Me­di­zin­tou­ris­ten zieht es in säch­si­sche Kli­ni­ken

Leip­zig und Dres­den lie­gen im Frei­staat vorn

Leipziger Volkszeitung - - ERSTE SEITE - VON RO­LAND HEROLD

LEIP­ZIG. Wenn es ums The­ma Gesundheit geht, zieht es rei­che Rus­sen und wohl­ha­ben­de Scheichs auch nach Sach­sen und Thü­rin­gen. Bei­de Bun­des­län­der konn­ten beim Me­di­zin­tou­ris­mus im Jahr 2016 ge­gen den Trend fünf Pro­zent­punk­te zu­le­gen, nur Bran­den­burg (+17 Pro­zent) und Bre­men (+11 Pro­zent) la­gen noch dar­über. Das geht aus Er­he­bun­gen der Hoch­schu­le Bonn-rhein-sieg her­vor.

Da­bei ist die La­ge im Frei­staat Sach­sen durch­aus dif­fe­ren­ziert. Wäh­rend Kli­ni­ken in Leip­zig und Dres­den ver­gleichs­wei­se gut im Ge­schäft sind, hat sich das Chem­nit­zer Kli­ni­kum fast völ­lig dar­aus zu­rück­ge­zo­gen. Deutsch­land­weit da­ge­gen gab es so­gar ei­nen Rück­gang der Pa­ti­en­ten­zah­len ge­gen­über dem Vor­jahr um 1,1 Pro­zent. So ka­men bei­spiels­wei­se aus Russ­land (mi­nus 13 Pro­zent) und Ka­sachs­tan (mi­nus 32 Pro­zent) deut­lich we­ni­ger Pa­ti­en­ten. Ins­ge­samt lie­ßen sich über 253 000 Pa­ti­en­ten aus 181 Län­dern sta­tio­när oder am­bu­lant in Deutsch­land be­han­deln. Das be­deu­te­te Ein­nah­men von über 1,2 Mil­li­ar­den Eu­ro für das deut­sche Ge­sund­heits­sys­tem.

Beim Rück­gang der Zah­len könn­te mitt­ler­wei­le die Tal­soh­le er­reicht sein. „Rück­mel­dun­gen aus ein­zel­nen Kran­ken­häu­sern deu­ten auf ei­ne Sta­bi­li­sie­rung der Nach­fra­ge hin“, in­ter­pre­tiert Jens Jusz­cz­ak, wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter der Hoch­schu­le, die neu­en Wer­te. Bei Nach­fra­gen aus der Ukrai­ne sei es be­reits zu ei­ner Trend­um­kehr ge­kom­men, kon­sta­tiert er. Hier stie­gen die Pa­ti­en­ten­zah­len um fast 8 Pro­zent.

Schuld an der vor­über­ge­hen­den Flau­te im Ge­schäft mit den me­di­zi­ni­schen Be­hand­lungs­rei­sen hat­ten auch die Golf­staa­ten. In ei­ni­gen Län­dern brach die Nach­fra­ge so­gar mas­siv ein: so in den Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­ten (-8 Pro­zent), in Sau­di-ara­bi­en (-20), in Ka­tar (-13) und im Oman (-36). Da­für wa­ren vor al­lem öko­no­mi­sche und po­li­ti­sche Fak­to­ren vor Ort ver­ant­wort­lich. Haus­halts­de­fi­zi­te, die Ein­füh­rung der Mehr­wert­steu­er in Sau­di-ara­bi­en und den Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­ten so­wie Bud­get­kür­zun­gen in vie­len Be­rei­chen ge­hör­ten da­zu.

Die deut­schen Bun­des­län­der mit den meis­ten Aus­land­s­pa­ti­en­ten sind nach wie vor Bay­ern, Nord­rhein-west­fa­len und Ba­den-würt­tem­berg. Dort­hin reis­ten mehr als 60 Pro­zent. Die Län­der mit den we­nigs­ten Me­di­zin­tou­ris­ten wa­ren da­ge­gen Bre­men, Thü­rin­gen und Sach­sen-an­halt.

