Spen­den­ak­ti­on für säch­si­schen Rol­li­ska­ter

Un­glaub­li­che Un­ter­stüt­zung nach Face­book-auf­ruf: Zwölf­jäh­ri­ger Chem­nit­zer er­hält Sport­mo­dell aus den USA

Leipziger Volkszeitung - - SACHSEN UND MITTELDEUTSCHLAND - VON GE­ORG ULRICH DOSTMANN

CHEM­NITZ. Na­he­zu tag­täg­lich rol­len be­geis­ter­te Ska­ter im Chem­nit­zer Kon­kor­di­apark über die Ram­pen und üben ih­re Tricks – dar­un­ter auch der 12-jäh­ri­ge Pier­re Rich­ter. Doch im Ge­gen­satz zu an­de­ren Jungs in sei­nem Al­ter be­nutzt er da­zu ei­nen Roll­stuhl. Auf­grund ei­nes Sau­er­stoff­man­gels wäh­rend der Ge­burt lebt der jun­ge Chem­nit­zer mit ei­ner Spas­tik. Be­reits mit vier Jah­ren er­hielt er sei­nen ers­ten Roll­stuhl, seit 2010 spielt Pier­re Roll­stuhl­bas­ket­ball. „Er brauch­te ne­ben dem All­tag ei­ne Frei­zeit­be­schäf­ti­gung“, er­zäh­len sei­ne El­tern Re­né und An­ja Rich­ter. Über den Bas­ket­ball kann Pier­re sei­ne Arm­kraft, Ko­or­di­na­ti­on, Be­we­gungs­ab­läu­fe so­wie die Si­cher­heit bei ei­nem Sturz för­dern. So hat er ge­lernt, Hin­der­nis­se im All­tag, zum Bei­spiel Bord­stein­kan­ten, leich­ter zu be­wäl­ti­gen.

Vor et­wa vier Jah­ren er­fuhr Pier­re Rich­ter schließ­lich über Youtube erst­mals vom Roll­stuhls­ka­ten, auch Chairs­ka­ten ge­nannt. „Es gibt mir den nö­ti­gen Ad­re­na­lin­schub. Re­spekt vor den Hin­der­nis­ei­nes sen soll­te man je­doch schon mit­brin­gen“, sagt er. Auf den ska­ten­den Roll­stuhl­fah­rer wur­de vor vier Wo­chen auch Oli­ver Kunz auf­merk­sam, der sich selbst häu­fig am Skate­park auf­hält. „Als ich ihn in sei­nen All­tags­roll­stuhl ge­se­hen ha­be, war ich über­rascht, dass er nicht in ei­nem spe­zi­el­len Spor­troll­stuhl fährt“, er­zählt Oli­ver Kunz, der selbst zwei Ver­wand­te hat, die im Roll­stuhl sit­zen. Nach kur­zer Zeit kam der 38-Jäh­ri­ge mit den El­tern von Pier­re ins Ge­spräch. An­schlie­ßend star­te­te er ei­nen Spen­den­auf­ruf für ei­nen bes­se­ren Roll­stuhl bei Face­book, der be­reits über 165 000 Mal an­ge­klickt wur­de. „Et­wa 500 Leu­te ha­ben mich in­ner­halb Tages an­ge­schrie­ben und ge­fragt, wie sie hel­fen kön­nen.“Ei­ne Viel­zahl von ih­nen kauf­te zu­nächst Schutz­klei­dung im Wert von 1200 Eu­ro.

Durch den Auf­ruf von Oli­ver Kunz wur­den auch Da­vid Le­bu­ser aus Dort­mund und Aa­ron Fo­the­ring­ham aus den USA auf Pier­re auf­merk­sam. Bei­de sind Roll­stuhl­fah­rer, die bei Ska­te-welt­meis­ter­schaf­ten mit­fah­ren – und zu­gleich Pier­res Vor­bil­der. Sie lie­ßen dar­auf­hin auf ei­ge­ne Kos­ten ei­nen spe­zi­el­len Roll­stuhl für 6500 Eu­ro an­fer­ti­gen. Das neue Mo­dell wird leich­ter, bes­ser ge­fe­dert und sturz­si­che­rer sein als der All­tags­roll­stuhl und im Ju­ni aus den USA an­kom­men.

Für Pier­re war die Be­geg­nung mit Oli­ver Kunz ein un­ge­wöhn­li­ches Er­leb­nis: „Mit ei­ner der­ar­ti­gen Un­ter­stüt­zung hät­te ich nie ge­rech­net.“In zwei Jah­ren wird Pier­re wohl den nächs­ten Roll­stuhl brau­chen, da er aus dem neu­en Mo­dell be­reits wie­der her­aus­ge­wach­sen sein dürf­te. Aus die­sem Grund ist die Fa­mi­lie wei­ter­hin auf der Su­che nach Spen­dern, die sich per E-mail an oli­ver­kunz79@me.com wen­den kön­nen.

Fo­to: Ge­org Ulrich Dostmann

Pier­re Rich­ter ska­tet mit sei­nem Roll­stuhl in Chem­nitz. Durch ei­ne Spen­den­ak­ti­on er­hält der Zwölf­jäh­ri­ge bald ein neu­es Sport­mo­dell.

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