Mu­sik­ge­schich­te oh­ne ro­ten Fa­den

Beat­les-mu­si­cal lässt im Ge­wand­haus Wün­sche of­fen

Leipziger Volkszeitung - - KULTUR - VON TORS­TEN FI­SCHER

Vier bri­ti­sche Voll­blut­mu­si­ker, ei­ne Band, die den Beat schon im Na­men trägt, und ein Stück Pop­mu­sik­ge­schich­te: Ei­gent­lich bie­tet der Wer­de­gang der Beat­les auch Jahr­zehn­te spä­ter ei­ne glän­zen­de Vor­la­ge für le­ben­di­ge, pa­cken­de Büh­nen­shows. Dass das Nach­zeich­nen die­ser Sto­ry im Beat­les-mu­si­cal „Plea­se, Mr. Post­man“al­les an­de­re als ein­fach und eben kein künst­le­ri­scher Selbst­läu­fer ist, muss­te ein durch al­le Al­ters­klas­sen ge­misch­tes Pu­bli­kum des bis in die Rän­ge sehr gut ge­füll­ten Ge­wand­hau­ses am Frei­tag­abend er­le­ben.

Ein Mu­si­cal soll es al­so sein über vier Män­ner mit ei­ner bis da­hin nie ge­kann­ten Welt­kar­rie­re, die mit ih­rer Mu­sik ei­ne gan­ze Ge­ne­ra­ti­on präg­te. Doch die Pro­duk­ti­on tut sich schwer da­mit, mehr als nur mu­si­ka­lisch zu glän­zen, wie es die fran­zö­si­scheng­li­sche Co­ver­band um Cy­ril Mon­treau ali­as John Len­non frag­los über zwei St­un­den lang tut. Ei­ne pa­cken­de Sto­ry, ei­nen ro­ten Fa­den sucht man ver­ge­bens zwi­schen den be­kann­ten Sta­tio­nen von mit­tel­eng­li­schen Pubs über die le­gen­dä­re Stipp­vi­si­te in St. Pau­li bis hin zur Fan-hys­te­rie der 60er Jah­re. Die Vi­deo­wand im Hin­ter­grund bie­tet we­nig mehr als Licht­ef­fek­te und ei­nen Ka­me­ra­schwenk durch ein lee­res Ton­stu­dio. Sze­nisch be­kommt diese Ins­ze­nie­rung so man­che dra­ma­tur­gi­sche Kur­ve nicht und wirkt wie ein Fli­cken­tep­pich aus Ein­zel­ide­en, die je­doch nicht kon­se­quent zu En­de ge­dacht wer­den.

Da ist zu­nächst die­ses in die Beat­les­zeit zu­rück­ver­setz­te Paar in Kleid und Roll­kra­gen­pul­li, das aus al­len Wol­ken fällt, als be­kannt wird, dass die Band nun ihr letz­tes Kon­zert gibt. Ge­ra­de noch ha­ben sie Rin­go Starr durchs ge­öff­ne­te Fens­ter beim Schlag­zeug spie­len zu­ge­schaut – nun sind sie un­tröst­lich, ma­chen al­ler­dings recht fix die Büh­ne frei für halb an­ge­deu­te­te Bal­lett­ein­la­gen, plat­te Dia­lo­ge und Mit­klatsch-ani­ma­ti­on.

Das Mu­si­cal zeigt ein letz­tes Beat­le­s­kon­zert mit al­len Top-hits von „All you need is lo­ve“bis „Yes­ter­day“. Ei­ne heh­re Ab­sicht, die al­ler­dings auf­ge­setz­ter und ge­stelz­ter kaum trans­por­tiert sein könn­te. Ei­ne An­ein­an­der­rei­hung der Songs als Re­vue oder schlicht­weg Beat­les-show hät­te es auch ge­tan – und ge­nau das wird es dann: mehr Kon­zert als Mu­si­cal.

Wes­halb ver­netzt die Show nicht ih­re zwei­fels­oh­ne vor­han­de­nen in­stru­men­ta­len Qua­li­tä­ten mit mehr Hö­he­punk­ten der Band- oder Zeit­ge­schich­te? Die her­vor­ra­gend in­to­nier­ten Welt­hits an Drum­set, Gi­tar­ren und Kla­vier von „Pen­ny La­ne“über „Help“bis hin zu „Yel­low Sub­ma­ri­ne“ma­chen die dra­ma­tur­gisch un­er­klär­li­chen Schnit­zer aber ei­ni­ger­ma­ßen wie­der wett. Und am En­de tri­um­phiert beim Pu­bli­kum der Sound .

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