„Grup­pe Frei­tal“: Rä­dels­füh­rer war red­se­lig

Staats­an­wäl­tin schil­dert im Pro­zess die Er­mitt­lun­gen

Leipziger Volkszeitung - - Sachsen Und Mitteldeut­schland - VON JÖRG SCHURIG

DRES­DEN.

Der mut­maß­li­che Rä­dels­füh­rer der un­ter Ter­ror­ver­dacht ste­hen­den „Grup­pe Frei­tal“hat den Er­mitt­lungs­be­hör­den be­reit­wil­lig Aus­kunft zu ein­zel­nen An­schlä­gen ge­ge­ben. Das ist das Fa­zit der Ver­neh­mung ei­ner Staats­an­wäl­tin ges­tern bei der Ver­hand­lung im Ober­lan­des­ge­richt Dres­den. Sie war mit dem Fall be­auf­tragt. Der 28 Jah­re al­te Ti­mo S. ha­be über vie­le Din­ge ge­spro­chen, die „wir gar nicht auf dem Schirm hat­ten“, sag­te sie: „Wir wa­ren per­plex, zu wie vie­len Sa­chen er et­was sa­gen konn­te.“

Ti­mo S. ha­be auch aus­ge­sagt, dass bei dem Über­fall auf das al­ter­na­ti­ve Dresd­ner Wohn­pro­jekt „Man­gel­wirt­schaft“in der Nacht vom 18. zum 19. Ok­to­ber 2015 ne­ben Mit­glie­dern der Frei­en Ka­me­rad­schaft Dres­den Leu­te von den Skin­heads Säch­si­sche Schweiz (SSS) be­tei­ligt wa­ren, gab die Staats­an­wäl­tin zu Pro­to­koll. Das ha­be Ti­mo S. aber nur vom Hö­ren­sa­gen her ge­wusst. Auch bei den Kra­wal­len vor ei­ner Flücht­lings­un­ter­kunft im Au­gust 2015 in Hei­denau sol­len „Sss“-leu­te ei­ne Rol­le ge­spielt ha­ben. Die Neo­na­zi-ka­me­rad­schaft war 2001 in Sach­sen ver­bo­ten wor­den.

Böl­ler mit enor­mer Spreng­kraft

In dem Pro­zess wird sie­ben Män­nern und ei­ner Frau im Al­ter zwi­schen 19 und 39 Jah­ren un­ter an­de­rem die Bil­dung ei­ner ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung vor­ge­wor­fen. Sie sol­len 2015 meh­re­re Spreng­stoff­an­schlä­ge in Frei­tal und im na­hen Dres­den ver­übt und für ein Kli­ma der Angst und Re­pres­si­on ge­sorgt ha­ben. Nach Darstel­lung der Bun­des­an­walt­schaft nah­men sie die Ver­let­zung und Tö­tung von Men­schen in Kauf. In der An­kla­ge geht es auch um ver­such­ten Mord. Die ver­wen­de­ten Böl­ler wa­ren für die An­schlä­ge prä­pa­riert wor­den und be­sa­ßen enor­me Spreng­kraft.

Die Dresd­ner Staats­an­walt­schaft hat­te zu­nächst kei­ne Ver­bin­dun­gen zwi­schen den ein­zel­nen, der rechts­ex­tre­men „Grup­pe Frei­tal“zu­ge­schrie­be­nen An­schlä­gen ge­se­hen. „Es war wie ein Puz­zle, wo man von 1000 Tei­len nur fünf hat“, be­rich­te­te die Staats­an­wäl­tin. Nach und nach sei­en dann aber wei­te­re Tei­le hin­zu­ge­kom­men. Da es da­mals ver­schie­de­ne Tat­or­te gab, ha­be man auch ver­schie­de­ne Ver­fah­ren ein­ge­lei­tet und be­ar­bei­tet. Im Früh­jahr 2016 über­nahm die Bun­des­an­walt­schaft den Fall.

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