Er­leb­te Pas­si­on in der Tho­mas­kir­che

Ami­ci Mu­si­cae prä­sen­tie­ren Mat­thä­us-pas­si­on

Leipziger Volkszeitung - - Sze­ne Leip­zig / Kul­tur - VON KAT­HA­RI­NA STORK

Die Pas­si­on Chris­ti er­leb­bar ma­chen, durch die Aus­drucks­kraft der Mu­sik – das war Bachs An­spruch bei sei­ner Ver­to­nung der Mat­thä­us-pas­si­on. Die Ami­ci Mu­si­cae er­füll­ten die­se Auf­ga­be am Sams­tag­abend in der Tho­mas­kir­che mit gro­ßem mu­si­ka­li­schem Kön­nen.

Gleich beim Ein­stieg des Cho­res stellt Di­ri­gent Ron-dirk En­leut­ner sein um­sich­ti­ges, höchst kon­zen­trier­tes Di­ri­gat un­ter Be­weis: „Herz­liebs­ter Je­su“, ei­ne Me­lo­die, die im Lau­fe der Pas­si­on im­mer wie­der vom Chor auf­ge­grif­fen wird, er­klingt in ei­nem ho­mo­ge­nem Klang­ge­bil­de von Chor und Orches­ter des En­sem­bles, un­ter­stützt von der Kur­ren­de der Tho­mas­kir­che und des Schöneck-en­sem­bles Ko­blenz.

Der Evan­ge­list er­öff­net im Re­zi­ta­tiv den Hand­lungs­bo­gen: Chris­ti­an Ra­th­ge­bers Te­nor ist fle­xi­bel, hell und sei­ne Text­ver­ständ­lich­keit enorm. Sei­ne na­tür­lich aus­ge­stal­te­te Phra­sie­rung gibt dem Text ge­nü­gend Schwung, so dass der Bo­gen zwi­schen Ari­en und Hand­lung nie­mals brö­ckelt und das Wech­sel­spiel im Dia­log flüs­sig bleibt. Der Te­nor bil­det ei­nen an­ge­neh­men Ge­gen­pol zum vol­len Bass Do­mi­nic Gro­ßes, der Je­sus‘ Re­zi­ta­ti­ve singt. Ob­wohl die An­zahl sei­ner zu sin­gen­den Stel­len über­sicht­lich ist, sticht er her­aus: Auch kur­ze Phra­sen prä­sen­tiert er an­ge­mes­sen dra­ma­tisch, mit au­to­ri­tä­rem Tim­bre. Sein Aus­druck geht nie zu Las­ten der Text­ver­ständ­lich­keit, sei es im be­trüb­ten Pia­no oder im ein­drucks­vol­len For­te.

Ne­ben der Hand­lung kom­men­tie­ren die So­lis­ten Je­su Si­tua­ti­on in emo­ti­ons­ge­la­de­nen Ari­en. Fran­zis­ka Bo­be über­nimmt die So­pran­par­tie und über­zeugt ab dem ers­ten Ton. Ihr „Blu­te nur, du lie­bes Herz!“ist dra­ma­tisch, aber sehr voll und warm in der Hö­he. Sie hebt sich mü­he­los über das Orches­ter und be­weist mit ih­rer flö­ten­glei­chen Stim­me gro­ße Fle­xi­bi­li­tät in den an­mu­ti­gen Ko­lo­ra­tu­ren. In Kom­bi­na­ti­on mit Al­tis­tin In­ga Jä­ger ent­steht ei­ne wun­der­schö­ne Ein­heit: Jä­gers dunk­le­res Tim­bre er­gänzt den hel­len So­pran voll­kom­men.

Bass Ste­phan Hei­ne­mann glänzt so­wohl in den Re­zi­ta­ti­ven als auch in den Ari­en. Als Ju­das be­sticht er mit dra­ma­ti­scher Prä­senz, in den Ari­en kom­men sei­ne war­me Mit­tel­la­ge und die vol­le Tie­fe am bes­ten zur Gel­tung. Se­bas­ti­an Franz er­gänzt das En­sem­ble mit rhyth­misch si­che­ren Ko­lo­ra­tu­ren und ei­nem so­li­den Te­nor mit leicht me­tal­li­scher Hö­he.

Die her­aus­ra­gen­de Be­set­zung von Chor, Orches­ter und So­lis­ten sorgt für be­sinn­li­che drei St­un­den und ei­nen mu­si­ka­lisch hoch­wer­ti­gen Aus­blick auf die Os­ter­zeit.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.