Die Schweig­lin­ge

Leipziger Volkszeitung - - POLITIK - VON NECLA KELEK

W er traut sich was in der CDU? Nur die Al­ten? In der Par­tei ru­mort es. Über­all ist Un­mut über die Po­li­tik der Par­tei­vor­sit­zen­den und Bun­des­kanz­le­rin zu spü­ren. Man be­klagt, mit dem Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um wür­de die Kern­kom­pe­tenz christ­de­mo­kra­ti­scher Po­li­tik in der neu­en Gro­ßen Ko­ali­ti­on auf­ge­ge­ben. „Man“ist in­des nicht ganz rich­tig, denn von den am­tie­ren­den Ab­ge­ord­ne­ten ist – bis auf den Spre­cher der Mit­tel­stands- und Wirt­schafts­ver­ei­ni­gung, Cars­ten Lin­ne­mann – we­nig zu hö­ren. In Ber­lin kur­siert denn auch die Wort­schöp­fung „Schweig­lin­ge“für die nur im Hin­ter­zim­mer Mu­ti­gen.

Die Rol­le, den Auf­stand zu pro­ben und sich da­bei mit der Mut­ter der Na­ti­on an­zu­le­gen, ha­ben sich die Alt­vor­de­ren auf die Fah­nen ge­schrie­ben – er­prob­te, aber von der Kanz­le­rin ins Ab­seits ge­stell­te Par­tei­sol­da­ten wie Fried­rich Merz, Ro­land Koch oder Vol­ker Rü­he. Ih­nen kann nie­mand mehr et­was neh­men, we­der Eh­re noch Amt, sie sind po­li­ti­sche Pen­sio­nä­re. Das macht sie um­so ge­fähr­li­cher. Der Phi­lo­soph Nic­colò Ma­chia­vel­li hat die Sze­ne­rie vor 500 Jah­ren in sei­nem Buch „Vom Staa­te“be­schrie­ben: „Der Fürst muß sich da­her hü­ten, weil er nie ei­nen Mann so ganz aus­plün­dern kann, daß ihm kein Mes­ser bleibt, sich zu rä­chen.“

Heu­te sind Mes­ser au­ßer Mode, Kom­men­ta­re, In­ter­views, Twit­ter­mel­dun­gen sind ei­ne eben­so schar­fe Waf­fe. Aber erst die für­sorg­li­che Be­la­ge­rung der auf Amts­er­halt aus­ge­rich­te­ten Fe­s­tungs­po­li­tik der Kanz­le­rin schafft wo­mög­lich die Vor­aus­set­zung für ei­ne Er­neue­rung der CDU. Nö­tig ist das, will sie nicht im Burg­gra­ben en­den wie die SPD, de­ren Rit­ter sich ge­ra­de ge­gen­sei­tig von den Zin­nen schub­sen.

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