Schei­tern, na und? Ost­deut­sche Plei­te­un­ter­neh­mer er­zäh­len

Ex-un­ter­neh­mer te­rich­ten in B6rs oy­er Cluts von ih­ren Plei­te­ge­schich­ten – uny wol­len Men­schen yie Angst vor yem Ver­s6gen neh­men

Leipziger Volkszeitung - - Wirtschaft - VON AN­NA RING­LE

COTT­BUS.

Ei­ne Bar abends im bran­den­bur­gi­schen Cott­bus. Es ist voll und über­wie­gend jun­ge Leu­te hö­ren sich Be­rich­te vom Schei­tern an. Vor ih­nen steht Andre­as Brandt. Ei­gent­lich klingt die Ge­schäfts­idee des Cott­bu­sers su­per. Baumo­del­le, die von Ar­chi­tek­tur­stu­den­ten für ih­re Se­mi­na­re an der Uni ge­fer­tigt wer­den, spä­ter an die Com­pu­ter­spielbran­che ver­kau­fen. Er und wei­te­re Kol­le­gen rech­ne­ten, er­hiel­ten För­der­geld und wa­ren von ih­rem Pro­dukt über­zeugt – bis der Kon­takt zu Kun­den kam, die den Traum zer­schlu­gen. Brandts Idee schei­ter­te.

„Fuck­up Nights“hei­ßen die Aben­de, die es in im­mer mehr deut­schen Städ­ten und im Aus­land gibt. Das Kon­zept ent- stand vor Jah­ren in Me­xi­ko. Un­ter­neh­mer spre­chen ein paar Mi­nu­ten vor Pu­bli­kum über ih­re Plei­te-fir­men – Schei­tern soll nicht mehr als Ma­kel emp­fun­den wer­den. Das „Fuck­up-night“-kon­zept funk­tio­niert so ähn­lich wie Fran­chise – der Mar­ken­na­me wird an Be­wer­ber ver­ge­ben, die die Aben­de or­ga­ni­sie­ren. Fuck up heißt über­setzt un­ge­fähr so viel wie et­was ver­sau­en oder Mist bau­en. „Das Schei­tern ist für vie­le ein Schreck­ge­spenst“, sagt der 32 Jah­re al­te Brandt, der in­zwi­schen wie­der ei­ne An­stel­lung an der Uni hat und sei­ne Fir­ma – in­zwi­schen ver­klei­nert – wei­ter­führt.

In Ost­deutsch­land sind sol­che Tref­fen im­mer häu­fi­ger zu fin­den. Ne­ben Cott­bus gab es sie auch schon in Dres­den, Magdeburg und Er­furt. Dem­nächst soll es ei­ne in Je­na ge­ben. In Leip­zig lief vor Kur­zem ei­ne „Fuck­up Night“spe­zi­ell zur Buch­mes­se. In Städ­ten wie Ber­lin sind sie längst eta­bliert. Dort steht laut Or­ga­ni­sa­to­ren bald das 20. Tref­fen an.

Der Bun­des­ver­band Deut­sche Star­tups for­dert mehr ge­sell­schaft­li­che Ak­zep­tanz für Fir­men­plei­ten: „Wir brau­chen ei­ne Kul­tur des Schei­terns in Deutsch­land oder wenn man es op­ti­mis­ti­scher for­mu­lie­ren möch­te: Ei­ne Kul­tur der zwei­ten Chan­ce.“Das Grün­dungs­ser­vice-team der Bran­den­bur­gi­schen Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Cott­bus−senf­ten­berg (BTU), das die „Fuck­up Night“in Cott­bus mit der Fried­rich-naumann-stif­tung or­ga­ni­sier­te, meint: „Gera­de in Deutsch­land ist es ver­pönt zu schei­tern, sei es im Job, fa­mi­li­är oder gera­de mit dem ei­ge­nen Un­ter­neh­men.“

In Deutsch­land sind die Zah­len der Fir­men­in­sol­ven­zen rück­läu­fig. Laut Sta­tis­ti­schem Bun­des­amt gab es im ver­gan­ge­nen Jahr 21 518 Fir­men­plei­ten, 2015 noch 23 101. Al­ler­dings sind nicht in al­len Bun- des­län­dern die Zah­len sin­kend. In Bran­den­burg und Sach­sen et­wa stie­gen die Fir­men­plei­ten. Ge­ne­rell sieht der Ver­band der In­sol­venz­ver­wal­ter Deutsch­lands (VID) kei­ne Un­ter­schie­de zwi­schen Ost- und West­deutsch­land, was In­sol­ven­zen be­trifft.

Bei mehr als 90 Pro­zent der Fir­men­plei­ten han­delt es sich nach Vid-an­ga­ben um klei­ne Fir­men mit we­ni­ger als zehn Mit­ar­bei­tern. Die meis­ten In­sol­ven­zen ge­be es bei Un­ter­neh­men in den ers­ten drei bis fünf Jah­ren ih­res Be­ste­hens. Ty­pi­sche Grün­dungs­feh­ler sei­en der fal­sche Stand­ort, ein nicht durch­fi­nan­zier­tes Kon­zept oder ein Über­an­ge­bot. Der VIDVor­sit­zen­de Chris­toph Nie­ring sagt: „Der fünf­te Fri­seur im Vier­tel oder das Ca­fé oh­ne Au­ßen­flä­che schei­tern dann häu­fig.“

Fo­to: yp6

Vol­ler Saal bei der ers­ten „Fuck­up Night“in Cott­bus.

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