Vor die Tür ge­setzt – buch­stäb­lich

Das Wort „li­te­r­al­ly“wird in den USA oft falsch ge­braucht, ei­ne Bar in New York hat es des­halb ver­bo­ten

Leipziger Volkszeitung - - ERSTE SEITE - VON GA­B­RIE­LE CHWAL­LEK

D ie Spra­che der Ju­gend hat schon vie­le El­tern­ge­ne­ra­tio­nen zur Ver­zweif­lung ge­bracht. In den USA be­klagt sich das Bil­dungs­bür­ger­tum mo­men­tan vor al­lem über je­ne Schar jun­ger Men­schen, die in je­dem zwei­ten Satz das Wort „li­te­r­al­ly“– auf Deutsch „buch­stäb­lich“– un­ter­brin­gen. Und zwar mit Vor­lie­be dann, wenn et­was ge­ra­de nicht buch­stäb­lich, son­dern viel­mehr bild­lich ge­meint ist. Et­wa: „Ich bin vor La­chen buch­stäb­lich ge­stor­ben.“Man möch­te ant­wor­ten: Nein, bist du eben ge­ra­de nicht.

We­gen des in­fla­tio­nä­ren und da­zu oft noch fal­schen Ge­brauch des Wor­tes hat nun ei­ne Kn­ei­pe in New York Kon­se- quen­zen ge­zo­gen. „Es ist das am über­mä­ßigs­ten ge­brauch­te, ner­vigs­te Wort in der eng­li­schen Spra­che, und wir wer­den es nicht dul­den“, heißt es in ei­nem Aus­hang am Ein­gang der Bar „Con­ti­nen­tal“. Wer mit „I li­te­r­al­ly“ei­nen Satz be­gin­ne, der müs­se das Lokal so­fort ver­las­sen. Wer das Wort an­der­wei­tig ein­streut, dem wer­den im­mer­hin fünf Mi­nu­ten ge­las­sen, um aus­zu­trin­ken und aus der Bar im East Vil­la­ge in Man­hat­tan zu ver­schwin­den.

In den USA ist be­son­ders die über­dreh­te Pro­mi-fa­mi­lie Kar­da­shi­an für das Wort be­kannt, die es gern und oft in ih­rer ei­ge­nen Tv-se­rie ver­wen­det – und zwar als Syn­onym für „ernst­haft“oder „völ­lig“. Meist ist ei­gent­lich „vir­tual­ly“ge­meint, auf Deutsch in et­wa „na­he­zu“, „prak- tisch“oder „qua­si“. Ent­spre­chend for­der­te die Bar „Con­ti­nen­tal“auf ih­rem Aus­hang: „Stoppt Kar­da­shia­nism jetzt!“

Trotz all der Kri­tik am fal­schen Ge­brauch ha­ben die gro­ßen eng­li­schen Wör­ter­bü­cher auf den schlei­chen­den Sprach­wan­del be­reits mit neu­en De­fi­ni­tio­nen re­agiert – „li­te­r­al­ly“be­deu­te zwar „buch­stäb­lich“, wer­de aber auch „auf über­trie­be­ne Wei­se ver­wen­det, um ei­ne Aus­sa­ge oder Be­schrei­bung her­vor­zu­he­ben, die nicht buch­stäb­lich wahr oder mög­lich ist“, schreibt das Wör­ter­buch „Mer­ri­am-webs­ter“. Im Wör­ter­buch der bri­ti­schen Cam­bridge-uni­ver­si­tät heißt es, das Wort kön­ne Aus­sa­gen „be­to­nen“und „Über­ra­schung“aus­drü­cken. Und zwar buch­stäb­lich.

Fo­to: dpa

Vor al­lem die Pro­mi-fa­mi­lie Kar­da­shi­an nutzt das Wort falsch – in der Bar „Con­ti­nen­tal“hat man ge­nug da­von.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.