Viel re­den hilft viel

Leipziger Volkszeitung - - ERSTE SEITE - VON GOR­DON REPINSKI ➦ po­li­tik@lvz.de

W enn über die ge­ra­de be­en­de­te Münch­ner Sicherheitskonferenz Re­sü­mee ge­zo­gen wird, dann wird ei­ne kri­ti­sche Fra­ge auch in die­sem Jahr nicht feh­len: Ist – für viel Geld – nicht wie­der ein­mal nur ge­re­det wor­den, oh­ne kon­kre­te Er­geb­nis­se zu er­zie­len?

Es stimmt: Man­che si­cher­heits­po­li­ti­sche De­bat­te scheint be­son­ders va­ge ge­blie­ben zu sein. Nah­ost, Nord­ko­rea, Iran, Chi­na, Trump, Russ­land, Po­pu­lis­mus, Cy­ber hie­ßen ei­ni­ge gro­ße The­men. Wo­mög­lich sind sie für ech­te Fort­schrit­te in kur­zer Zeit aber auch zu kom­plex und die Ak­teu­re zu zer­strit­ten (wenn sie denn über­haupt an­we­send wa­ren).

Im­mer­hin: Mün­chen lie­fer­te ein Be­kennt­nis zur ge­mein­sa­men eu­ro­päi­schen Ver­tei­di­gungs­po­li­tik. Doch die­ser Im­puls war nicht neu und wur­de – auch man­gels ei­ner feh­len­den ge­wähl­ten Bun­des­re­gie­rung – kaum aus­buch­sta­biert. Wie wür­de so ei­ne ge­mein­sa­me Ver­tei­di­gungs­po­li­tik über­haupt aus­se­hen? Was be­deu­tet dies für das Ver­hält­nis von Eu­ro­pa zu den USA? Wür­de Deutsch­land als größ­te Wirt­schafts­macht des Kon­ti­nents wirk­lich zu ei­ner mi­li­tä­ri­schen Füh­rungs­macht in al­ler Welt?

Es ist schwer vor­stell­bar. Die ge­mein­sa­me eu­ro­päi­sche Ver­tei­di­gungs­po­li­tik ist bis­her ei­ne lo­se Idee, die mit Le­ben ge­füllt wer­den muss. Deutsch­land ist da­zu im Mo­ment kaum in der La­ge, der mo­na­te­lan­ge Still­stand der Re­gie­rungs­ar­beit war sel­ten so spür­bar wie an die­sem Wo­che­n­en­de. Nach der Ve­rei­di­gung ei­ner Gro­ßen Ko­ali­ti­on kann sich diese La­ge ver­bes­sern – doch trei­ben­de Kraft bei der eu­ro­päi­schen In­te­gra­ti­on bleibt Frank­reich. Oh­ne Ma­cron geht der­zeit in Eu­ro­pa nichts, auch das ist ein Er­geb­nis die­ser Ta­ge.

Hat sich un­term Strich aber die ge­sam­te Kon­fe­renz nicht ge­lohnt? Das wä­re ei­ne fal­sche, ge­fähr­li­che Schluss­fol­ge­rung. In ei­ner Zeit wach­sen­der Un­über­sicht­lich­keit ist es wich­tig wie nie, dass Staa­ten­len­ker, Di­plo­ma­ten, Wis­sen­schaft­ler aus al­ler Welt mit­ein­an­der im Aus­tausch blei­ben. Im Kal­ten Krieg wa­ren es nicht zu­letzt die funk­tio­nie­ren­den Ver­bin­dun­gen un­ter­halb der Staats­chefs, die die Ge­fahr ei­nes Atom­krie­ges über­schau­bar hiel­ten.

Die­ser Kon­takt ist zwi­schen Rus­sen und Ame­ri­ka­nern, teil­wei­se aber auch zwi­schen Eu­ro­pä­ern und den Part­nern in Ost und West jüngst we­ni­ger ge­wor­den. Das ist ein Si­cher­heits­ri­si­ko, das schlei­chend wächst, aber min­des­tens so re­le­vant ist wie man­cher of­fen sicht­ba­re Kon­flikt.

Nicht re­den, das ist die wah­re Ge­fahr die­ser Ta­ge. Die wich­ti­gen po­li­ti­schen Ge­sprä­che sind oft ge­ra­de die in den Hin­ter­zim­mern. Ge­ra­de zwi­schen den Ver­tre­tern mit­ein­an­der in Kon­flikt ste­hen­der Län­der und Re­gio­nen. Die Sicherheitskonferenz hat da­zu ei­nen Bei­trag ge­leis­tet. Ei­nen klei­nen. Aber Zei­ten gro­ßer Un­ru­he sind eben auch Zei­ten, in de­nen ge­nau diese Schrit­te Wert­schät­zung ver­dient ha­ben.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.