Kre­dit per Klick

Vie­le Di­rekt­ban­ken ver­ge­ben Dar­le­hen on­li­ne – oft sind die Kon­di­tio­nen bes­ser als bei Fi­li­al­ban­ken

Leipziger Volkszeitung - - Menschen Und Märkte - VON SA­BI­NE MEU­TER

Wer ein Dar­le­hen auf­neh­men möch­te, muss da­für nicht un­be­dingt ei­nen Bank­be­ra­ter auf­su­chen. Es geht auch von zu Hau­se aus – mit ei­nem On­li­ne­kre­dit. „Man kann ihn rund um die Uhr ganz be­quem von zu Hau­se aus be­rech­nen las­sen, be­an­tra­gen und ab­schlie­ßen“, sagt Julia To­par vom Bun­des­ver­band deut­scher Ban­ken. Bei ei­ner Rei­he von Geld­in­sti­tu­ten geht das so­gar völ­lig pa­pier­los mit dem Vi­deo-ident-ver­fah­ren.

Au­ßer­dem sind die In­ter­net­kre­di­te oft güns­ti­ger. „On­li­ne­kre­dit­an­ge­bo­te, vor al­lem von Di­rekt­ban­ken, bie­ten häu­fig bes­se­re Kon­di­tio­nen als die An­ge­bo­te von Fi­li­al­ban­ken“, sagt Anna­bel Oel­mann von der Ver­brau­cher­zen­tra­le. Denn für die Di­rekt­ban­ken ent­fal­len Kos­ten, die beim Ab­schluss in ei­ner Fi­lia­le an­fal­len. Wer ein güns­ti­ges Dar­le­hens­an­ge­bot im In­ter­net sieht, soll­te den­noch nicht über­stürzt han­deln.

„Es ist rat­sam, meh­re­re auf die ei­ge­ne Le­bens­si­tua­ti­on zu­ge­schnit­te­ne On­li­ne­kre­dit­an­ge­bo­te ein­zu­ho­len und zu ver- glei­chen“, rät Oel­mann. Bei der On­li­ne­kre­dit­an­fra­ge müs­sen In­ter­es­sen­ten zu­nächst am Com­pu­ter ei­nen Fra­gen­ka­ta­log be­ant­wor­ten. Da­bei geht es zum Bei­spiel um die Hö­he des Ein­kom­mens, das Ar­beits­ver­hält­nis und die lau­fen­den Kos­ten wie die Mo­nats­mie­te. Ge­fragt wird auch nach Ver­si­che­run­gen, Ra­ten­zah­lun­gen und Spar­ver­trä­gen. Die Geld­in­sti­tu­te dür­fen sich au­ßer­dem bei der Aus­kunf­tei Schu­fa nach der Bo­ni­tät des Kre­dit­in­ter­es­sen­ten er­kun­di­gen.

Ent­schei­det sich ei­ne Bank da­zu, ei­nem In­ter­es­sen­ten ein Kre­dit­an­ge­bot zu un­ter­brei­ten, kommt die Of­fer­te als E-mail. Ihr an­ge­hängt ist ei­ne Pdf-da­tei, die ein Form­blatt ent­hält. Dar­in sind die Kre­dit­de­tails auf­ge­lis­tet. „Beim Ver­glei­chen meh­re­rer An­ge­bo­te soll­te man un­be­dingt auf den ef­fek­ti­ven Jah­res­zins ach­ten“, emp­fiehlt To­par. Er gibt die Ge­samt­kos­ten ei­nes Kre­di­tes an. Die Bank muss in den Kre­dit­de­tails auch An­ga­ben zur An­zahl und Häu­fig­keit der Ra­ten­zah­lun­gen und zu ver­lang­ten Si­cher­hei­ten ma­chen.

Ver­gleich­spor­ta­le im In­ter­net kön­nen Ver­brau­chern hel­fen, sich ei­nen ers­ten Über­blick zu ver­schaf­fen. Al­ler­dings kal­ku­lie­ren die In­ter­net­sei­ten die Kon­di­tio­nen zu­nächst auf Ba­sis ide­al­ty­pi­scher Fak­to­ren. Das tat­säch­li­che An­ge­bot be­kommt der Kun­de erst, wenn der Bank die in­di­vi­du­el­len Un­ter­la­gen – et­wa zur Kre­dit­wür­dig­keit – vor­lie­gen.

Vor­sicht ist ge­bo­ten, wenn An­bie­ter da­mit wer­ben, Kre­di­te un­bü­ro­kra­tisch und oh­ne Si­cher­hei­ten zu ver­ge­ben. Denn das las­sen sie sich in der Re­gel über ei­nen Zin­s­auf­schlag be­zah­len. Auch wenn mit den Wor­ten „schnel­le So­fort­hil­fe“ge­wor­ben wird, soll­ten Ver­brau­cher zu­rück­hal­tend sein. Hin­ter ei­ner sol­chen Wer­bung ste­cken oft­mals Kre­dit­ver­mitt­ler. Aber es sind nicht sie, die die Dar­le­hen ver­ge­ben – die Kre­dit­ver­mitt­ler rei­chen die An­fra­ge le­dig­lich an die Ban­ken wei­ter. Über die tat­säch­li­che Kre­dit­ver­ga­be ent­schei­den al­lein die Geld­in­sti­tu­te. Und da läuft nichts oh­ne Si­cher­hei­ten. „Die Er­fah­rung hat ge­zeigt: Kre­di­te wer­den prak­tisch nie oh­ne ent­spre­chen­de Bo­ni­tät ver­ge­ben“, be­tont Oel­mann.

Sie rät auch da­zu, von Of­fer­ten die Fin­ger zu las­sen, bei de­nen Kre­dit­ver­mitt­ler schon ei­ne Be­zah­lung ver­lan­gen, be­vor das Dar­le­hen über­haupt ge­währt wird. Kre­dit­ver­mitt­ler kön­nen ge­ne­rell nur dann ei­ne Ver­gü­tung gel­tend ma­chen, wenn ein Dar­le­hen auf­grund ih­res Ein­sat­zes ge­neh­migt und an den Kre­dit­neh­mer aus­ge­zahlt wird. Ei­ne sol­che Be­zah­lung muss schrift­lich ver­ein­bart und auch im Kre­dit­ver­trag aus­ge­wie­sen sein.

Fo­to: dpa

Geld lei­hen ist nicht um­sonst: Wenn An­bie­ter Kre­di­te „un­bü­ro­kra­tisch und oh­ne Si­cher­hei­ten“ver­mit­teln wol­len, ist Vor­sicht ge­bo­ten.

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