Sprech­stun­de zum Wald – fast wie beim Arzt

Ein­mal im Mo­nat lädt Leip­zigs Stadt­förs­ter zum Ge­dan­ken­aus­tausch übers Grün ein

Leipziger Volkszeitung - - LEIPZIG - VON COR­NE­LIA LACHMANN

Kein Stuhl mehr frei im „War­te­zim­mer“. Leip­zigs Stadt­förs­ter Andre­as Si­ckert ist be­geis­tert! So ei­nen An­sturm auf sei­ne Sprech­stun­de hat er nicht er­war­tet. Be­reits zum drit­ten Mal lud die Ab­tei­lung Stadt­fors­ten beim Amt für Stadt­grün und Ge­wäs­ser jetzt zum mo­nat­li­chen Ge­dan­ken­aus­tausch über den hie­si­gen Wald ein – und ein gu­tes Dut­zend Leip­zi­ger ließ sich nicht lan­ge bit­ten.

Da heißt es: „Herr Si­ckert, soll ich mei­nen Wald ver­kau­fen?“oder: „Was hal­ten Sie von Pe­ter Wohl­le­bens BaumBü­chern?“oder „Wie er­rich­te ich ei­nen Hoch­sitz in der Non­ne?“Den Stadt­förs­ter freut’s: „Ja, es soll schon an ei­ne Arzt­sprech­stun­de er­in­nern“, sagt er. Die neue Ver­an­stal­tungs­rei­he lädt In­ter­es­sen­ten ein, ganz un­ge­zwun­gen Fra­gen zum Wald los­zu­wer­den. Und für al­les, was den mehr als 2000 Hekt­ar gro­ßen Leip­zi­ger Stadt­wald be­trifft, ha­ben Si­ckert und sein Stadt­fors­ten-team nun ein­mal den Hut auf. „Es kommt uns wirk­lich auf per­sön­li­chen Kon­takt an“, be­tont Si­ckert. Nie­mand müs­se sei­nen Na­men nen­nen und er wer­de auch kein Pro­to­koll ge­führt. „Die per­sön­li­che Be­geg­nung steht im Vor­der­grund. Wir wer­ben mit mehr Trans­pa­renz für un­se­ren Stadt­wald und für un­se­re Ar­beit“, er­läu­tert Si­ckert. Mo­men­tan ha­be das Auf­räu­men nach „Frie­de­ri­ke“Prio­ri­tät. Al­lein im Wild­park wer­de der Scha­den auf rund 140 000 Eu­ro ge­schätzt.

In der Sprech­stun­de im La­den des Um­welt­in­for­ma­ti­ons­zen­trums im Tech­ni­schen Rat­haus geht es dies­mal vor al­lem um al­ler­lei Be­lan­ge, die be­ach­ten muss, wer im Stadt­forst Ver­an­stal­tun­gen plant. Pro­fes­sor Syl­ke Nis­sen, Mo­de­ra­to­rin der Leip­zi­ger Au­en­gesprä­che und Lei­te­rin des wis­sen­schaft­li­chen Teils des Pro­jekts Le­ben­di­ge Lup­pe, hat da­zu gleich ei­ne Rei­he von Ak­teu­ren mit­ge­bracht, die im Au­wald Um­welt­bil­dung of­fe­rie­ren. Ja­na Krie­bel, Sach­ge­biets­lei­te­rin Ko­or­di­nie­rung in der Ab­tei­lung Stadt­fors­ten,wird na­he­zu 60 Mi­nu­ten von der Run­de ge­lö­chert. Auch wenn in Deutsch­land je­der das Recht hat, den Wald zur Er­ho­lung zu be­tre­ten, so gibt es doch ei­ni­ges zu be­ach­ten. Denn es ist ein Un­ter­schied, ob je­mand al­lein oder in Fa­mi­lie her­um­spa­ziert, oder mit ei­ner Grup­pe kommt, de­ren Teil­neh­mer für den Spa­zier­gang be­zah­len.

