Tsche­chi­en wählt den Mann Pu­tins

Leipziger Volkszeitung - - POLITIK - VON MICHA­EL HEIT­MANN

I n Tsche­chi­en hat sich der russ­land­freund­li­che Prä­si­dent Mi­los Ze­man ei­ne zwei­te Amts­zeit ge­si­chert. Mit ei­ner Kam­pa­gne ge­gen Im­mi­gran­ten schlug er knapp sei­nen pro­eu­ro­päi­schen Her­aus­for­de­rer, den Na­tur­wis­sen­schaft­ler Ji­ri Drah­os. Der 73 Jah­re al­te Po­li­tik­ve­te­ran bleibt da­mit für fünf wei­te­re Jah­re an der Spit­ze des Na­to- und Eu-mit­glieds­staa­tes. Der Prä­si­dent re­prä­sen­tiert Tsche­chi­en im Aus­land, spielt ei­ne Rol­le bei der Re­gie­rungs­bil­dung und er­nennt die Ver­fas­sungs­rich­ter.

Nach dem vor­läu­fi­gen En­d­er­geb­nis kam Ze­man auf 51,4 Pro­zent der Stim­men. Der vier­ein­halb Jah­re jün­ge­re Drah­os hol­te 48,6 Pro­zent. Die Prä­si­den­ten­wahl fällt in ei­ne Kri­sen­zeit: Die Min­der­heits­re­gie­rung des Po­pu­lis­ten And­rej Ba­bis ver­lor vor an­dert­halb Wo­chen die Ver­trau­ens­fra­ge im Par­la­ment. Nun dürf- te sich das Macht­bünd­nis zwi­schen Ze­man und Ba­bis wei­ter ver­fes­ti­gen. Ba­bis hat­te sei­ne An­hän­ger zur Wahl Zem­ans auf­ge­ru­fen, Ze­man ihn der­weil mit neu­er­li­chen Son­die­rungs­ge­sprä­chen be­auf­tragt.

Über den knap­pen Er­folg freue er sich um­so mehr, sag­te Ze­man im tsche­chi­schen Fern­se­hen. „Das ist mein letz­ter po­li­ti­scher Sieg“, kün­dig­te er an und schloss da­mit ein wei­te­res En­ga­ge­ment nach sei­ner zwei­ten Amts­zeit aus. Er wol­le künf­tig „mehr de­mü­tig“und „we­ni­ger ar­ro­gant“sein. Mit po­le­mi­schen Äu­ße­run­gen hat­te

Ze­man in der Ver­gan­gen­heit im­mer wie­der die Ge­sell­schaft ge­spal­ten. Im Wahl­kampf hat­te Ze­man mas­siv Ängs­te vor Flücht­lin­gen und be­son­ders vor mus­li­mi­schen Zu­wan­de­rern ge­schürt. Mit dem Spruch „Stoppt die Im­mi­gran­ten und Drah­os“gin­gen War­nun­gen vor ei­ner Will­kom­mens­kul­tur wie in Deutsch­land ein­her. Quo­ten zur ge­rech­te­ren Ver­tei­lung von Flücht­lin­gen in Eu­ro­pa lehn­te Ze­man ent­schie­den ab. Kaum ei­ne Rol­le spiel­te in der De­bat­te, dass die tsche­chi­sche Po­li­zei im vo­ri­gen Jahr nur 172 Flücht­lin­ge auf­ge­grif­fen hat­te.

Zu den ers­ten Gra­tu­lan­ten ge­hör­te der rus­si­sche Prä­si­dent Wla­di­mir Pu­tin. Die Wie­der­wahl be­stä­ti­ge Zem­ans „gro­ße Au­to­ri­tät“als er­fah­re­ner Po­li­ti­ker, hieß es aus Mos­kau. Am Ran­de der Sie­ges­fei­er in Prag sorg­te ei­ne Ran­ge­lei zwi­schen Ze­man-an­hän­gern und Jour­na­lis­ten für Schlag­zei­len. Letz­te­re hat­ten of­fen­sicht­lich ei­nen be­trun­ke­nen Teil­neh­mer fil­men wol­len. Die Po­li­zei er­mit­telt.

Drah­os gra­tu­lier­te Ze­man zur Wie­der­wahl und sag­te: „Wir ha­ben nicht ge­won­nen, aber wir ha­ben auch nicht ver­lo­ren.“Er rief sei­ne An­hän­ger auf, sich wei­ter für Ve­rän­de­run­gen ein­zu­set­zen. „Ich ge­he nicht aus dem öf­fent­li­chen Le­ben“, ver­sprach der Mann der po­li­ti­schen Mit­te. Dann stimm­te er die Na­tio­nal­hym­ne an.

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