Stadt­fir­men wol­len wie Pri­va­te agie­ren

Mich­pel Et­lin7, Prä­si9ent 9es Vert­pn9es kom­mun­pler Un­ter­neh­men, for9ert mehr Frei­hei­ten für öf­fent­li­che Be­trie­te

Leipziger Volkszeitung - - Wirtschaft - VON ULRICH MIL­DE

LEIP­ZIG.

Die Kom­mu­nen wol­len mehr Spiel­raum für ih­re Un­ter­neh­men. „Man soll­te un­se­ren Be­trie­ben die Mög­lich­keit ge­ben, so zu agie­ren wie die pri­va­te Kon­kur­renz“, sag­te Micha­el Eb­ling, Prä­si­dent des Ver­bands kom­mu­na­ler Un­ter­neh­men (VKU), am Rande ei­ner Ta­gung sei­nes Ver­ban­des in Leip­zig. Er spricht sich für Än­de­run­gen des Ge­mein­de­wirt­schafts­rechts aus, um öf­fent­li­chen Un­ter­neh­men mehr Frei­heit zu ge­ben.

Selbst wenn sich ei­ne städ­ti­sche Fir­ma bei­spiels­wei­se mit we­nig Geld an ei­nem Start-up be­tei­li­gen wol­le, „müs­sen wir nach der der­zei­ti­gen Rechts­la­ge kom­pli­zier­te Ge­neh­mi­gungs­we­ge ge­hen“, sag­te der 50-jäh­ri­ge So­zi­al­de­mo­krat, der im Haupt­be­ruf Ober­bür­ger­meis­ter von Mainz ist. Das sei hin­der­lich, wenn es um Schnel­lig­keit von Ent­schei­dungs­pro­zes­sen ge­he. „Das sind Wett­be­werbs­nach­tei­le für un­se­re kom­mu­na­len Un­ter­neh­men“, er­gänz­te der Leip­zi­ger Ober­bür- ger­meis­ter Burk­hard Jung (59, SPD). Sie wür­den vom Ge­setz­ge­ber „schon ein we­nig stran­gu­liert“.

Die bei­den Stadt­ober­häup­ter ver­tei­dig­ten die städ­ti­schen Fir­men. „Sie sind ei­ne un­ver­zicht­ba­re Stüt­ze für den Wirt­schafts­stand­ort Deutsch­land“, be­ton­te Eb­ling. Die Städ­te be­nö­tig­ten Gestal­tungs­frei­räu­me, um selbst zu wirt­schaf­ten und Ein­nah­men zu ge­ne­rie­ren. So wür­den vie­ler­orts, auch in Leip­zig und Mainz, aus den Ge­win­nen von Stadt- und Was­ser­wer­ken gro­ße Tei­le des öf­fent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehrs fi­nan­ziert. Kom­mu­na­le Fir­men, so Eb­ling, „sind zur Si­che­rung der Da­seins­vor­sor­ge un­ver­zicht­bar“.

Sei­ner An­sicht nach über­neh­men die städ­ti­schen Un­ter­neh­men im di­gi­ta­len Zeit­al­ter mit ih­ren In­fra­struk­tur­dienst­leis­tun­gen we­sent­li­che Auf­ga­ben, die für die Ge­sell­schaft un­ent­behr­lich und für die Wirt­schaft es­sen­zi­ell sei­en. „Oh­ne schnel­le Breit­band­ver­sor­gung kei­ne Di­gi­ta­li­sie­rung von Wirt­schaft und Ge­sell­schaft. Oh­ne ver­läss­li­che und in­tel­li­gen­te Ener­gie­ver­sor­gung kei­ne in­dus­tri­el­le Pro­duk­ti­on und kei­ne Ver­sor­gungs­si­cher­heit.“Zu­dem wür­de die ge­sam­te Flä­che mit den Leis­tun­gen be­dacht, nicht nur lu­kra­ti­ve Zen­tren.

