Ikea-grün­der Kam­prad mit 91 Jah­ren ge­stor­ben

Ikea-grün­der Ing­var Kam­prad ist im Al­ter von 91 Jah­ren ge­stor­ben – und Schwe­den trägt Trau­er

Leipziger Volkszeitung - - ERSTE SEITE - VON JU­LIA WÄSCHENBACH UND SIGRID HARMS

STOCK­HOLM. Ikea-grün­der Ing­var Kam­prad ist tot. „Ing­var Kam­prad ist in al­ler Stil­le in sei­nem Haus in Små­land ein­ge­schla­fen“, teil­te der Mö­bel­kon­zern ges­tern auf Twit­ter mit. Kam­prad wur­de 91 Jah­re alt. Der Schwe­de grün­de­te 1943 als 17-Jäh­ri­ger das Un­ter­neh­men Ikea.

ÄLMHULT. Es ist ein klei­ner, un­schein­ba­rer Ort, von dem aus der Schwe­de Ing­var Kam­prad ab 1943 mit um­ge­rech­net rund 30 Eu­ro Start­ka­pi­tal in der Ta­sche ein Mö­belim­pe­ri­um auf­bau­te. Im süd­schwe­di­schen Älmhult wä­re nicht viel los, wenn es nicht Ikea gä­be. Mit der rie­si­gen Mö­bel­ket­te ist in der Stadt je­der ir­gend­wie ver­ban­delt. Und über ih­ren Grün­der hat je­der, den man auf der Stra­ße fragt, nur Gu­tes zu er­zäh­len. Schließ­lich ver­dan­ken dem Mann, der „Bil­ly“und „Knut“welt­weit be­kannt mach­te, vie­le ih­ren Job. Jetzt ist der Va­ter der Fur­nier­holz­mö­bel ge­stor­ben. Er sei in sei­ner Hei­mat nach kur­zer Krank­heit fried­lich ein­ge­schla­fen, teil­te das Un­ter­neh­men am Sonn­tag mit.

Nach­dem Kam­prad vier Jahr­zehn­te lang im Aus­land ge­lebt hat­te, hat­te er sich 2014 nach Små­land zu­rück­ge­zo­gen. Nach dem Tod sei­ner Frau Mar­ga­ret woll­te er die Schweiz hin­ter sich las­sen und sei­ner Fa­mi­lie nä­her sein. Kurz zu­vor hat­te er sich aus dem Auf­sichts­rat der Fir­ma, die das Ikea-kon­zept ver­mark­tet, zu­rück­ge­zo­gen – auch aus ge­sund­heit­li­chen Grün­den. „Ich ha­be Schwie­rig­kei­ten mit mei­nem Rü­cken, und des­halb ha­be ich nicht die Ener­gie, so wei­ter­zu­ma­chen, wie ich es bis­her ge­tan ha­be“, sag­te er da­mals.

Die­se Ener­gie ist es, mit der Kam­prad sei­ne Weg­ge­fähr­ten sein Le­ben lang be­ein­druckt hat. Schon als Sie­ben­jäh­ri­ger be­weist er kauf­män­ni­sches Ge­schick: Mit dem Rad fährt er nach Stock­holm und kauft Streich­höl­zer, weil die dort bil­li­ger sind. Zu Hau­se ver­kauft er sie mit Ge­winn an sei­ne Nach­barn. Spä­ter er­wei­tert er sein Sor­ti­ment um Blu­men­sa­men, Gruß­kar­ten und Weih­nachts­baum­de­ko­ra­tio­nen.

1943, mit ge­ra­de ein­mal 17 Jah­ren, grün­det Kam­prad Ikea. Das I und das K ste­hen für sei­ne Initia­len, E und A für den Bau­ern­hof Elm­ta­ryd bei Agun­naryd, wo der 1926 Ge­bo­re­ne auf­ge­wach­sen ist. Sein An­ge­bot: Stif­te, Porte­mon­naies, Bil­der­rah­men, Tisch­läu­fer, Uh­ren, Schmuck und Ny­lon­strumpf­ho­sen. Erst 1947 kom­men Mö­bel hin­zu, die Hand­wer­ker vor Ort für ihn her­stel­len.

