Leip­zi­ger Lie­der­buch: Wenn Poe­sie auf Wirk­lich­keit trifft

Leipziger Volkszeitung - - KULTUR - Jaf

Es klingt ei­ne Zeit an in die­sem Buch, die nach­hallt. Das wird in zwei Ge­dich­ten deut­lich: Auf die Stro­phe „Vor 1990: Früh­stück im Ste­hen und dann“folgt „Nach 1990: Früh­stück in Ruh“; auf „Volks­zäh­lungs­ant­wor­ten“1981 fol­gen die von 2011. Die­ses „Leip­zi­ger Lie­der­buch“– halb 80er, halb Ge­gen­wart – ist mit sei­nen zwei CDS ge­wis­ser­ma­ßen ein ly­risch-mu­si­ka­lisch-his­to­ri­sches Do­ku­ment. Der ’87er Lie­der­zy­klus galt als Auf­trags­werk des VEB Kom­bi­nat Gi­sag den „Be­mü­hun­gen um Neu­es in der DDR“, or­ga­ni­siert von ei­nem „kul­tur­pol. Mit­ar­bei­ter der Ab­tei­lung Kul­tur / Sport“. Ge­plant war die Urauf­füh­rung für 1986, erst ein Jahr spä­ter soll­te es im klei­nen Ge­wand­haus­saal zu ei­ner Teil­auf­füh­rung kom­men.

Da­mals, in der DDR, als je­der Satz wich­tig war, je­des Wort Be­deu­tung ha­ben könn­te, fan­den Ge­dich­te und Lie­der die­ser Art be­son­de­re Auf­merk­sam­keit. Von Staats we­gen min­des­tens be­arg­wöhnt, dürs­tend auf­ge­so­gen von je­nen, die se­hen konn­ten und hö­ren woll­ten. Die Zei­len gal­ten dem „Le­ben zwi­schen Ab­raum und Zeit“, als Dör­fer star­ben „vor der Zeit“. Sie stam­men von Ralph Grü­ne­ber­ger, die teils ex­pe­ri­men­tel­len Kom­po­si­tio­nen von Wal­ter Tho­mas Heyn.

30 Jah­re spä­ter sind es an­de­re Wun­den, an­de­re Ge­wal­ten. Die Zei­len von heu­te be­trach­ten Stra­ßen im Leip­zi­ger Os­ten, be­grü­ßen „Bie­nen in Eu­tritzsch“, wen­den sich an ei­nen Fuß­ball­gott. Da­mals wie heu­te ist Grü­ne­ber­gers Blick auf sei­ne Stadt zu­ge­neigt und des­il­lu­sio­niert.

Zu­sam­men mit Fo­to­gra­fi­en von Sigrid Schmidt und Ger­hard We­ber, ei­nem Es­say von Tho­mas Schin­köth und No­ten­bil­dern aus­ge­wähl­ter Lie­der las­sen die Tex­te al­te Zeit nach- und neue Zeit an­klin­gen.

Ralph Grü­ne­ber­ger, Wal­ter Tho­mas Heyn: Leip­zi­ger Lie­der­buch. Edi­ti­on Kunst & Dich­tung; 114 Sei­ten (zahl­rei­che Abb.) und 2 CDS, 24,90 Eu­ro

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