Fei­er des Le­bens und der Sinn­lich­keit

Der Bild­hau­er und Ma­ler Fer­nan­do Bo­te­ro wird 85

Leipziger Volkszeitung - - Kultur - VON JUAN GARFF UND GE­ORG ISMA

Ei­ne sehr rund­li­che Frau liegt auf der Pla­za Bo­te­ro. Ein kor­pu­len­ter Sol­dat rei­tet auf ei­nem Pferd. Und ein üp­pi­ger Mann steht nackt auf dem Rü­cken ei­ner Frau. Es gibt we­ni­ge Or­te auf der Welt mit solch ei­nem un­ge­wöhn­li­chen Frei­licht­mu­se­um wie je­ne 23 ge­schenk­ten Bron­ze­fi­gu­ren des ko­lum­bia­ni­schen Bild­hau­ers und Ma­lers Fer­nan­do Bo­te­ro auf der nach ihm be­nann­ten Pla­za Bo­te­ro in sei­ner Hei­mat­stadt Me­del­lín.

Bo­te­ro, der heu­te 85 Jah­re alt wird, ist ei­ner der wich­tigs­ten und be­kann­tes­ten Ge­gen­warts­künst­lers Latein­ame­ri­kas – be­kannt für die über­pro­por­tio­na­len For­men. „Ich ha­be nie ei­ne di­cke Frau ge­malt“, be­ton­te er mal iro­nisch. Da­bei hat er es zu Welt­ruhm ge­bracht mit sei­nen üp­pi­gen Da­men. Für ihn ist das künst­le­ri­scher Aus­druck ei­ner Ver­herr­li­chung der Sinn­lich­keit und des Le­bens. „Ich ge­be al­lem Vo­lu­men: ei­nem Tier, ei­nem Mann, ei­nem Pferd, ei­ner Land­schaft, was es auch sei. Groß­zü­gig­keit und Üp­pig­keit ste­hen für mich in en­ger Ver­bin­dung mit der Sinn­lich­keit.“Sei­nen Stil be­gann er 1956 in Me­xi­ko zu ent­wi­ckeln, als er ei­ne Man­do­li­ne mal­te. „Als ich das Loch im Mu­sik­in­stru­ment mal­te, sah ich, dass es sehr klein war und die Man­do­li­ne da­durch grö­ßer wirk­te. Da sag­te ich mir: hier ist et­was ge­sche­hen. Ich be­gann hier­über nach­zu­den­ken.“

Bo­te­ro wur­de 1932 in Me­del­lín ge­bo­ren. Der Va­ter starb früh. Ein vom Stier­kampf be­geis­ter­ter On­kel schick­te Bo­te­ro mit 15 Jah­ren in die To­re­ro-schu­le. Doch an­statt mit den Stie­ren zu kämp­fen, zeich­ne­te der Jun­ge sie. Er fand Ar­beit als Il­lus­tra­tor bei der Zei­tung „El Co­lom­bia­no“und ge­wann ei­nen Kunst­preis in Bo­go­tá. Mit dem Geld reis­te er nach Eu­ro­pa, wo er vor al­lem in Ita­li­en die Künst­ler der Re­nais­sance stu­dier­te.

In New York ent­deck­ten ihn 1969 zwei deut­sche Kunst­his­to­ri­ker und Ku­ra­to­ren, Dietrich Mahlow und Klaus Gall­witz, die Bo­te­ro nach Deutsch­land ein­lu­den und Aus­stel­lun­gen or­ga­ni­sier­ten. Ab da ging es berg­auf. Über 3000 Bil­der und 300 Skulp­tu­ren ste­hen in Mu­se­en und auf öf­fent­li­chen Plät­zen in 60 Städ­ten und er­rei­chen Re­kord­prei­se. In Bo­go­tá gibt es das größ­te Mu­se­um mit sei­nen Wer­ken. 2007 mach­te er mit po­li­ti­schen Wer­ken von sich re­den, stell­te er in über­pro­por­tio­na­len For­men mit der „Abu Gh­raib-se­rie“die Fol­ter­prak­ti­ken der Us­sol­da­ten im Irak nach.

Bo­te­ro ist sei­ner Hei­mat bis heu­te treu ver­bun­den. Im Sep­tem­ber über­reich­te er Prä­si­dent Juan Ma­nu­el San­tos ei­ne Bron­ze­fi­gur, um den Frie­dens­pro­zess mit der Far­cgue­ril­la zu wür­di­gen: Ei­ne ziem­lich di­cke wei­ße Frie­dens­tau­be.

Fo­to: dpa

Fer­nan­do Bo­te­ro un­ter ei­ner sei­ner Skulp­tu­ren. Heu­te wird er 85.

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