Im Vi­sier hat Kam­prad schon da­mals den klei­nen Mann mit schma­lem Geld­beu­tel, denn er ist selbst un­ter ein­fa­chen Leu­ten im schwe­di­schen Små­land auf­ge­wach­sen. „Ich sah die ar­men Land­ar­bei­ter, die nicht im Haus, son­dern im Stall es­sen muss­ten“, er­zählt er im Mai 2014, als er von den Le­sern des „Sven­s­ka Dag­b­la­det“zum „Bes­ten schwe­di­schen Un­ter­neh­mer al­ler Zei­ten“ge­kürt wird. Da­mals ha­be er sich ei­nes ge­merkt: „Wenn ich je­mals mit mei­nen små­län­di­schen Ide­en Er­folg ha­ben (...) will, darf ich nie die an­de­ren ar­men Men­schen ver­ges­sen.“

Sei­ne Mö­bel, die in hand­li­che Pa­ke­te ver­staut wer­den kön­nen, er­obern die Wohn­zim­mer der Skan­di­na­vi­er – und dann die der gan­zen Welt. Ver­kauft wer­den sie in ei­ner Kom­bi­na­ti­on aus Aus­stel­lungs­raum und La­ger­hal­le mit rie­si­gen Park­plät­zen am Stadt­rand. In über 40 Län­dern kann man in­zwi­schen „Bil­ly“-re­ga­le oder den Wipp­stuhl „Poäng“kau­fen, und muss sie selbst zu­sam­men­schrau­ben. Über 160 000 Men­schen ar­bei­ten in­zwi­schen für die Mö­bel­haus­ket­te.

Für vie­le ist Ikea eng mit der Per­son Kam­prad ver­bun­den. Er selbst mach­te sich al­ler­dings kei­ne Sor­gen, was mit Ikea pas­siert, wenn er ein­mal nicht mehr da ist: „Ich ha­be das Glück, dass ich drei Jun­gen um die 50 Jah­re ha­be, und die zei­gen al­le gro­ßes In­ter­es­se für Ikea“, sag­te er noch zu sei­nem 90. Ge­burts­tag mit Blick auf sei­ne Söh­ne. Wenn es um das Re­zept für sei­nen Er­folg ging, kann­te Kam­prad (fast) nur ei­ne Ant­wort: spa­ren, spa­ren, spa­ren. Nicht um­sonst leb­te er lan­ge in der Schweiz.

Da­für, dass er al­les tat, um Steu­ern zu spa­ren, stan­den er und sein Un­ter­neh­men in den ver­gan­ge­nen Jah­ren auch scharf in der Kri­tik. Sei­ne Fir­ma hat­te Kam­prad 1982 in ei­ne Stif­tung mit Sitz in den Nie­der­lan­den um­ge­wan­delt. Das Ge­flecht, aus dem Ikea be­steht, ist kaum durch­schau­bar. Der Kon­zern spal­tet sich in­zwi­schen in vie­le Fir­men auf, die in Liech­ten­stein, Lu­xem­burg, Schwe­den und den Nie­der­lan­den re­gis­triert sind.

Fo­to: dpa

Ge­müt­lich im Ses­sel: Ing­var Kam­prad schwor auf sei­ne Mö­bel. Die­ses Bild zeigt ihn im Jahr 1977 im Ses­sel „Poäng“.

Fo­to: dpa

Welt­weit wur­den vor Ikea-fi­lia­len ges­tern die Flag­gen auf halb­mast ge­setzt. 2010 über­reich­te ihm Kron­prin­zes­sin Vic­to­ria den Preis für sein Le­bens­werk.

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