Zu we­nig Fuß­ball­ama­teur­plät­ze – Em­spiel­ort Leip­zig wa­ckelt

Ver­bän­de be­kla­gen man­geln­de Sport-in­fra­struk­tur / Prä­si­dent Wink­ler: „Klei­ne Ver­ei­ne sol­len pro­fi­tie­ren“

Leipziger Volkszeitung - - Erste Seite - VON FRANK SCHOBER UND ANTJE HENSELIN-RU­DOLPH

LEIP­ZIG.

Der Deut­sche Fuß­ball-bund (DFB) will sich im Herbst of­fi­zi­ell für die Aus­rich­tung der EM 2024 be­wer­ben. Sach­sens Fuß­ball-prä­si­dent Her­mann Wink­ler macht sich seit Wo­chen da­für stark, dass Leip­zig als Dfb-grün­dungs­ort mit zu den deut­schen Be­wer­ber­städ­ten ge­hört. Mit Blick auf die Si­tua­ti­on im Ama­teur­fuß­ball der Re­gi­on schlägt Wink­ler jetzt al­ler­dings Alarm. Grund: Leip­zig er­fül­le im Ge­gen­satz zum be­reits ge­schei­ter­ten Dres­den zwar die fest­ge­leg­te Sitz­platz­ka­pa­zi­tät von 30000, tue aus sei­ner Sicht aber zu we­nig, um mit den so­ge­nann­ten wei­chen Kri­te­ri­en zu punk­ten. „Es gibt Nach­ho­le­be­darf, die Ent­wick­lung der Sport­in­fra­struk­tur läuft nicht par­al­lel zur Ge­samt­ent­wick­lung der Stadt“, warnt Wink­ler. Der Groß­teil der Sport­an­la­gen wei­se deut­li­che Män­gel auf und sei bald nur noch be­dingt zum Sport­trei­ben ge­eig­net. Zu­dem sei im Leip­zi­ger Sport­ent­wick­lungs­plan bis 2024 kein ein­zi­ger Neu­bau ei­nes Sport­plat­zes vor­ge­se­hen, „ob­wohl die Ka­pa­zi­tät der Sport­stät­ten schon jetzt kaum aus­reicht“.

Der Fuß­ball-funk­tio­när wen­det sich nun di­rekt an die Stadt­vä­ter mit der „drin­gen­den Bit­te“, mehr für die Ent­wick­lung der Sport-in­fra­struk­tur und den Ver­eins­sport zu tun. Das Dfb-prä­si­di­um, so Wink­ler, le­ge gro­ßen Wert dar­auf, dass Em-spiel­or­te nach­hal­tig die Be­din­gun­gen für Ama­teu­re ver­bes­sern. Leip­zig müs­se da nach­zie­hen, sonst wa­ckelt die Be­wer­bung. „Ich un­ter­stüt­ze die Sicht des DFB, dass die Fuß­ball­ver­ei­ne der Re­gi­on vom Be­wer­bungs­schwung der EM pro­fi­tie­ren müs­sen“, macht der Cdu-eu­ro­pa­ab­ge­ord­ne­te klar und ver­weist auf den gi­gan­ti­schen Mar­ke­ting-ef­fekt ei­ner Emend­run­de für Leip­zig und die Re­gi­on. „Es ist mit vier bis sechs Spie­len pro Em-stadt zu rech­nen.“

Dirk Ma­jet­schak, Prä­si­dent des Leip­zi­ger Fuß­ball-ver­ban­des, pflich­tet Wink­ler bei: „Un­se­re In­fra­struk­tur kann der Mit­glie­der­ent­wick­lung nicht fol­gen“, sagt er. Das be­tref­fe Ra­sen- und Kun­st­ra­sen­plät­ze so­wie Sa­ni­tär­an­la­gen. Sein Ver­band wün­sche sich ak­tu­ell zehn neue Kun­st­ra­sen­plät­ze. „Dann hät­ten wir aber im­mer noch zu we­ni­ge für die An­zahl an Ver­ei­nen und Mann­schaf­ten.“

Leip­zigs Sport­bür­ger­meis­ter Hei­ko Ro­sen­thal (Lin­ke), der die For­de­run­gen der Fuß­ball-ver­bän­de kennt, spielt den Ball zu­rück. „Die Mit­glie­der­zah­len im Leip­zi­ger Sport ent­wi­ckeln sich phä­no­me­nal – nicht nur im Fuß­ball“, macht er klar. Vie­le Ver­bän­de trü­gen zahl­rei­che For­de­run­gen an die Stadt her­an. „Des­halb hat der Stadtrat mit dem Be­schluss zum Sport­pro­gramm 2024 der Ver­wal­tung auf­ge­tra­gen, für ein aus­ge­wo­ge­nes Ver­hält­nis zu sor­gen.“Im Fuß­ball, so Ro­sen­thal, gel­te es, vor­han­de­ne Flä­chen in­ten­si­ver zu nut­zen. Hier­für ha­be die Stadt die In­ves­ti­ti­ons­för­de­rung für Ver­ei­ne fast ver­dop­pelt – auf 1,5 Mil­lio­nen Eu­ro pro Jahr. Auf­grund sei­ner Mit­glie­der-do­mi­nanz kom­me die kom­mu­na­le Sport­för­de­rung be­son­ders beim Fuß­ball an, so der Sport­bür­ger­meis­ter. „Ich wür­de mir vom Fuß­ball-ver­band deut­lich mehr Ein­satz beim Frei­staat Sach­sen für ei­ne grö­ße­re Hil­fe der Leip­zi­ger Fuß­ball­ver­ei­ne wün­schen.“

Das Dfb-prä­si­di­um wird am 15. Sep­tem­ber ent­schei­den, mit wel­chen zehn Be­wer­ber­städ­ten Deutsch­land ins Em­ren­nen ge­gen Mit­be­wer­ber Tür­kei geht. Ber­lin, Mün­chen und Dort­mund gel­ten als ge­setzt, auf die rest­li­chen sie­ben Plät­ze hof­fen 14 Städ­te, dar­un­ter Leip­zig als ein­zi­ge Ost-me­tro­po­le.

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