Säch­si­sche Lehr­lin­ge wer­den nach der Aus­bil­dung im­mer öf­ter über­nom­men

Neue Stu­die: Chan­cen in länd­li­chen Re­gio­nen hö­her / Gleich­zei­tig bil­den we­ni­ger Un­ter­neh­men aus

Leipziger Volkszeitung - - ERSTE SEITE - VON ANDRE­AS DUNTE

LEIP­ZIG. Gu­te Aus­sich­ten für Lehr­lin­ge in Sach­sen. Mit stei­gen­dem Fach­kräf­te­be­darf wach­sen die Über­nah­me-chan­cen nach der Aus­bil­dung. Wie ei­ne Un­ter­su­chung des In­sti­tuts für Ar­beits­markt- und Be­rufs­for­schung (IAB) er­ge­ben hat, wur­den von knapp 9300 jun­gen Men­schen, die im Jahr 2015 ih­re drei­jäh­ri­ge Aus­bil­dung in Sach­sen be­en­det ha­ben, 49 Pro­zent beim Aus­bil­dungs­be­trieb wei­ter­be­schäf­tigt. Im Jahr 1998 wa­ren das nur 33 Pro­zent. Da­mit sind die Über­nah­me­quo­ten um 16 Pro­zent­punk­te ge­stie­gen. Das ist die ers­te der­ar­ti­ge Stu­die, die das IAB für ein Bun­des­land er­stellt hat.

Wei­te­re 36,5 Pro­zent der Lehr­lin­ge ha­ben den Aus­bil­dungs­be­trieb ge­wech­selt. Auch das wa­ren mehr als im Ver­gleichs­jahr 1998. Als be­son­ders po­si­tiv sieht Stu­di­en­mit­au­to­rin Antje Weyh die Ent­wick­lung bei den Ab­sol­ven­ten, die nach der Aus­bil­dung ar­beits­los wur­den: Im Jahr 2015 lag die­ser An­teil bei 14,5 Pro­zent. 1998 war das noch je­der Drit­te (32,8 Pro­zent).

Auf­fäl­lig sei, so Weyh, dass in den Re­gio­nen, die auf­grund der Al­te­rung der Be­völ­ke­rung ei­nen im­mer grö­ße­ren Fach­kräf­te­be­darf ha­ben, öf­ter Azu­bis über­nom­men wer­den als bei­spiels­wei­se in den städ­ti­schen Re­gio­nen. So liegt die Über­nah­me­quo­te im Aus­bil­dungs­be­trieb im Erz­ge­birgs­kreis bei 58,4 Pro­zent. Wei­te­re 31,6 Pro­zent wech­sel­ten die Fir­ma. Le­dig­lich je­der Zehn­te ist leer aus­ge­gan­gen.

Hin­ge­gen wird in den Städ­ten Dres­den und Leip­zig deut­lich we­ni­ger über­nom­men. In Dres­den be­schäf­tig­ten die Fir­men im Jahr 2015 nur 40 Pro­zent ih­rer aus­ge­bil­de­ten Nach­wuchs­kräf­te wei­ter, in Leip­zig wa­ren es 44,7 Pro­zent. Da­für ist der An­teil der­je­ni­gen, die nach dem Ab­schluss den Be­trieb ge­wech­selt ha­ben, in bei­den Städ­ten hö­her (Dres­den: 41,6 Pro­zent; Leip­zig: 38,7 Pro­zent).

„Die Un­ter­neh­men in Dres­den und Leip­zig pro­fi­tie­ren ei­ner­seits von der po­si­ti­ven Be­völ­ke­rungs­ent­wick­lung. Da­durch ha­ben sie im Ver­gleich zu Un­ter­neh­men in länd­li­chen Re­gio­nen mehr Aus­wahl un­ter den knap­pen Be­wer­bern“, sagt die Iab-ex­per­tin. An­de­rer­seits hät­ten Aus­zu­bil­den­de im An­schluss an ih­re Leh­re in den Bal­lungs­zen­tren ein­fach mehr Wahl­mög­lich­kei­ten auf­grund der hö­he­ren Fir­men­dich­te.

Im Ma­schi­nen­bau sind die Über­nah­me­quo­ten üb­ri­gens am höchs­ten mit 68 Pro­zent, ge­folgt vom Be­reich Me­tall­er­zeu­gung (65 Pro­zent) und der öf­fent­li­chen Ver­wal­tung (59 Pro­zent). Am we­nigs­ten wird in den Be­rei­chen Er­zie­hung und Un­ter­richt (13 Pro­zent) und im Be­her­ber­gungs­ge­wer­be (27 Pro­zent) über­nom­men. „Die­se ge­rin­gen Über­nah­me­quo­ten sind aber teil­wei­se auf die Art der Aus­bil­dung zu­rück­zu­füh­ren. Es han­delt sich um Bran­chen, in de­nen häu­fi­ger schu­lisch oder qua­si du­al aus­ge­bil­det wird“, er­klärt Weyh. „Den jun­gen Men­schen fehlt zum Teil schon wäh­rend der Aus­bil­dung ein fes­ter Be­trieb.“

„Die säch­si­schen Un­ter­neh­men su­chen hän­de­rin­gend Fach­kräf­te“, sagt Klaus-pe­ter Han­sen, Chef der Lan­des­ar­beits­agen­tur Sach­sen. „Al­lein ver­gan­ge­nes Jahr sind uns 117 000 freie Stel­len zur Be­set­zung ge­mel­det wor­den – so vie­le wie nie zu­vor.“Die be­trieb­li­che Aus­bil­dung, so Han­sen wei­ter, sei mit­ent­schei­dend für die Fach­kräf­te­si­che­rung. Al­ler­dings bil­det heu­te nur noch je­der sie­ben­te Be­trieb in Sach­sen aus (14,1 Pro­zent). En­de der 1990er-jah­re war es noch je­der fünf­te.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.