„Ich bin nicht der Typ Zu­schau­er­lieb­ling“

Der künf­ti­ge Trai­ner der Dhfk-hand­bal­ler Micha­el Bieg­ler möch­te, dass die Fans vor al­lem die Spie­ler lie­ben

Leipziger Volkszeitung - - Sport - VON FRANK SCHOBER UND SIMON ECKER

LEIP­ZIG.

Ein La­chen ließ sich Micha­el Bieg­ler bei sei­ner Vor­stel­lung nicht ent­lo­cken. Mit erns­ter Mie­ne be­ant­wor­te­te der Hand­ball-coach ges­tern die Fra­gen der Jour­na­lis­ten. Der 56-Jäh­ri­ge folgt beim SC DHFK auf Zu­schau­er-lieb­ling Chris­ti­an Prokop. Der Neue auf der Bank des Bun­des­li­gis­ten sieht sich selbst nicht als Trai­ner-typ, dem die Sym­pa­thi­en der Zu­schau­er zu­flie­gen. Doch das spielt für ihn auch kei­ne Rol­le. „Viel wich­ti­ger ist mir, dass die Spie­ler von den Fans ge­liebt wer­den“, er­klär­te er.

Mo­men­tan be­rei­tet Bieg­ler die deut­schen Frau­en noch auf die Heim-wm im De­zem­ber vor. Da­nach schlägt er pünkt­lich zum 1. Ja­nu­ar 2018 ein neu­es Ka­pi­tel auf – als Chef­trai­ner beim SC DHFK. Für ihn sei im­mer klar ge­we­sen, dass sein En­ga­ge­ment bei der Na­tio­nal­mann­schaft nach der WM en­den wer­de. „Denn ich bin Män­ner­trai­ner.“Bei den Grün-wei­ßen tritt „Bea­gle“die Nach­fol­ge des neu­en Män­ner­bun­des­trai­ners Chris­ti­an Prokop an und wird mit ei­nem Ver­trag bis zum 30. Ju­ni 2020 aus­ge­stat­tet.

Un­ge­wöhn­li­cher Start am 1. Ja­nu­ar

Ge­schäfts­füh­rer Karsten Gün­ther nann­te es zwar un­ge­wöhn­lich, ei­nen Trai­ner zum 1. Ja­nu­ar zu ho­len. Doch die Er­leich­te­rung war dem Ma­na­ger an­zu­se­hen. Denn die Trai­ner­su­che be­schäf­tig­te ihn mit den Ver­ant­wort­li­chen Maik Got­tas und Stefan Kretz­sch­mar zu­letzt ein hal­bes Jahr lang, nach­dem sich der Wech­sel von Prokop zum DHB an­ge­deu­tet hat­te. „Es war ein lan­ger und in­ten­si­ver Pro­zess. Ich bin glück­lich, wie wir das ge­mein­sam ge­meis­tert ha­ben – und stolz, dass wir ei­ne Top-lö­sung ge­fun­den ha­ben“, sag­te Gün­ther: „Der Na­me Micha­el Bieg­ler stand im­mer ganz oben auf un­se­rer Lis­te. Wir ha­ben ei­nen Trai­ner, der Mann­schaf­ten im­mer bes­ser ge­macht hat, der un­ser Team wei­ter for­men und prä­gen kann, der so­wohl den Mut hat, Ta­len­te ein­zu­bau­en als auch Klas­se-spie­ler zu in­te­grie­ren.“

Auf­sichts­rats­mit­glied Stefan Kretz­sch­mar äu­ßer­te sich eben­falls zu­frie­den: „Wir ha­ben uns über­legt, wer die Lü­cke schlie­ßen kann und den Ver­ein wei­ter nach vor­ne bringt. Wenn man sich im Hand­ball aus­kennt, kom­men nicht vie­le Per­so­nen in­fra- ge da­für, die ein ho­hes Maß an Er­folgs­ga­ran­tie mit­brin­gen und aus den vor­han­de­nen Mög­lich­kei­ten im­mer das Op­ti­mum her­aus­ho­len. Für mich ist Bea­gle ei­ner der bes­ten Trai­ner der Welt.“

