Pro­sta­ta­ent­fer­nung bei Krebs: So gut ope­rie­ren Sach­sens Kli­ni­ken

Me­di­zinse­rie Teil 5: Für die To­tal-op bei Pro­sta­ta-krebs ist viel Er­fah­rung nö­tig / Uni­k­li­ni­ken in Leip­zig und Dres­den mit meis­ten Fäl­len und star­ken No­ten

Leipziger Volkszeitung - - SACHSEN UND MITTELDEUTSCHLAND - VON STEPHANIE WESELY

E s ist die häu­figs­te Krebs­art des Man­nes. Wäh­rend die Zahl der Neu­er­kran­kun­gen ste­tig steigt und bun­des­weit bei 60 000 im Jahr liegt, hat sich die der To­des­op­fer seit den 1980er-jah­ren kaum ver­än­dert. Mit an­de­ren Wor­ten: Die Ge­fahr, an Krebs zu ster­ben, ist ge­sun­ken. Das ist vor al­lem den Mög­lich­kei­ten der Früh­er­ken­nung und der mo­der­nen Be­hand­lung zu ver­dan­ken. Die bes­ten Hei­lungs­aus­sich­ten hat die to­ta­le Pro­sta­ta­ent­fer­nung. 14 Kli­ni­ken in Sach­sen füh­ren den Ein­griff durch. Fünf von ih­nen hat die AOK Plus ei­ne über­durch­schnitt­li­che Qua­li­tät im bun­des­wei­ten Ver­gleich be­scheinigt. Die Uro­lo­gi­sche Kli­nik am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Dres­den ge­hört mit der Uni­k­li­nik Leip­zig und dem St. Eli­sa­be­thKran­ken­haus in Leip­zig bei der Pro­sta­ta­krebs­be­hand­lung zu den bes­ten in Sach­sen. Sie hat ge­mein­sam mit der Leip­zi­ger Uni­k­li­nik auch die größ­ten Op-er­fah­run­gen.

DIE KRANK­HEIT

Pro­sta­ta­krebs ist sehr heim­tü­ckisch, denn er ver­ur­sacht an­fangs kei­ner­lei Sym­pto­me, wird al­so nicht be­merkt. In frü­hen Sta­di­en ist er nur durch Vor­sor­ge­un­ter­su­chun­gen zu ent­de­cken. Oft tritt die Er­kran­kung fa­mi­li­är ge­häuft auf. Pro­sta­ta­krebs kann, be­son­ders bei jün­ge­ren Män­nern, sehr schnell und ag­gres­siv wach­sen. Ent­steht er aber erst im hö­he­ren Al­ter, schrei­tet er meist lang­sam fort und muss nicht in je­dem Fall ope­riert wer­den. Dann ge­nügt die Über­wa­chung.

DIE DIA­GNOS­TIK

Der Uro­lo­ge führt ei­ne Tast­un­ter­su­chung durch, die vie­len Män­nern sehr un­an­ge­nehm ist. Zu­sätz­lich er­fol­gen Blut­un­ter­su­chun­gen, zum Bei­spiel auf das pro­stat­a­spe­zi­fi­sche An­ti­gen (PSA), Ul­tra­schall-, MRT oder Ct-un­ter­su­chun­gen.

