Be­am­ten­bund sucht ei­nen neu­en Chef

Leipziger Volkszeitung - - Politik - VON DIE­TER WONKA

D er Deut­sche Be­am­ten­bund (DBB) ge­hör­te ein­mal zu den wirk­mäch­tigs­ten Stan­des­or­ga­ni­sa­tio­nen der Re­pu­blik. Mitt­ler­wei­le schwankt die zur „Ta­rif­uni­on“er­wei­ter­te Dach­ge­werk­schaft un­ter Klaus Dau­berts­häu­ser zwi­schen der Ver­tei­di­gung von letz­ten Pri­vi­le­gi­en und klas­sen­kämp­fe­ri­schen At­ti­tü­den. Auf dem Spiel ste­hen könn­ten dem­nächst Son­der­re­ge­lun­gen zu Be­sol­dung, Be­för­de­rung und Bei­hil­fe. Wenn Mit­te No­vem­ber ein Nach­fol­ger für den 68-jäh­ri­gen Dau­berts­häu­ser zu fin­den ist, dann ist nun Tho­mas Ei­gen­tha­ler de­fi­ni­tiv nicht mehr im Spiel. Der Chef der Deut­schen Steu­er­zah­ler­ge­werk­schaft will noch ein­mal sei­ner Or­ga­ni­sa­ti­on vor­ste­hen und ein letz­tes Mal nur als DBB-VI­ZE wei­ter­ma­chen.

Als ehe­ma­li­ger Chef des Stutt­gar­ter Fi­nanz­amts III hat der Di­plom-fi­nanz­wirt jah­re­lang Er­fah­rung mit der Kom­ple­xi­tät der gi­gan­ti­schen deut­schen Steu­er­vor­schrif­ten­welt ge­sam­melt. „Ich möch­te im Ju­ni er­neut Bun­des­vor­sit­zen­der der Steu­er-ge­werk­schaft wer­den und ha­be in den Dbb-gre­mi­en er­klärt, dass ich nur als stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der er­neut zur Ver­fü­gung ste­he“, sagt er dem Re­dak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land (RND). Bei­de Wahl­pe­ri­oden en­den 2022, dann ist Ei­gen­tha­ler 65.

Da­mit steht der Be­am­ten­bund, der 43 Ge­werk­schaf­ten mit über 1,3 Mil­lio­nen Mit­glie­dern ver­tritt, vor ei­ner mehr als heik­len Kampf­ent­schei­dung. Ein­zi­ger of­fi­zi­el­ler Spit­zen­kan­di­dat ist der­zeit der Nicht­be­am­te Ulrich Sil­ber­bach, Chef der Ge­werk­schaft Kom­ba, die die Be­schäf­tig­ten der Kom­mu­nen ver­tritt. Ge­gen ihn macht ein Teil der Be­am­ten­lob­by Stim­mung mit dem Ar­gu­ment, er könn­te wo­mög­lich der gro­ßen Auf­ga­be nicht ganz ge­wach­sen sein. „Soll­te es am En­de mehr als ei­nen Kan­di­da­ten ge­ben, ge­he ich per­sön­lich da­von aus, dass Kom­pe­tenz, Er­fah­rung und Em­pa­thie den Aus­schlag ge­ben und we­ni­ger die Zu­ge­hö­rig­keit zu ei­ner be­stimm­ten Sta­tus­grup­pe, al­so Be­am­ter oder Nicht­be­am­ter“, mahnt Ei­gen­tha­ler.

Mit Ernst G. Wal­ter, Chef der Bun­des­po­li­zei­ge­werk­schaft, hält sich ein wei­te­rer Kan­di­dat be­reit, ein Be­am­ter, der sich jetzt ex­pli­zit in ei­nem Schrei­ben ge­gen die Über­nah­me der Chef­po­si­ti­on durch ei­nen An­ge­stell­ten aus­ge­spro­chen hat. An­ge­sichts der be­vor­ste­hen­den Auf­ga­ben, un­ter an­de­rem der Pri­vi­le­gi­en­de­bat­ten, müs­se un­be­dingt „ein Be­am­ter für das Amt des Bun­des­vor­sit­zen­den“kan­di­die­ren, teilt Wal­ter brief­lich an Dbb-füh­rungs­mit­glie­der mit. Wal­ter ist be­kannt da­für, dass er die Kunst der Selbst­ver­mark­tung kennt.

Auf­grund in­ner­ge­werk­schaft­li­cher Wi­der­stän­de ge­gen den un­auf­fäl­lig wir­ken­den Sil­ber­bach galt Ei­gen­tha­ler bei vie­len bis zu­letzt als Kom­pro­miss­kan­di­dat für die Dbb-spit­ze.

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