Wei­ter Streit um Sport­platz – SV Wa­cker for­dert Geld

Be­wäs­se­rung der An­la­ge bleibt un­ge­klärt / Ver­stim­mung we­gen Fi­nanz­sprit­ze an FC In­ter­na­tio­nal für Kun­st­ra­sen

Leipziger Volkszeitung - - ERSTE SEITE - VON KLAUS STAEUBERT

LEIP­ZIG. Auch nach dem ge­schei­ter­ten Raus­wurf des Ver­eins SV Wa­cker geht der Streit um die Sport­an­la­ge im Ma­ri­an­nen­park wei­ter. Der Ver­ein for­dert von der Stadt Leip­zig ei­ne Nach­zah­lung von Pfle­ge­zu­schüs­sen. Es geht da­bei um mehr als 40 000 Eu­ro.

Der Streit um die Sport­an­la­ge im Ma­ri­an­nen­park ist auch nach dem ge­schei­ter­ten Raus­wurf des Ver­eins SV Wa­cker nicht bei­ge­legt. Nach­dem die Stadt mit ih­rer Räu­mungs­kla­ge ge­gen den Päch­ter ge­schei­tert ist (die LVZ be­rich­te­te), pocht der Ver­ein nun auf ei­ne Nach­zah­lung von Pfle­ge­zu­schüs­sen durch die Kom­mu­ne. Es geht um mehr als 40 000 Eu­ro. An die­sem Mon­tag wol­len bei­de Sei­ten bei ei­nem Vor-ort-ter­min die wei­te­re Aus­ge­stal­tung des Pacht­ver­hält­nis­ses be­spre­chen.

Die Stadt hat­te Wa­cker im April 2017 ge­kün­digt und ei­ne Räu­mung an­ge­droht. Be­grün­dung: Der Ver­ein wür­de die An­la­ge nicht in Schuss hal­ten und Ver­wen­dungs­nach­wei­se für kom­mu­na­le Pfle­ge­zu­schüs­se schul­dig blei­ben. Laut Wa­cker­vor­stand Hol­ger Dren­del muss die Stadt 28 500 Eu­ro im Jahr an den Ver­ein über­wei­sen. „Doch 2016 wur­de nur die Hälf­te, 2017 gar nichts mehr ge­zahlt“, sagt er. Nur weil der Vor­stand mit pri­va­tem Geld ein­ge­sprun­gen sei, ha­be es über­haupt wei­ter­ge­hen kön­nen. „An­de­re Ver­ei­ne wä­ren längst in die In­sol­venz ge­ra­ten.“Dren­del er­war­tet da­her, dass die Kom­mu­ne das of­fe­ne Geld nach­zahlt und ab die­sem Jahr wie­der ih­ren Ver­pflich­tun­gen nach­kommt. „Da­von wer­den wir dann den Platz her­rich­ten, so gut es geht“, ver­si­chert er.

Nach den Wor­ten des stell­ver­tre­ten­den Lei­ters des Sport­am­tes, Frank Dann­hau­er, ori­en­tie­re sich der Pfle­ge­zu­schuss an der Grö­ße und Be­schaf­fen­heit des Plat­zes. „Dem­nach kön­nen für die Sport­platz­anl­a­ben ge Ma­ri­an­nen­park ma­xi­mal rund 30000 Eu­ro pro Jahr aus­ge­zahlt wer­den.“

Doch ob es al­lein mit dem Geld ge­tan ist, er­scheint frag­lich. Ei­gent­lich ge­hört ei­ne Was­ser­pum­pe zur Sport­an­la­ge. Doch die, so Dren­del, sei ver­schwun­den, als der FC In­ter­na­tio­nal als zwei­ter Päch­ter in den Ma­ri­an­nen­park kam. „Seit 2014 konn­ten wir da­durch un­se­re Plät­ze nicht mehr be­wäs­sern“, be­rich­tet der Wa­cker-chef. Was­ser sah der Ra­sen seit­dem nur noch, wenn es reg­ne­te. Ob die Stadt, die Ei­gen­tü­me­rin der Sport­an­la­ge ist, ei­ne neue Pum­pe be­schafft, ist un­ge­wiss. Et­was ne­bu­lös kün­digt der Sport­amts­vi­ze ge­gen­über der LVZ an: „Dem Päch­ter ist der Weg auf­ge­zeigt wor­den, wie er die Be­wäs­se­rung der Ra­sen­fel­der ge­neh­mi­gungs­recht­lich und bau­lich lö­sen könn­te.“

Wa­cker ist seit 2011 Päch­ter der Sport­an­la­ge im Ma­ri­an­nen­park, zu der drei Ra­sen­groß­spiel­fel­der, zwei Klein­fel­der so­wie ein So­zi­al­ge­bäu­de mit Gast­stät­te ge­hö­ren. Der Pacht­ver­trag hat ei­ne Lauf­zeit von 30 Jah­ren, en­det re­gu­lär am 30. Ju­ni 2041. Ein vier­ter Fuß­ball­platz war 2014 aus dem Ver­trag her­aus­ge­löst wor­den. Ihn ver­pach­te­te die Stadt an den FC In­ter­na­tio­nal, mit dem sich Dren­del mitt­ler­wei­le über­wor­fen hat.