DIE OPE­RA­TI­ON

Die Pro­sta­ta wird ent­fernt, wenn der Krebs noch nicht ins be­nach­bar­te Ge­we­be, in Or­ga­ne oder Kno­chen aus­ge­strahlt hat. Da vie­le Kli­ni­ken die Ope­ra­tio­nen an­bie­ten, er­rei­chen nicht al­le die emp­foh­le­ne Min­dest­be­hand­lungs­zahl von 50 im Jahr. Doch die Er­fah­rung ist laut Pro­fes­sor Wirth vom Uni­k­li­ni­kum Dres­den be­son­ders wich­tig, um Kom­pli­ka­tio­nen und un­er­wünsch­te Fol­gen zu ver­mei­den. Die ra­di­ka­le Ent­fer­nung von Pro­sta­ta und Sa­men­bla­sen bie­tet die größ­ten Hei­lungs­chan­cen. Die un­mit­tel­bar an der Drü­se ent­lang­lau­fen­den Ner­ven, die für Bla­sen­kon­trol­le und Erek­ti­ons­fä­hig­keit wich­tig sind, wer­den da­bei mög­lichst ge­schont. Es gibt ver­schie­de­ne Op-ver­fah­ren: Bei der of­fe­nen OP er­folgt ein Schnitt im un­te­ren Bauch oder durch den Damm. Der la­pa­ro­sko­pi­sche Ein­griff (mi­ni­mal­in­va­siv)er­folgt durch meh­re­re klei­ne Zu­gän­ge im un­te­ren Bauch. Eben­so wie der ro­bo­te­ras­sis­tier­te Ein­griff, bei dem die In­stru­men­te über ei­ne Com­pu­ter­kon­so­le be­dient wer­den. Im­mer mehr Kli­ni­ken schaf­fen sich sol­che Ro­bo­ter an.

AL­TER­NA­TI­VEN ZUR OPE­RA­TI­ON

Bei der Strah­len­the­ra­pie be­kämpft ra­dio­ak­ti­ve Strah­lung die Krebs­zel­len. Be­nach­bar­te Or­ga­ne wie Bla­se und Darm kön­nen da­bei aber Scha­den neh­men. Bei der Bra­chythe­ra­pie er­folgt die Be­strah­lung von in­nen, in­dem ra­dio­ak­ti­ves Ma­te­ri­al in die Pro­sta­ta in­ji­ziert wird. Auch Hor­mon­be­hand­lun­gen sind er­folg­reich, vor al­lem bei äl­te­ren Män­nern. Re­la­tiv neu ist die Be­hand­lung mit hoch­in­ten­si­vem fo­kus­sier­tem Ul­tra­schall. Auch Ab­war­ten ist ei­ne Op­ti­on bei lang­sam wach­sen­den Tu­mo­ren. Es wird erst be­han­delt, wenn sich die Krank­heit ver­schlim­mert. Kurz vor der Zu­las­sung ste­he die pho­to­dy­na­mi­sche The­ra­pie, sagt Pro­fes­sor Wirth. Bei die­sem Ver­fah­ren wird ei­ne fo­to­sen­si­ble Sub­stanz über die Ve­ne ge­ge­ben. Die­se wird spä­ter durch punk­tu­el­len Licht­ein­fluss ge­nau dort ak­ti­viert, wo sie in­ner­halb der Tu­mor­ge­fä­ße zer­stö­rend wir­ken soll. Der Vor­teil ist, dass sie nur im Tu­mor wirkt und um­lie­gen­des Ge­we­be und Or­ga­ne ge­schont wer­den.

DIE KOM­PLI­KA­TIO­NEN

Ge­fürch­tet sind vor al­lem der Ver­lust der Bla­sen­kon­trol­le und Erek­ti­ons­stö­run­gen. Der AOK la­gen je­doch kei­ne Da­ten dar­über vor, wie vie­le Män­ner die­se Kom­pli­ka­tio­nen nach der OP hat­ten.

DIE QUALITÄTSINDIKATOREN

Auch in die­sem Leis­tungs­be­reich wird die Ga­be von Blut­trans­fu­sio­nen als Kom­pli­ka­ti­on ge­wer­tet. Da­ne­ben wer­den un­ge­plan­te Fol­ge­ein­grif­fe in­ner­halb ei­nes Jah­res und Kom­pli­ka­tio­nen wie die Ent­fer­nung an­ge­sam­mel­ter Lym­ph­flüs­sig­keit oder ein ope­ra­ti­ver Ein­griff an der Harn­röh­re in die Wer­tung ein­be­zo­gen. Die wei­te­ren Qua­li­täts­kri­te­ri­en ent­spre­chen de­nen, die bei der Be­hand­lung der gut­ar­ti­gen Pro­sta­ta­ver­grö­ße­rung zur An­wen­dung kom­men.

Illustration: Hen­ning Rie­di­ger

Pro­sta­ta-krebs gilt als häu­figs­te Krebs­art bei Män­nern. Vor­sor­ge­un­ter­su­chun­gen sind zur Er­ken­nung wich­tig.

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