Gimm­litz­tal­mord wie­der vor Ge­richt

Bun­des­ge­richts­hof in Leip­zig rollt grau­si­gen Fall am Mitt­woch neu auf

Leipziger Volkszeitung - - SACHSEN - VON SIMONA BLOCK

LEIP­ZIG/DRES­DEN. Ein Po­li­zist aus Sach­sen ge­steht, die Lei­che ei­nes Ge­schäfts­man­nes aus Han­no­ver zer­stü­ckelt zu ha­ben. Er wird we­gen Mor­des ver­ur­teilt, aber nicht zu le­bens­lan­ger Haft – wie üb­lich. Nun muss er aber­mals vor Ge­richt.

Als der Ge­schäfts­mann aus Han­no­ver im No­vem­ber 2013 nach Sach­sen fährt, ist es sei­ne letz­te Reise. Schon seit sei­ner Ju­gend hat Wo­jciech S. nach An­ga­ben aus sei­nem Um­feld die ma­ka­bre Fan­ta­sie, sich „schlach­ten“zu las­sen. Auf ei­ner Kan­ni­ba­lis­mus-sei­te im In­ter­net war der 59-Jäh­ri­ge auf den Kri­mi­nal­be­am­ten Det­lev G. (58) ge­sto­ßen: Der träumt sei­ner­seits da­von, ei­ne Lei­che zu zer­stü­ckeln. Er holt den Gast vom Bahn­hof ab und fährt mit ihm in sei­ne Pen­si­on im Gimm­litz­tal im Os­terz­ge­bir­ge. Kurz dar­auf ist Wo­jciech S. tot. Det­lev G. zer­legt die Lei­che und ver­gräbt sie im Gar­ten hin­ter dem Haus. Die Zer­stück­lung ge­steht er.

Rund vier Jah­re ist es her, dass der grau­si­ge Fall be­kannt wur­de. Am Mitt­woch soll der Pro­zess ge­gen den vom Di­enst sus­pen­dier­ten Be­am­ten des Lan- de­s­kri­mi­nal­amts (LKA) neu auf­ge­rollt wer­den – zum zwei­ten Mal vor dem Bun­des­ge­richts­hof (BGH). Ne­ben der Fra­ge, ob der Po­li­zist mit dem bi­zar­ren Dop­pel­le­ben den Mann aus Nie­der­sach­sen auch ge­tö­tet hat, geht es bei den vom 5. Straf­se­nat in Leip­zig zu ver­han­deln­den Re­vi­sio­nen von Staats­an­walt­schaft und Ver­tei­di­gung er­neut auch um das Straf­maß.

En­de 2016 hat­te das Land­ge­richt Dres­den Det­lev G. in ei­nem zwei­ten Pro­zess we­gen Mor­des und Stö­rung der To­ten­ru- he zu acht Jah­ren und sie­ben Mo­na­ten Haft ver­ur­teilt. Ei­ne le­bens­lan­ge Frei­heits­stra­fe ver­häng­ten die Rich­ter wie schon in der ers­ten Ver­hand­lung nicht. Sie sa­hen in dem un­be­ding­ten To­des­wunsch des Op­fers ei­nen au­ßer­ge­wöhn­li­chen Um­stand und dis­tan­zier­ten sich von dem bei Mord üb­li­chen „le­bens­lang“. Da­mit wür­den sie Rechts­ge­schich­te schrei­ben. Nun aber muss der BGH er­neut prü­fen, ob die an­ge­wand­te „Rechts­fol­gen­lö­sung“rich­tig ist, er­klär­te Lo­renz Haa­se von der Staats­an­walt­schaft Dres­den. „Das er­scheint zu­min­dest frag­lich.“

In den 1980er-jah­ren hat der BGH ent­schie­den, dass bei Mord ei­ne ge­rin­ge­re Stra­fe als „le­bens­lang“mög­lich ist – und zwar beim Merk­mal Heim­tü­cke. „Für Mord zur Er­mög­li­chung ei­ner an­de­ren Straf­tat und Be­frie­di­gung des Ge­schlechts­triebs ist das bis­her nicht ent­schie­den“, sag­te Haa­se. „Le­bens­lang für Mord ist nicht mehr zeit­ge­mäß“, sag­te der Ver­tei­di­ger von G.. In dem Pen­si­ons­kel­ler sei nichts ge­sche­hen, was der An­de­re nicht ge­wollt ha­be. Sein Man­dant ha­be stets be­tont, nur ei­nen der Wün­sche des Ge­schäfts­man­nes er­füllt zu ha­ben.

Fo­to: M. Löff­ler

Det­lev G. (rechts sein An­walt) im No­vem­ber 2016 vor Ge­richt in Dres­den.

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