Haa­ri­ge Ent­schei­dung ge­gen die Bun­des­wehr

Rech­nungs­hof hält Trup­pen­fri­seur­stu­ben für über­flüs­sig – al­le 67 wer­den ge­schlos­sen

Leipziger Volkszeitung - - ERSTE SEITE - VON JAN-UWE RONNEBURGER

E s war kein gu­tes Wo­che­n­en­de für die Bun­des­wehr: Me­di­en mel­de­ten, dass die Zahl rechts­ex­tre­mer Ver­dachts­fäl­le mas­siv ge­stie­gen sei, au­ßer­dem wür­den im­mer mehr se­xu­el­le Be­läs­ti­gun­gen an­ge­zeigt. Und Ko­mi­ker ver­spot­te­ten die Trup­pe, weil de­ren He­li­ko­pter und Fre­gat­ten we­der rich­tig flie­gen noch schwim­men kön­nen. Und dann war da noch der Bun­des­rech­nungs­hof, der die Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten da­zu ver­don­nert hat, künf­tig in ih­rer dienst­frei­en Zeit zum Fri­seur zu ge­hen.

Laut „Spie­gel“hat der Bund bis­her pro Jahr 500 000 Eu­ro als Un­ter­stüt­zung für die 67 Trup­pen­fri­seur­stu­ben ge­zahlt. Ver- schwen­de­tes Geld, fin­den die Rech­nungs­prü­fer: „We­der hy­gie­ni­sche Er­for­der­nis­se nach dem In­fek­ti­ons­schutz­ge­setz noch Vor­schrif­ten zur Haar­tracht oder An­for­de­run­gen an das äu­ße­re Er­schei­nungs­bild“wür­den es nö­tig ma­chen, in Ka­ser­nen Fri­seu­re ein­zu­set­zen. Zwar gibt es Vor­schrif­ten für die Haa­re der Bür­ger in Uni­form, doch de­ren Ein­hal­tung könn­ten auch orts­an­säs­si­ge Fri­seu­re si­cher­stel­len. Zu­mal es den Di­enst an der Waf­fe in kei­ner Wei­se be­ein­träch­ti­ge, wenn man in der Frei­zeit zum Haa­re schnei­den ge­hen wür­de. „Die Haar­pfle­ge ist kein über­ra­schen­des Er­eig­nis, son­dern kann von den Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten für die dienst­freie Zeit ge­plant wer­den“, be­to­nen die Prü­fer. Das Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um hat so­fort re­agiert. Die Trup­pen­fri­seu­re sol­len „so­zi­al­ver­träg­lich in ei­nem Zei­t­raum von fünf Jah­ren“ge­schlos­sen wer­den.

Of­fen­bar gar nicht er­wo­gen wur­de die Op­ti­on, zum „Haar­net­z­er­lass“von 1971 zu­rück­zu­keh­ren. Sol­da­ten durf­ten da­mals ein­fach ein oliv­far­be­nes Haar­netz tra­gen, um ih­re Mäh­nen zu bän­di­gen. Da­für wur­den 740 000 Haar­net­ze an­ge­schafft – und nach ei­nem Jahr wie­der ab­ge­schafft: Das Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um fürch­te­te um den Ruf der Bun­des­wehr, de­ren Luft­waf­fe im Aus­land schon als „Ger­man Hair Force“ver­al­bert wur­de. Seit­her dür­fen (männ­li­che) Haa­re wie­der we­der Uni­form noch Hemd­kra­gen be­rüh­ren.

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