Dra­ma am „nack­ten Berg“

Ei­ne Berg­stei­ge­rin und ihr Be­glei­ter ge­ra­ten auf 7400 Me­tern Hö­he am Nan­ga Par­bat in Not – ei­ne wag­hal­si­ge Ret­tungs­ak­ti­on be­ginnt

Leipziger Volkszeitung - - AUS ALLER WELT - VON QAMAR ZAMAN UND BAS­TI­AN BENRATH

IS­LA­MA­BAD. Er gilt als ei­ner der ge­fähr­lichs­ten Ber­ge der Welt – und er hat er­neut ein Le­ben ge­for­dert. Es war am Wo­che­n­en­de, als ei­ne fran­zö­si­sche Berg­stei­ge­rin und ihr pol­ni­scher Be­glei­ter kurz vor dem auf 8126 Me­ter ge­le­ge­nen Gip­fel den No­t­ruf ab­setz­ten. In 7400 Me­tern Hö­he hin­gen die zwei fest.

Die pa­kis­ta­ni­sche Ar­mee und ei­ne Grup­pe pol­ni­sche Berg­stei­ger star­te­ten am Sonn­abend die Ret­tungs­mis­si­on. Schlech­tes Wet­ter hat­te die wag­hal­si­ge Ak­ti­on zu­nächst ver­zö­gert. Nach ei­ner Nacht des Ban­gens gab es am Sonn­tag schließ­lich Neu­ig­kei­ten von den Ret­tern. „Die fran­zö­si­sche Klet­te­rin wur­de ge­ret­tet“, sag­te Spre­cher Kar­rar Haidri vom pa­kis­ta­ni­schen Al­pin­club. Sie ha­be Er­frie­run­gen an ih­ren Fü­ßen er­lit­ten und kön­ne des­halb nicht lau­fen. Den­noch ge­lang es, sie den Berg hin­un­ter zu ei­nem Hub­schrau­ber zu brin­gen, der sie zu­nächst nach Skar­du und dann wei­ter zur me­di­zi­ni­schen Be­hand­lung nach Is­la­ma­bad brin­gen soll­te. Das schrieb ein Freund der Berg­stei­ger auf Face­book.

Al­ler­dings sei die Ber­gung des pol­ni­schen Berg­stei­gers we­gen schlech­ter Wet­ter­be­din­gun­gen und der Hö­he nicht mög­lich ge­we­sen. Man be­fürch­te, dass der Po­le ge­stor­ben sei. Die vier Frei­wil­li­gen der pol­ni­schen Ex­pe­di­ti­on hät­ten es we­gen der wid­ri­gen Wit­te­rungs­be­din­gun- gen auf dem Berg nicht ge­schafft, zu dem un­ter Schnee­blind­heit und Hö­hen­krank­heit lei­den­den To­masz Ma­ckie­wicz vor­zu­drin­gen. Er sei für tot er­klärt wor­den.

Der Mann wür­de da­mit zu ei­ner lan­gen Rei­he von Berg­stei­gern ge­hö­ren, die an dem in der Lan­des­spra­che Ur­du „nack­ter Berg“ge­nann­ten Nan­ga Par­bat ihr Le­ben ver­lo­ren. Zu­letzt war im Ju­li ver­gan­ge­nen Jah­res ein Team aus ei­nem spa­ni­schen und ei­nem ar­gen­ti­ni­schen Berg­stei­ger ver­schwun­den. Es wird da­von aus­ge­gan­gen, dass sie ums Le­ben ka­men. Es ist aber bis heu­te un­klar, wie.

Der 8000er im pa­kis­ta­ni­schen Teil des Hi­ma­la­ya gilt als schwe­rer zu be­stei­gen als der Mount Eve­r­est. La­wi­nen und St­ein­schlä­ge an den ex­trem stei­len Flan­ken des Nan­ga Par­bat tö­ten re­gel­mä­ßig Berg­stei­ger. Auch der Bru­der von Ex­trem­berg­stei­ger Rein­hold Mess­ner, Gün­ther Mess­ner, ver­lor hier sein Le­ben. Erst 2005, 35 Jah­re nach dem ge­schei­ter­ten Ver­such, den Berg zu be­stei­gen, wur­de die Lei­che Mess­ners am Nan­ga Par­bat ge­fun­den. Rein­hold Mess­ner hin­ge­gen schaff­te es 1970 bis auf den Gip­fel – oh­ne sei­nen Bru­der.

Fo­to: AP

Die Idyl­le trügt: Der Nan­ga Par­bat gilt als der ge­fähr­lichs­te Berg der Welt. Am Wo­che­n­en­de ver­lor ein pol­ni­scher Berg­stei­ger hier sein Le­ben.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.