Bio­for­schung, Ter­ror und ein Auf­trags­kil­ler

Ole Pan­kow hat ei­nen straf­fen Thril­ler-erst­ling ge­schrie­ben

Leipziger Volkszeitung - - SZENE LEIPZIG / KULTUR - VON NOR­BERT WEHRSTEDT

An der idyl­li­schen Strand­pro­me­na­de von Sea­sight Heigts (New Jer­sey) fliegt in den Vor­mit­tags­stun­den ei­ne Bar in die Luft. Nie­mand über­lebt. Im Ber­li­ner U-bahn­hof Schil­ling­s­tras­se ex­plo­diert ei­ne Bom­be. Es gibt acht To­te, ei­nen Lka-er­mitt­ler, der nicht nur gu­te Be­zie­hun­gen in den Se­nat hin­ein hat und kor­rupt ist, son­dern auch ganz schnell Tat­ver­däch­ti­ge prä­sen­tiert (lin­ke Um­welt­schüt­zer), ei­nen Kri­mi­no­lo­gie-do­zen­ten mit Au­gen­pro­ble­men, ei­nen Hang zu Maß­an­zü­gen und Kaf­fee der be­son­de­rer Gü­te, ei­ne Fbi-er­mitt­le­rin, die ein neu­es An­ti-ter­ro­ris­mus-zen­trum auf­baut, und ei­nen süd­ame­ri­ka­ni­schen Auf­trags-kil­ler mit ei­nem äu­ßerst schmerz­haf­ten Ner­ven­lei­den, ei­nem ope­rier­ten Ge­sicht so­wie ei­nem Hang zu Per­fek­ti­on und Ray­mond Chand­ler-kri­mis.

Die­ses Per­so­nal schüt­tet „Gen­quo­ti­ent 8713“zu­sam­men, tut ein paar Ne­ben­fi­gu­ren da­zu, die im­mer im rich­ti­gen Mo­ment zu Hil­fe kom­men oder Stich­wör­ter lie­fern, taucht ein in die mys­te­riö­sen Un­tie­fen des welt­wei­ten Net­zes und kommt bei ei­ner heik­len For­schung her­aus, die ir­gend­wie schief­ge­lau­fen ist. Al­so bei ei­nem skru­pel­lo­sen, selbst­süch­ti­gen Ma­na­ger, der über Lei­chen geht. Ein gan­zes Ar­senal an Thril­ler-mo­ti­ven wird ab­ge­ru­fen, um die Hand­lung straff zwi­schen den USA und Deutsch­land lau­fen zu las­sen. Es geht um Iden­ti­täts­klau, Bio-for­schung, Ter­ro­ris­mus und Über­wa­chung, al­so al­les, was die Welt von heu­te so un­si­cher macht.

Ole Pan­kow treibt sei­nen Thril­ler-erst­ling in ein for­sches Tem­po, malt Fi­gu­ren, Si­tua­tio­nen und Wen­dun­gen mit di­ckem Quast, lässt die Dia­lo­ge schwer fal­len und hält sich nicht lan­ge mit Zwi­schen­tö­nen auf. Da folgt „Gen­quo­ti­ent 8713“, auch mit ei­nem klei­nen Schlen­ker zu ei­nem At­ten­tat an der Uni Hal­le, schnur­stracks ei­nem Ki­no-ac­tion­thril­ler-trend. Bis­wei­len wünscht man sich ein­fach, es mö­ge mal ei­ne Atem­pau­se kom­men, die At­mo­sphä­re wa­ber­te et­was un­durch­sich­ti­ger, wäh­rend die Schar der Er­mitt­ler mal kühn aus ih­ren Schub­la­den flieht. Ole Pan­kow zeich­net in sei­nem Erst­ling die Cha­rak­te­re scharf und ro­bust. Was ih­nen fehlt sind Tie­fen­schär­fe und Un­tie­fen. Wo­mög­lich hel­fen da­ge­gen schon et­was we­ni­ger Kaf­fee-lek­tio­nen und mehr Be­schrei­bun­gen.

Foto: Ver­leih

Au­gen auf, Jack, Schwimm­wes­te un­ter die Tür hän­gen und über­le­ben – die be­rühm­te, herz­er­grei­fen­de Ab­schieds­sze­ne von Ka­te Wins­let und Leo­nar­do di Ca­prio, sie hät­te nicht sein müs­sen.

Ole Pan­kow: Gen­quo­ti­ent 8713. Thril­ler. Edi­ti­on To­ten­grä­ber; 232 Sei­ten, 13,87 Eu­ro

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