Er­do­gan plant Be­such in Deutsch­land

Nach Yücel-frei­las­sung: Tür­kei hofft auf deut­sche Be­tei­li­gung an Pan­zer­bau – Jour­na­list hält sich im Aus­land auf

Leipziger Volkszeitung - - POLITIK - VON MICHA­EL FI­SCHER

BER­LIN. Nach der Frei­las­sung des Jour­na­lis­ten De­niz Yücel meh­ren sich die Zei­chen der Ent­span­nung im deutsch­tür­ki­schen Ver­hält­nis. Die Re­gie­rung in Ankara hofft vor al­lem auf ei­ne stär­ke­re Rüs­tungs­ko­ope­ra­ti­on mit Deutsch­land und ei­ne Ent­schär­fung der be­ste­hen­den deut­schen Rei­se­hin­wei­se für die Tür­kei. Das sag­te Mi­nis­ter­prä­si­dent Bi­na­li Yil­di­rim.

Der 44-jäh­ri­ge Deutsch­tür­ke Yücel war am Frei­tag nach ei­nem Jahr aus der Un­ter­su­chungs­haft we­gen Ter­ror­vor- wür­fen frei­ge­las­sen wor­den. Die Bun­des­re­gie­rung be­tont, dass kei­ne Ge­gen­leis­tung für die Frei­las­sung ver­spro­chen wor­den sei. Auch der tür­ki­sche Au­ßen­mi­nis­ter Mev­lüt Ca­vu­sog­lu wies sol­che Spe­ku­la­tio­nen am Wo­che­n­en­de zu­rück: „Es hat nie ei­nen De­al ge­ge­ben.“

Yil­di­rim sag­te, er wün­sche sich ei­ne deut­sche Be­tei­li­gung am ge­plan­ten Bau des tür­ki­schen Kampf­pan­zers Al­tay. Zu­dem kün­dig­te er ei­nen Deutsch­land­be­such von Staats­prä­si­dent Re­cep Tay­yip Er­do­gan nach der Ve­rei­di­gung der neu­en Bun­des­re­gie­rung an.

Oh­ne Ge­neh­mi­gung der Bun­des­re­gie­rung ist ei­ne Be­tei­li­gung ei­nes deut­schen Un­ter­neh­mens am Pan­zer­bau in der Tür­kei nicht mög­lich. Be­reits im ver­gan­ge­nen Jahr hat­te die Bun­des­re­gie­rung aber we­gen der Span­nun­gen mit Ankara die Ex­port­ge­neh­mi­gun­gen auf ei­nen Tief­stand zu­rück­ge­fah­ren. Nach Be­ginn der tür­ki­schen Of­fen­si­ve ge­gen die Kur­den­mi­liz YPG in Sy­ri­en wur­den sie prak­tisch ganz ge­stoppt.

Yil­di­rim hält das für falsch. „Denn wir sind ein Na­to-mit­glied, Deutsch­land ist ein Na­to-mit­glied“, be­ton­te er. „Und in un­se­rer Re­gi­on schüt­zen wir die Na­to-gren­zen.“Yil­di­rim ver­tei­dig­te auch den Ein­satz deut­scher Leo­pard­pan­zer ge­gen die YPG. „Wir ha­ben sie ja für Ta­ge wie heu­te ge­kauft, wenn wir an­ge­grif­fen wer­den. Wann soll­ten wir sie denn sonst ein­set­zen?“

Die tür­ki­sche Re­gie­rung hofft auch dar­auf, dass die Rei­se­hin­wei­se des Aus­wär­ti­gen Amts für die Tür­kei wie­der ent­schärft wer­den. Seit der Fest­nah­me des deut­schen Men­schen­recht­lers Pe­ter Steudt­ner warnt das Amt vor will­kür­li­chen Fest­nah­men, zu de­nen es in al­len Lan­des­tei­len „ein­schließ­lich der tou­ris­tisch fre­quen­tier­ten Re­gio­nen“kom­men kön­ne.

Yücel selbst mel­det sich am Sonn­tag knapp via Twit­ter. „Ich dan­ke für die Glück­wün­sche & bit­te um Ver­ständ­nis, dass ich der­zeit nicht ant­wor­ten kann“, schrieb er zu ei­nem Fo­to, das ihn zu­sam­men mit sei­ner Frau und ei­ner Kat­ze zeigt. Der „Welt“-jour­na­list hält sich nach ei­ge­nen An­ga­ben der­zeit im Aus­land auf. Wo ge­nau, ist nicht be­kannt. Der Bür­ger­meis­ter von Flörs­heim lud den Jour­na­lis­ten ein, in sei­ner Hei­mat­ge­mein­de von den Haf­ter­fah­run­gen in der Tür­kei zu be­rich­ten. In der Stadt süd­west­lich von Frank­furt le­ben Yücels El­tern und sei­ne Schwes­ter.

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