2016 reis­ten vor al­lem in den Nor­den Deutsch­lands deut­lich we­ni­ger Pa­ti­en­ten aus dem Aus­land, wäh­rend der Os­ten der Re­pu­blik zu­le­gen konn­te. Mit­tel­deutsch­land mit Sach­sen, Sach­sen-an­halt und Thü­rin­gen hat den­noch mit zu­sam­men rund 4100 sta­tio­nä­ren Aus­land­s­pa­ti­en­ten immer noch we­ni­ger Pa­ti­en­ten als das Saar­land mit et­wa 4400. Von al­len Me­di­zin­tou­ris­ten, die 2016 nach Deutsch­land ge­kom­men sind, be­trug der An­teil Mit­tel­deutsch­lands nur vier Pro­zent.

Den­noch be­müht sich der Os­ten wei­ter auf­zu­ho­len. In den ver­gan­ge­nen zwölf Jah­ren ha­ben sich Ber­lin (+366 Pro­zent) und Sach­sen (+235) am bes­ten ent­wi­ckelt. Die Haupt­stadt steckt des­halb laut „Ta­ges­spie­gel“mitt­ler­wei­le ein Drit­tel ih­res Bud­gets für Tou­ris­mus­mar­ke­ting al­lein in die Wer­bung für den Me­di­zin­stand­ort.

LEIP­ZIG. Immer mehr Me­di­zin­tou­ris­ten zieht es auch nach Sach­sen. Das geht aus Er­he­bun­gen der Hoch­schu­le Bon­nRhein-sieg (H-BRS) her­vor. 2016 wa­ren es wie­der­um fünf Pro­zent mehr als im Vor­jahr. Da­bei lohnt sich das Ge­schäft längst nicht für al­le Kli­ni­ken im Frei­staat.

Ei­ne wich­ti­ge Rol­le spielt die­ses Seg­ment bei­spiels­wei­se am Leip­zi­ger Herz­zen­trum. In den ver­gan­ge­nen drei Jah­ren ka­men im­mer­hin 239 Pa­ti­en­ten aus dem Aus­land zu ei­ner Be­hand­lung in die Kli­nik nach Probst­hei­da. Das war et­wa je­der 20. Pa­ti­ent. „Die Ver­sor­gung aus­län­di­scher Pa­ti­en­ten hat sich in den letz­ten Jah­ren am Herz­zen­trum Leip­zig eta­bliert“, sagt Spre­cher Ste­fan Mös­lein.

Ge­fragt sei­en die ho­he ärzt­li­che Ex­per­ti­se, mo­derns­te Me­di­zin­tech­nik so­wie die ver­wen­de­ten in­no­va­ti­ven, scho­nen­den Be­hand­lungs­mög­lich­kei­ten. „Zu den häu­figs­ten Dia­gno­sen ge­hö­ren chro­ni­sche rheu­ma­ti­sche Herz­krank­hei­ten, Er­kran­kung der Herz­kranz­ge­fä­ße oder an­ge­bo­re­ne Fehl­bil­dun­gen des Kreis­lauf­sys­tems“, so der Spre­cher. Die mit Ab­stand meis­ten Pa­ti­en­ten ka­men da­bei aus Russ­land (47) und

Ku­wait (43), ge­folgt von Sau­di-ara­bi­en (23), der Tür­kei und der Ukrai­ne (bei­de Län­der je 9).

