Nur von Pap­pe

Leipziger Volkszeitung - - KULTUR - VON JA­NI­NA FLEISCHER

G ele­gent­lich sind Ku­lis­sen nur Rah­men, sind Hin­ter­grund­bild, At­trap­pen aus Pap­pe. Im deut­schen Film aber ha­ben sie das Zeug zum Vor­der­grün­di­gen. Ganz be­son­ders, wenn die Hand­lung sich aus län­ger zu­rück­lie­gen­der Ver­gan­gen­heit im Os­ten speist. Da streift das Ka­me­ra­au­ge durch die Ku­lis­sen wie Tan­te Ali­ce aus Ulm durchs Ddr-mu­se­um. Und die, die da­bei wa­ren, ru­fen: Die Ta­pe­te hat­ten wir auch!

Vom „his­to­ri­schen Charme von da­mals“spricht Re­gis­seur Bernd Böh­lich, der 1957 in Lö­bau ge­bo­ren wur­de, wenn er durch Ei­sen­hüt­ten­stadt geht. Dort hat er ge­ra­de „War­um“ab­ge­dreht, ei­nen Film, der in den Ddr-50ern spielt. Das ist der Grund, war­um Schau­spie­ler Ro­bert Stad­lober sich in ekla­tant ge­fal­te­ten Bund­fal­ten­ho­sen zeigt, und zwar vor ei­nem Na­tur­stein­mo­sa­ik, das „Un­ser neu­es Le­ben“heißt und von Wal­ter Wo­ma­cka ge­schaf­fen wur­de. Es kann als ei­ne Art Sieg der ehe­ma­li­gen Ar­bei­ter­klas­se ge­se­hen wer­den, dass es noch exis­tiert und wei­ter­hin das Rat­haus schmückt. Wel­ches na­tür­lich nicht mehr „Haus der Mas­sen­or­ga­ni­sa­tio­nen“heißt.

„In Bran­den­burg sind wir schon ein klei­nes Hol­ly­wood“, sagt ei­ne Ei­sen­hüt­ten­städ­te­rin, die sich für „War­um“als Kom­par­sin ver­dingt. Im gro­ßen Hol­ly­wood ist Klein-hol­ly­wood als „Iron Hut Ci­ty“be­kannt, seit Tom Hanks dort vom Dreh­ort hier schwärmt.

Im deut­schen His­to­ri­en­film bleibt der Os­ten al­so, was er immer war: echt. Ein biss­chen über­zo­gen viel­leicht, da­mit es je­der ver­steht. Die Ge­sell­schafts­schmon­zet­ten der Ge­gen­wart aber – sie spie­len auf Traum­schif­fen und in Berg­hüt­ten und in Glücks-at­trap­pen al­ler Art. Als wä­re schon das Ori­gi­nal nur aus Pap­pe.

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