„Wie und wo muss ich denn ei­ne Füh­rung an­mel­den“, fragt Rolf En­gel­mann vom Ver­ein Ene­das. Wie groß der zeit­li­che Vor­lauf da­für sein müs­se, das in­ter­es­siert Karl Hei­de vom Na­tur­kun­de­mu­se­um. Tour­füh­rer Mar­tin Rust vom Ver­ein Geo­werk­statt möch­te geo­lo­gi­sche Un­ter­su­chun­gen mit Grup­pen vor­neh­men und er­kun­digt sich, ob auch das er­laubt ist. Ers­te An­lauf­stel­le sei in al­len Fäl­len die Un­te­re Forst­be­hör­de, al­so die Ab­tei­lung Stadt­forst, er­läu­tert Krie­bel. Um auf der si­che­ren Sei­te zu sein, soll­ten Or­ga­ni­sa­to­ren jeg­li­cher Ver­an­stal­tun­gen nicht auf den letz­ten Drü­cker vor­spre­chen. „Zwei Wo­chen sind schon an­ge­mes­sen.“Dann könn­ten ge­ge­be­nen­falls auch an­de­re Be­sit­zer von Wald­flä­chen – da­von gibt es mehr als 100 – in­for­miert so­wie Ver­an­stal­tun­gen koor- di­niert wer­den. Bei­spiels­wei­se soll­ten Wan­de­rer und Jä­ger nicht zeit­gleich im sel­ben Re­vier ak­tiv sein. „Bei or­ga­ni­sier­ten Ver­an­stal­tun­gen ist ge­ne­rell die Er­laub­nis des Wald­be­sit­zers nö­tig“, be­tont die Sach­ge­biets­lei­te­rin. Her­mann Rau­ber von der Na­tur- und Wild­nis­schu­le emp­fiehlt sie, für wie­der­keh­ren­de An­ge­bo­te Ver­ein­ba­run­gen ab­zu­schlie­ßen, wie es sie schon mit zwei Leip­zi­ger Wald­kin­der­gär­ten ge­be. „Sie müs­sen nur mit­tei­len, was sie pla­nen und be­kom­men dann in der Re­gel ei­ne Ge­neh­mi­gung mit Auf­la­gen und Be­din­gun­gen, zum Bei­spiel zur Toi­let­te.“

Wich­ti­ge Tipps nimmt auch Eli­sa Buch­ter­kir­chen aus der Sprech­stun­de mit. „Ich ver­an­stal­te Kur­se für Kin­der im Ro­sen­tal, haupt­be­ruf­lich. Geht das ein­fach so?“, er­kun­digt sie sich. „Fra­gen Sie den Wald­be­sit­zer!“, kommt die Ant­wort prompt. „Fürs Ro­sen­tal am bes­ten mich“, so Krie­bel. Sie müs­se al­ler­dings mit ei­nem Ent­gelt rech­nen, schließ­lich nut­ze sie das Ei­gen­tum ei­nes an­de­ren. „Und wenn ich im Cla­ra-zet­kin-park et­was an­bie­ten will?“Dort sei das Amt für Stadt­grün und Ge­wäs­ser zu­stän­dig.

Die nächs­te Forst­sprech­stun­de fin­det am 14. März von 16 bis 17 Uhr im Um­welt­in­for­ma­ti­ons­zen­trum (UIZ) im Tech­ni­schen Rat­haus, Pra­ger Stra­ße 118–136, statt.

Fo­to: Tho­mas Ku­be

Fra­gen rund um den Wald wer­den Leip­zi­ger wäh­rend der mo­nat­li­chen Forst­sprech­stun­de los.

Fo­to: Chris­ti­an Mod­la

Über Ge­neh­mi­gun­gen im Stadt­forst in­for­mier­ten Stadt­förs­ter Andre­as Si­ckert (Drit­ter von links) und Sach­ge­biets­lei­te­rin Ja­na Krie­bel (Mit­te) bei der jüngs­ten Sprech­stun­de im Um­welt­in­for­ma­ti­ons­zen­trum im Tech­ni­schen Rat­haus.

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