Im ver­gan­ge­nen Jahr war die Stadt fest ent­schlos­sen, sich von SV Wa­cker zu tren­nen. Dass sie letzt­lich dar­auf ver­zich­te­te, ein Ge­richt über ei­ne Räu­mungs­kla­ge ent­schei­den zu las­sen und sich statt­des­sen auf ein Gü­te­rich­ter­ver­fah­ren ein­ge­las­sen hat, be­grün­det Dann­hau­er da­mit, dass man „ein lang­wie­ri­ges, ge­richt­li­chen Ver­fah­ren“ver­mei­den woll­te. An­ders aus­ge­drückt: Die Stadt hät­te in ei­nem Rechts­streit kei­ne gu­ten Kar­ten ge­habt.

Doch wie soll es nun wei­ter­ge­hen? „Wir ha­ben den Streit nicht an­ge­fan­gen. Wir woll­ten von An­fang an ei­ne au­ßer­ge­richt­li­chen Ei­ni­gung, aber die Stadt hat­te dar­an ja kein In­ter­es­se“, be­schreibt Dren­del sei­ne Sicht der Din­ge. Er wer­de frei­lich die im Ver­gleich ge­schlos­se­nen Ver­ein­ba­run­gen um­zu­set­zen. Laut Sport­amt muss der Ver­ein un­ter an­de­rem Ein­nah­men und Aus­ga- so­wie die Aus­las­tung der An­la­ge „durch ei­ge­ne Mit­glie­der“nach­wei­sen und at­trak­ti­ve Ver­eins­sport­an­ge­bo­te im Wohn­quar­tier vor­hal­ten. Ak­tu­ell spie­len auf den Wa­cker-pacht­flä­chen nur der Rug­by-ver­ein Leip­zi­ger Scor­pi­ons so­wie die Fuß­ball­ver­ei­ne BC Ein­tracht und FFC Wa­cker. SV Wa­cker strebt nun ei­ne Ko­ope­ra­ti­on mit LFV Sach­sen Leip­zig an.

Für Ver­stim­mung bei Wa­cker und et­was Neid sorgt in­des, dass der FC In­ter­na­tio­nal jetzt vom Sport­aus­schuss ei­ne städ­ti­sche För­de­rung von 193 000 Eu­ro für ei­nen Kun­st­ra­sen­platz in Aus­sicht ge­stellt be­kom­men hat. Da­bei ver­fügt der Ver­ein nicht mal über ein Sa­ni­tär- und Um­klei­de­ge­bäu­de. In den Kon­flikt zwi­schen bei­den Ver­ei­nen will sich die Stadt nicht ein­mi­schen. Man re­spek­tie­re die Au­to­no­mie und Selbst­be­stim­mung des Sports, hob Dann­hau­er her­vor. Bei­de Ver­ei­ne sei­en ge­for­dert, ge­ge­be­nen­falls Ko­ope­ra­ti­ons­kon­zep­te zu ent­wi­ckeln. An­fangs durf­te In­ter das Ver­eins­haus von Wa­cker mit nut­zen. Weil sich In­ter aber nicht an Ver­ein­ba­run­gen et­wa zur Rei­ni­gung der Räu­me ge­hal­ten ha­be, be­rich­tet Dren­del, wur­de dem Nach­barn der Stuhl vor die Tür ge­stellt. „Wir set­zen auf part­ner­schaft­li­che Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen den Ver­ei­nen“, so Dann­hau­er. Dass sich sei­ne Hoff­nung er­füllt, ist ge­gen­wär­tig eher un­wahr­schein­lich. „Wir leh­nen je­de Ko­ope­ra­ti­on mit In­ter ab“, sagt Dren­del un­miss­ver­ständ­lich. Mehr noch: Er will, dass die Pacht­flä­chen auch sicht­bar von­ein­an­der ge­trennt wer­den. Et­wa durch ei­nen Zaun. „Das for­dern wir seit 2014.“

Fo­to: Dirk Kn­ofe

Die Sport­an­la­ge im Ma­ri­an­nen­park.

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