Wei­ße Ro­sen vor der „Run­den Ecke“

Ge­den­ken an die Be­frei­ung Leip­zigs vor 72 Jah­ren durch die Ame­ri­ka­ner

Leipziger Volkszeitung - - Leipzig - VON MA­THI­AS ORBECK

Zwan­zig ame­ri­ka­ni­sche Sol­da­ten aus den USA lie­ßen bei der Be­frei­ung Leip­zigs ihr Le­ben. Den Tod des 21-jäh­ri­gen Us-sol­da­ten Ray­mond J. Bow­man hat der be­rühm­te Fo­to­graf Ro­bert Ca­pa fest­ge­hal­ten. Das Fo­to ging um die Welt. Heu­te gibt es in Leip­zig ein Ca­pa-haus und ei­ne Bow­man­stra­ße. An die­se „gro­ße Ges­te der Leip­zi­ger“er­in­ner­te der schei­den­de Us­ge­ne­ral­kon­sul Scott R. Ried­mann in sei­ner Re­de vor der „Run­den Ecke“. Im Ge­bäu­de am Dittrich­ring, das heu­te die Sta­si-un­ter­la­gen­be­hör­de und das Mu­se­um in der Run­den Ecke be­her­bergt, ist ges­tern an den Tag der Be­frei­ung Leip­zigs durch die Us-ame­ri­ka­ner vor 72 Jah­ren er­in­nert wor­den. „Sol­che Ge­denk­or­te und Ver­an­stal­tun­gen hel­fen uns, Ge­schich­te zu ver­ste­hen und zu re­flek­tie­ren“, so der Kon­sul, der in Kür­ze ins Us­ge­ne­ral­kon­su­lat nach Bagdad wech­selt.

Am 18. April 1945 hat­ten sich Trup­pen der ers­ten Us-ar­my von meh­re­ren Sei­ten ins Stadt­ge­biet vor­ge­kämpft und stra­te­gi­sche Punk­te be­setzt. Es soll­te al­ler­dings noch bis zum 20 April dau­ern, be­vor der letz­te Wi­der­stand ei­ner von Stadt­kom­man­dant Hans von Poncet be­feh­lig­ten Be­sat­zung des Völ­ker­schlacht­denk­mals ge­bro­chen war und Leip­zig von der Herr­schaft des Nationalso­zialismus be­freit war. Ame­ri­ka­ner be­zo­gen zu­nächst im Fürs­ten­hof, dann in der heu­ti­gen „Run­den Ecke“Quar­tier, rich­te­ten dort ihr Haupt­quar­tier so­wie kurz­zei­tig die Al­li­ier­te Mi­li­tär­re­gie­rung ein. Die­se be­gann un­ter wid­ri­gen Um­stän­den mit dem Auf­bau de­mo­kra­ti­scher Struk­tu­ren. Ei­ne Ta­fel am Ge­bäu­de zeugt noch von je­ner Zeit, als die Us-mi­li­tär­re­gie­rung von hier aus al­les un­ter­nahm, um das Le­ben in der schwer zer­stör­ten Mes­se­stadt zu nor­ma­li­sie­ren. We­ni­ge Wo­chen spä­ter, am 2. Ju­li 1945, wur­de Leip­zig je­doch ge­mäß den Ver­ein­ba­run­gen von Jal­ta an die Ro­te Ar­mee über­ge­ben. „Es be­gann der ge­ziel­te Auf­bau ei­ner kom­mu­nis­ti­schen Dik­ta­tur“, be­ton­te Jür­gen Wen­ge, der Vor­stands­vor­sit­zen­de des Bür­ger­ko­mi­tees Leip­zig. „Erst 1989 öff­ne­te sich mit der Fried­li­chen Re­vo­lu­ti­on das Tor zur Frei­heit und De­mo­kra­tie wie­der.“Im Mu­se­um in­for­miert ei­ne Aus­stel­lung „Zwei Mal be­freit? Leip­zig un­ter ame­ri­ka­ni­scher und so­wje­ti­scher Be­sat­zung 1945“über die Ent­wick­lun­gen der da­ma­li­gen Zeit. Im Ddr-un­ter­richt bis 1989 wur­den die ers­ten Wo­chen ei­nes de­mo­kra­ti­schen Neu­an­fangs un­ter der ame­ri­ka­ni­schen Be­sat­zung ver­schwie­gen.

Ge­den­ken ges­tern auch am Mahn­mal in Abt­naundorf. Dort wa­ren vor 72 Jah­ren min­des­tens 80 Häft­lin­ge des Kz-au­ßen­la­gers Leip­zig-thek­la, die in der Rüs­tungs­in­dus­trie schuf­ten muss­ten, durch Ss-an­ge­hö­ri­ge und Volks­sturm­män­ner bei le­ben­di­gem Leib ver­brannt oder er­schos­sen wur­den. Die Ver­ei­ni­gung der Ver­folg­ten des Na­zi­re­gimes und der Bund der An­ti­fa­schis­ten hat­ten zum Ge­den­ken ein­ge­la­den.

Fo­to: André Kempner

Ge­den­ken an die Be­frei­ung Leip­zigs vor 72 Jah­ren: Us-kon­sul Scott R. Ried­mann (2.v. r.) und Jür­gen Wen­ge (rechts) vor der Ge­denk­stät­te „Run­de Ecke“.

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