Kein Wun­der

Bay­ern schei­det nach ei­nem dra­ma­ti­schen Vier­tel­fi­na­le in der „Kö­nigs­klas­se“ge­gen Re­al Ma­drid aus

Leipziger Volkszeitung - - Sport - VON PATRICK STRAS­SER

MA­DRID.

Aus und vor­bei! Es hat nicht sol­len sein. Doch die Bay­ern lie­fer­ten ges­tern Abend ei­nen gro­ßen Kampf bei Re­al Ma­drid, schie­den aber letzt­lich durch das 2:4 im Vier­tel­fi­na­le der Cham­pi­ons Le­ague ge­gen die „Kö­nig­li­chen“aus. Da­für müs­sen sich die Münch­ner nicht schä­men, sie ha­ben al­les ge­ge­ben und ge­kämpft wie sel­ten, mit an­ge­schla­ge­nen Ak­teu­ren ge­spielt und viel Cou­ra­ge so­wie Lei­den­schaft be­wie­sen. Im­mer­hin die Ver­län­ge­rung er­reicht, doch das war nicht ge­nug. Im Hin­spiel vor sechs Ta­gen in Mün­chen, bei dem 1:2 nach 1:0-Füh­rung plus Elf­me­ter­chan­ce, ha­ben sie ei­gent­lich den Halb­fi­nal-ein­zug ver­spielt. Die­ses Aus wird lan­ge weh tun, die Wun­de ei­ne gan­ze Wei­le nicht hei­len. „Man kann bei­den Mann­schaf­ten ein gro­ßes Kom­pli­ment ma­chen“, bi­lan­zier­te Bay­ern-boss Karl-heinz Rum­me­nig­ge. Er hat­te recht.

Nach fünf Halb­fi­nal-teil­nah­men in Se­rie (zwei un­ter Jupp Heynckes, drei un­ter Pep Guar­dio­la) be­deu­tet die­ses Vier­tel­fi­nal-aus für Trai­ner Car­lo An­ce­lot­ti ei­nen Rück­schlag. Aber der Geg­ner war Re­al, der Ti­tel­ver­tei­di­ger. Der Ita­lie­ner ging er­ho­be­nen Haup­tes aus sei­nem ehe­ma­li­gen Sta­di­on, weil er sei­ne Mann­schaft top ein- und auf­ge­stellt hat­te. Mit al­len Ri­si­ken und Ne­ben­wir­kun­gen. Nun muss An­ce­lot­ti in der kom­men­den Sai­son des Um­bruchs, im ers­ten Jahr nach Phil­ipp Lahm und Xa­bi Alon­so so­wie in der letz­ten Spiel­zeit von Franck Ri­bé­ry und Ar­jen Rob­ben ei­nen deut­lich schwie­ri­ge­ren An­lauf neh­men, die­sen Pott nach 2013 wie­der nach Mün­chen zu ho­len.

Im elf­ten K.-o.-du­ell der bei­den Grö- ßen im Eu­ro­pa­po­kal kam Re­al zum sechs­ten Mal wei­ter, die „Bes­tia Ne­gra“ist be­siegt wor­den.

Ro­bert Le­wan­dow­ski hat­te die Bay­ern mit ei­nem Foul­elf­me­ter in Füh­rung ge­bracht (53.), dann traf Cris­tia­no Ro­nal­do per Kopf­ball (76.), doch die Bay­ern schlu­gen zu­rück – in Per­son von Re­alka­pi­tän Ser­gio Ra­mos, der die Ku­gel un­glück­lich am ei­ge­nen Tor­wart Key­lor Na­vas vor­bei ins Tor schob (78.). Da­mit war das Hin­spiel-er­geb­nis ega­li­siert. Doch dann traf Ro­nal­do in der 105. Mi­nu­te zum 2:2. Är­ger­lich für die Bay­ern: Er stand da­bei klar im Ab­seits. Spä­ter traf er noch ein drit­tes Mal (110.), den End­stand be­sorg­te Asen­sio (112.).

Trai­ner Car­lo An­ce­lot­ti hat­te al­les auf ei­ne Kar­te ge­setzt, ge­po­kert und sei­ne ma­la­den In­nen­ver­tei­di­ger Jé­rô­me Boateng und Mats Hum­mels ran­ge­las­sen. Ad­duk­to­ren-ein­riss, Sprung­ge­lenk­bles­sur – na, und? Es ist Cham­pi­ons Le­ague, ein Vier­tel­fi­nal-rück­spiel. Re­al Ma­drid. „Es ist sei­ne Ent­schei­dung“, sag­te Vor­stands­boss Karl-heinz Rum­me­nig­ge und be­grün­de­te die Maß­nah­me: „Es ist kein nor­ma­les Spiel. Wir brau­chen Glück, ein Stück Mut und Lei­den­schaft.“Und ei­ne Einzelkrit­ik, Pres­se­stim­men­und­die Bil­der­ga­le­rie zum Spiel fin­den Sie un­ter www.sport­buz­zer.de fit­te Ab­wehr-zen­tra­le, die es am En­de auch nicht ret­ten konn­te. „Erst nach der Sai­son, wenn al­les vor­bei ist, wird man emo­tio­nal. Heu­te über­wiegt die Ent­täu­schung, dass wir nicht ins Halb­fi­na­le ein­ge­zo­gen sind“, sag­te Ka­pi­tän Phil­ipp Lahm nach sei­nem letz­ten Eu­ro­pa­cup­spiel.

Da­bei wa­ren die In­nen­ver­tei­di­ger zu­nächst kaum ge­for­dert, weil Re­al mit dem 2:1-Vor­sprung die Bay­ern kom­men ließ. Bay­ern kom­bi­nier­te, hat­te ers­te Chan­cen. Doch bis zur Pau­se fiel kein Tor. Wäh­rend der Halb­zeit gab es üb­le Sze­nen in Fan­blö­cken der Bay­ern, als es Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit der spa­ni­schen Po­li­zei gab. Als das Spiel wie­der lief, hat­te sich die Sze­ne­rie be­ru­higt. Nun be­gann die ra­san­te Fahrt auf dem Platz, ei­ne zwei­te Hälf­te der Ex­t­ra­klas­se. Mit Elf­me­ter (Le­wan­dow­ski ver­wan­del­te), Ei­gen­tor (Ser­gio Ra­mos) und Gelb-ro­ter Kar­te (für Ar­turo Vi­dal).

In Un­ter­zahl stürm­ten die Bay­ern, sie wa­ren drauf und dran das drit­te Tor zu er­zie­len. Doch es ging in die Ver­län­ge­rung. Zum kör­per­li­chen Ab­nut­zungs­kampf kam die Ner­ven­schlacht hin­zu. Bis Ro­nal­do (mal wie­der) traf.

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Er schon wie­der: Cris­tia­no Ro­nal­do ju­belt. Ins­ge­samt trifft er drei­mal ge­gen Bay­ern Mün­chen. Da­vid Ala­ba (rechts) kann es nicht fas­sen. Die Ent­schei­dung: Re­als Cris­tia­no Ro­nal­do er­zielt das 2:2 in der Ver­län­ge­rung. Un­schö­ne Sze­nen: Po­li­zis­ten stür­men den Gäs­te­block. Es kommt zu Schlä­ge­rei­en mit Bay­ern-fans.

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