Die im VKU or­ga­ni­sier­ten 1452 Fir­men ha­ben zu­sam­men 260000 Be­schäf­tig­te und er­wirt­schaf­ten ei­nen Jah­res­um­satz von 115 Mil­li­ar­den Eu­ro. Schwer­pun­ke sind die Ener­gie­ver­sor­gung, die Was­se­r­und Ab­was­ser­wirt­schaft so­wie Ab­fall­wirt­schaft und Stadt­rei­ni­gung.

Kum­mer be­rei­tet den Ober­bür­ger­meis­tern das Bun­des­teil­ha­be­ge­setz zur bes­se­ren In­te­gra­ti­on von Men­schen mit Be­hin­de­run­gen. Es sei oh­ne Zwei­fel ein wich­ti­ges und rich­ti­ges Vor­ha­ben, so die bei­den Rat­haus­chefs. Nur: Es wird laut Eb­ling die Kos­ten in den Kom­mu­nen nach oben trei­ben. Denn Geld vom Bund ge­be es nicht. „Die Ge­fahr ist groß, dass die bis­he­ri­gen Ent­las­tun­gen der Städ­te, et­wa bei der Ein­glie­de­rungs­hil­fe, durch die Kos­ten des Teil­ha­be­ge­set­zes wie­der weg­ge­nom­men wer­den“, warn­te Jung. Die stei­gen­den Ge­wer­be­steu­er­ein­nah­men – Mainz leg­te im vo­ri­gen Jahr um 14 Mil­lio­nen Eu­ro auf 160 Mil­lio­nen Eu­ro zu, Leip- zig von 271 Mil­lio­nen Eu­ro auf 305 Mil­lio­nen Eu­ro – wür­den je­den­falls be­nö­tigt, um In­ves­ti­tio­nen vor­ran­gig in neue Schu­len und Ki­tas zu be­zah­len.

Mit Sor­gen­fal­ten be­ob­ach­ten die bei­den Stadt­ober­häup­ter ih­ren je­wei­li­gen öf­fent­li­chen Nah­ver­kehr. Bei­de Kom­mu­nen wach­sen. Mainz hat ge­gen­wär­tig 215 000 Ein­woh­ner, „je­des Jahr kom­men gut 2000 hin­zu“. In Leip­zig leb­ten En­de vo­ri­gen Jah­res 579000 Men­schen, ein Plus von 15 000 ge­gen­über 2015. „Um das wei­te­re Wachs­tum bei der Stra­ßen­bahn zu fi­nan­zie­ren, brau­chen wir Hil­fe“, sag­te Jung. Al­lei­ne wer­de die Stadt die Auf­ga­be nicht lö­sen kön­nen. „Öf­fent­li­che För­de­rung ist für den Aus­bau un­ver­zicht­bar“, se­kun­dier­te Eb­ling. Wohl auch des­halb, weil die rhein­land-pfäl­zi­sche Lan­des­haupt­stadt mit gut 1,2 Mil­li­ar­den Eu­ro in der Krei­de steht und zu den hoch ver­schul­de­ten Städ­ten ge­hört. Leip­zig hat da­ge­gen in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren die Ver­schul­dung von 950 Mil­lio­nen Eu­ro auf 606 Mil­lio­nen Eu­ro re­du­ziert.

Kom­mu­na­le Fir­men sind ei­ne un­ver­zicht­ba­re Stüt­ze für den Wirt­schafts­stand­ort. Micha­el Eb­ling, Prä­si9ent 9es Vert­pn9es kom­mun­pler Un­ter­neh­men

Fo­tos: Ar­chiv, 9pp

Stra­ßen­bah­nen, Strom- und Was­ser­ver­sor­gung ge­hö­ren zu den ty­pi­schen Ein­satz­ge­bie­ten kom­mu­na­ler Un­ter­neh­men.

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