Bieg­ler freut sich, wie­der Teil die­ses „emo­tio­na­len und lei­den­schaft­li­chen Pro­jek­tes“zu wer­den. Sei­ne Ent­schei­dung war da­bei auch per­so­nen­ge­bun­den. „Ich ken­ne die Haupt­prot­ago­nis­ten Karsten Gün­ther, Maik Got­tas, Stefan Kretz­sch­mar und André Ha­ber sehr gut. Das Ge­samt­pa­ket in BVB setzt auf Come­back-pro­fi Mar­co Reus Leip­zig hat mich über­zeugt.“Bieg­ler ist an der Plei­ße kein Un­be­kann­ter. Bei sei­nem ers­ten En­ga­ge­ment 2013, als es nach der Ära Uwe Jung­an­dre­as um den Zweit­li­ga­k­las­sen­er­halt ging, ret­te­te er den Sport­club vor dem Ab­stieg. Ei­ne Wei­ter­be­schäf­ti­gung kam je­doch nicht zu­stan­de, da er als Trai­ner der pol­ni­schen Na­tio­nal­mann­schaft tä­tig war. Ganz aus den Au­gen ver­lor er den SC DHFK nie. „Das ist ei­ne ra­san­te Er­folgs­ge­schich­te, bis­lang oh­ne Rück­schrit­te“, so der de­si­gnier­te Coach, „ich bin über­rascht von der Konstanz der Mann­schaft. An­de­re Teams ru­fen nicht das ab, was sie kön­nen. Des­halb müs­sen die Er­geb­nis­se im­mer wie­der be­stä­tigt wer­den.“

Auch aus die­sem Grund ha­be Bieg­ler beim SC DHFK un­ter­schrie­ben: „Das wird ein schwie­ri­ges Un­ter­fan­gen, aber das Po­ten­zi­al die­ser Mann­schaft ist noch nicht aus­ge­schöpft.“

André Ha­ber führt das Zep­ter ab Ju­li

Zum Sai­son­start im Ju­li so­wie in der ers­ten Sai­son­hälf­te 2017/2018 wird erst ein­mal der der­zei­ti­ge As­sis­tenz­trai­ner so­wie Ju­nio­ren-coach André Ha­ber die Mann­schaft füh­ren. „Ich bin vol­ler Vor­freu­de und dem Ver­ein sehr dank­bar für die­se Chan­ce“, sag­te der 30-Jäh­ri­ge. „Ich konn­te von den Trai­nern, mit de­nen ich bis­her ge­ar­bei­tet ha­be, viel ler­nen und füh­le mich für die kom­men­de Auf­ga­be gut ge­wapp­net.“Bieg­ler be­kräf­tig­te: „André Ha­ber kann das, er ist das hal­be Jahr selbst­stän­dig ver­ant­wort­lich, das ist ei­ne sehr gu­te Kon­stel­la­ti­on. Ich wer­de da vor­ab nicht drin rum­fum­meln. Aber André kann mich je­der­zeit an­ru­fen.“

Den­noch: Stefan Kretz­sch­mar hat­te sich mehr Ent­ge­gen­kom­men des DHB ge­wünscht. Denn Bieg­ler woll­te pha­sen­wei­se beim SC DHFK im Som­mer ein­grei­fen, hat­te da­zu ein Kon­zept er­ar­bei­tet. Doch die­ses ha­be sein Ar­beit­ge­ber DHB ab­ge­lehnt. Nun hält sich Bieg­ler raus.

Zur Ziel­stel­lung für die kom­men­de Sai­son woll­te sich der ge­bür­ti­ge Rhein­län­der bei sei­ner Prä­sen­ta­ti­on im BMW-WERK noch nicht äu­ßern. Es gel­te den mo­men­ta­nen Flow zu be­stä­ti­gen, aber es wer­de auch mal Rück­schrit­te ge­ben. Per­spek­ti­visch peilt der er­fah­re­ne Coach den Sprung ins in­ter­na­tio­na­le Ge­schäft an: „Das Pro­jekt hat das Zeug da­zu, in Rich­tung Eu­ro­pa zu ge­hen.“

Noch dau­ert es acht­ein­halb Mo­na­te, ehe Micha­el Bieg­ler den neu­en Pos­ten an­tritt. Die Vor­freu­de sei groß – auch wenn es sein Ge­sichts­aus­druck nicht un­be­dingt ver­rät. Doch vie­le Spie­ler, die un­ter ihm ge­ar­bei­tet ha­ben, lo­ben ihn in höchs­ten Tö­nen, spre­chen von ei­nem tol­len Men­schen. Hin­ter der har­ten Scha­le steckt ein wei­cher Kern.

Fo­to: Chris­ti­an Mod­la

Micha­el Bieg­ler (56), mo­men­tan noch Coach der deut­schen Frau­en-na­tio­nal­mann­schaft, über­nimmt ab Ja­nu­ar 2018 den Chef­trai­ner­pos­ten beim SC DHFK Leip­zig.

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