­ne Spei­se­kar­te setzt“, so der His­to­ri­ker.

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