Ade­nau­ers Er­be

Leipziger Volkszeitung - - Politik - VON JÜR­GEN RÜTT­GERS

H eu­te vor 50 Jah­ren starb Kon­rad Ade­nau­er. Das gro­ße An­se­hen des Grün­dungs­kanz­lers der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land in der Welt be­ruh­te auch auf ei­ner kla­ren, be­re­chen­ba­ren Au­ßen­po­li­tik, die im Rückblick auf die deut­sche Ge­schich­te re­vo­lu­tio­när war. Ade­nau­er führ­te Deutsch­land in die Ge­mein­schaft der frei­en Völ­ker des Wes­tens. Er war Mit­grün­der der Eu­ro­päi­schen Ge­mein­schaf­ten, der Vor­läu­fer der EU. Und durch die Mit­glied­schaft in der Na­to si­cher­te er die Bun­des­re­pu­blik vor der Ex­pan­si­on der kom­mu­nis­ti­schen So­wjet­uni­on in Eu­ro­pa. Für den ers­ten Na­to-ge­ne­ral­se­kre­tär, Lord Is­may, be­stand die Auf­ga­be des Ver­tei­di­gungs­bünd­nis­ses dar­in, „die Ame­ri­ka­ner drin­nen zu hal­ten, die Rus­sen drau­ßen und die Deut­schen un­ten“.

Doch wie sieht Us-prä­si­dent Do­nald Trump die Na­to heu­te? Mal nennt er sie „ob­so­let“, dann wie­der ein „Boll­werk für Frie­den und Si­cher­heit“. Und die ge­gen­sei­ti­gen Bei­stands­ver­pflich­tun­gen des Na­to-ver­tra­ges macht er von hö­he­ren Ver­tei­di­gungs­kos­ten der eu­ro­päi­schen Mit­glie­der ab­hän­gig.

Um­so wich­ti­ger ist es, dass sich die Eu­ro­pä­er für ei­nen Fort­be­stand der Na­to ein­set­zen und über­dies ei­ne eu­ro­päi­sche Ver­tei­di­gungs­stra­te­gie ent­wi­ckeln. Sie soll­ten ei­nen ge­mein­sa­men Aus­bau der An­stren­gun­gen ver­ein­ba­ren und auf Au­gen­hö­he ge­gen­über den USA ver­tre­ten. Auf der Grund­la­ge des Eu-ver­tra­ges soll­ten die Mit­glieds­staa­ten stär­ker zu­sam­men­ar­bei­ten und bes­se­re, aber auch ef­fek­ti­ve­re Lö­sun­gen er­ar­bei­ten. In An­leh­nung an das “Grün­dungs­mot­to“der Na­to geht es jetzt dar­um, „die Ame­ri­ka­ner drin­nen zu hal­ten, die Rus­sen drau­ßen und die Eu­ro­pä­er zu­sam­men“.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.