„Mit­hö­ren ist nicht er­wünscht“

Leipziger Volkszeitung - - Aus Aller Welt -

Das Bü­ro ist ein Aus­hän­ge­schild für das Un­ter­neh­men, so­wohl ge­gen­über den Mit­ar­bei­tern als auch ge­gen­über Kun­den. Ne­ben der so­zia­len Ver­ant­wor­tung gibt es auch ei­nen wirt­schaft­li­chen An­reiz für die Un­ter­neh­men, sich um gu­te Ar­beits­um­ge­bun­gen zu be­mü­hen. Im­mer­hin ent­fal­len rund 80 Pro­zent der Kos­ten ei­nes Bü­ro­ar­beits­plat­zes auf Per­so­nal­kos­ten. Un­ter­su­chun­gen ha­ben er­ge­ben, dass das Po­ten­zi­al zur Stei­ge­rung der Pro­duk­ti­vi­tät durch die Be­sei­ti­gung von Stö­run­gen und bau­phy­si­ka­li­schen Be­las­tun­gen aus der Ar­beits­um­ge­bung bei be­acht­li­chen 20 Pro­zent liegt. In den Be­fra­gun­gen, die wir durch­füh­ren, be­schwe­ren sich Mit­ar­bei­ter am häu­figs­ten über Be­las­tun­gen in Zu­sam­men­hang mit der Luft­qua­li­tät, den Tem­pe­ra­tur­ver­hält­nis­sen, dem Lärm­pe­gel und vor al­lem mit der man­geln­den akus­ti­schen Pri­vat­heit. Dar­un­ter ver­ste­hen wir das Mit­hö­ren und Ge­hört­wer­den – auch dann, wenn dies nicht er­wünscht ist.

Wahr­schein­lich soll­te man den Be­griff nicht mehr ver­wen­den, da er in der Re­gel ne­ga­tiv kon­no­tiert ist. Der schlech­te Ruf ent­stand vor al­lem da­durch, dass in vie­len Fäl­len nicht die Mit­ar­bei­ter, son­dern Über­le­gun­gen zur Kos­ten­op­ti­mie­rung im Vor­der­grund stan­den. Ak­tu­ell geht der Trend zu Bü­ro­land­schaf­ten, die den Mit­ar­bei­tern in der Bü­ro­flä­che Zo­nen für un­ter­schied­lichs­te Tä­tig­kei­ten an­bie­ten. Die­ser An­satz be­sei­tigt vie­le Pro­ble­me des „klas­si­schen Groß­raum­bü­ros“. ziert die Zen­tra­le – nach Un­ter­neh­mens­an­ga­ben be­steht sie aus den größ­ten ge­schwun­ge­nen Glas­pa­nee­len der Welt. Für Be­su­cher wird es im Raum­schiff ei­nen gro­ßen Ver­kaufs­raum und ein Ca­fé ge­ben.

Wer als An­ge­stell­ter nicht gera­de ar­bei­tet, kann auf der Wie­se chil­len, sich im Obst­gar­ten nie­der­las­sen, auf den Lauf­we­gen über das Ge­län­de jog­gen oder im 100 Qua­drat­me­ter gro­ßen Fit­ness­stu­dio schwit­zen. Für lan­ge We­ge ste­hen 1000 Fahr­rä­der zur Ver­fü­gung. Die Bot­schaft ist klar: Man muss nicht nach Hau­se – Frei­zeit geht auch am Ar­beits­platz. Mit der­lei An­ge­bo­ten buhlt auch die Kon­kur­renz um die Bes­ten.

Die Strom­ver­sor­gung des Are­als er­folgt voll­stän­dig über er­neu­er­ba­re Ener­gi­en, da­zu wur­den auf dem Dach So­lar­zel­len mit 17 Me­ga­watt Leis­tung ein­ge­baut. Und noch ein Su­per­la­tiv: Der Bau ist das größ­te na­tür­lich be­lüf­te­te Ge­bäu­de der Welt, das – so ist es ge­plant – neun von zwölf Mo­na­ten kei­ne Hei­zung oder Kli­ma­an­la­ge braucht.

Auch Deut­sche ha­ben an dem ame­ri­ka­ni­schen Groß­pro­jekt mit­ge­wer­kelt: So kommt die Rund­um­ver­gla­sung von der Fir­ma Se­dak aus der Nä­he von Augs­burg, an der Fas­sa­de ar­bei­te­te die Jo­sef Gart­ner Gm­bh aus der Nä­he von Ulm und ein Teil der Mö­bel stammt vom App­le-sto­re-aus­stat­ter Du­la aus dem Müns­ter­land.

All das kos­tet. Und wie! Die Bau­kos­ten wur­den ur­sprüng­lich auf 3 Mil­li­ar­den an­ge­setzt, mitt­ler­wei­le wird von 5 Mil­li­ar­den Us-dol­lar ge­re­det. Für ei­ne klei­ne Stadt wie Cu­per­ti­no ist das ei­ne gro­ße Sa­che. Der Ort im Si­li­con Val­ley war gera­de erst 20 Jah­re alt, als Ste­ve Jobs 1976 App­le grün­de­te. Heu­te le­ben hier 60 000 Ein­woh­ner, App­le ist der größ­te Ar­beit­ge­ber. Der bis­he­ri­ge Fir­men­sitz „1In­fi­ni­te Lo­op“bleibt wei­ter­hin er­hal­ten. Um die Stadt vor dem Ver­kehrs­kol­laps durch Pend­ler zu be­wah­ren, will das Un­ter­neh­men ei­nen Shut­tle-ser­vice an­bie­ten. Der Plan: 30 Pro­zent der An­ge­stell­ten sol­len per Bus, et­wa aus San Francisco an­rei­sen.

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