An­sons­ten hal­ten sich die säch­si­schen Kli­ni­ken bei der Her­aus­ga­be von Zah­len zu dem The­ma eher be­deckt. Am Uni­k­li­ni­kum Leip­zig (UKL) spie­le das The­ma „ei­ne sehr nach­ge­ord­ne­te Rol­le“, so Spre­cher Mar­kus Bi­en. „Wir hal­ten da­für da­her auch kei­ne be­son­de­ren An­ge­bo­te oder Struk­tu­ren be­reit und for­cie­ren die­ses The­ma auch nicht.“Den­noch: „Es gibt aber na­tür­lich auch am UKL punk­tu­ell Pa­ti­en­ten, die für ei­ne Be­hand­lung aus dem Aus­land an­rei­sen.“Mehr als die Hälf­te be­nö­ti­ge ei­ne Krebs­be­hand­lung, ins­be­son­de­re im uro­lo­gi­schen Be­reich. Über kon­kre­te Zah­len und Her­kunfts­län­der kön­ne man je­doch kei­ne An­ga­ben ma­chen. Me­di­zin­tou­ris­ten wer­den auch am Kli­ni­kum St. Ge­org be­han­delt. Auch hier wur­den kei­ne kon­kre­ten An­ga­ben ge­macht. Ge­plant war in Leip­zig so­gar ein­mal ei­ne ei­ge­ne Kli­nik für Me­di­zin­tou­ris­ten am Au­gus­tus­platz (LVZ be­rich­te­te). Aus die­ser „Scheich-kli­nik“ist al­ler­dings bis heu­te nichts ge­wor­den. Mitt­ler­wei­le hat das be­tref­fen­de Grund­stück den Be­sit­zer ge­wech­selt.

Am Uni-kli­ni­kum Dres­den sei die Zahl der aus­län­di­schen Pa­ti­en­ten in den ver- gan­ge­nen drei Jah­ren sehr sta­bil ge­blie­ben, sagt Spre­cher Hol­ger Os­ter­mey­er. Bei ei­ner Ge­samt­zahl von rund 58500 Pa­ti­en­ten im sta­tio­nä­ren Be­reich han­del­te es sich im ver­gan­ge­nen Jahr um 100 Me­di­zin­tou­ris­ten (2016: 84; 2015: 99). Diese Kon­stanz gel­te auch für den am­bu­lan­ten Be­reich mit rund 265000 Pa­ti­en­ten. Hier wur­den 2017 ins­ge­samt 350 Pa­ti­en­ten be­han­delt (2016: 333; 2015: 334). Die Mehr­zahl kom­me als Selbst­zah­ler oder über eu­ro­päi­sche Ver­trä­ge. Letz­te­res be­tref­fe vor al­lem Ru­mä­nen und Bul­ga­ren, so Os­ter­mey­er. Ganz vorn bei den Be­hand­lun­gen ste­hen Uro­lo­gie, Kreb­s­chir­ur­gie, Gy­nä­ko­lo­gie, aber auch der or­tho­pä­disch-un­fall­chir­ur­gi­sche Be­reich.

Fast kei­ne Me­di­zin­tou­ris­ten gibt es da­ge­gen am Kli­ni­kum Chem­nitz. „Es kom­men ger­ne Pa­ti­en­ten aus Russ­land zu uns, auf Emp­feh­lung von Ver­wand­ten und Be­kann­ten aus un­se­rer Re­gi­on. Die An­zahl wird je­doch nicht ge­son­dert er­fasst und hat auch bis­lang kei­ne nen­nens­wer­te Grö­ßen­ord­nung er­reicht“, so Spre­cher Micha­el Hell­mann.

Die Ver­sor­gung aus­län­di­scher Pa­ti­en­ten hat sich in den letz­ten Jah­ren am Herz­zen­trum Leip­zig eta­bliert. Ste­fan Mös­lein, Spre­cher Herz­zen­trum Leip­zig

Fo­to: dpa

Blick in den Op-saal: Vie­le aus­län­di­sche Pa­ti­en­ten las­sen sich lie­ber in Deutsch­land ope­rie­ren. Die ho­he ärzt­li­che Ex­per­ti­se, mo­derns­te Me­di­zin­tech­nik und die ver­wen­de­ten in­no­va­ti­ven, scho­nen­den Be­hand­lungs­mög­lich­kei­ten sind ent­schei­den­de Ar­gu­men­te.

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