Nah­zie­le für den Nah­ver­kehr

Leipziger Volkszeitung - - LEIPZIG - VON KLAUS STAEUBERT

E s scheint, die Groko hat ihr The­ma end­lich ge­fun­den. Der kos­ten­lo­se Nah­ver­kehr hat das Zeug da­zu, selbst die Skep­ti­ker in der SPD für das un­ge­lieb­te Zweck­bünd­nis mit der Uni­on noch weich­zu­klop­fen. Klar, gra­tis Bus- und Stra­ßen­bahn­fah­ren ist kein Pro­jekt, das sich in die­ser Wahl­pe­ri­ode bun­des­weit um­set­zen lie­ße, wahr­schein­lich auch nicht in der nächs­ten. Aber ei­ne Vi­si­on, die an­ge­sichts wach­sen­den Au­to­ver­kehrs und be­grenz­ten Stra­ßen­raums Sinn macht. Mal ab­ge­se­hen da­von, wo­her das Geld für die dann aus­blei­ben­den Fahr­schein­erlö­se kom­men soll, stellt sich vor al­lem ei­ne Fra­ge: Was rollt da auf die Ver­kehrs­be­trie­be zu? An­ge­bot schafft be­kannt­lich Nach­fra­ge. Da be­darf es auch kei­ner Mo­dell­pro­jek­te mehr, wie sie jetzt für ei­ni­ge Städ­te ge­plant sind. Gra­tis-nah­ver­kehr ist in der EU nichts Neu­es. Den gibt es in 40 pol­ni­schen Städ­ten, ja so­gar in Deutsch­land. Tem­plin ver­zich­te­te ab 1997 schon auf Ti­ckets. Mit der Fol­ge: Die Fahr­gast­zah­len ha­ben sich mehr als ver­zehn­facht. 2003 brach der Ku­r­ort das Ex­pe­ri­ment schließ­lich ab; er kam mit der An­pas­sung sei­ner Bus­flot­te nicht mehr hin­ter­her. Das Pro­blem ist al­so we­ni­ger, die Ti­cket­ein­nah­men zu kom­pen­sie­ren, son­dern die Net­ze aus­zu­bau­en, was Zeit, sehr viel Zeit be­nö­ti­gen wird. Und in der Zwi­schen­zeit? Ja, auch da lie­ße sich ei­ni­ges re­for­mie­ren. Bei­spiel Fahr­prei­se. Al­lein ei­ne Schü­ler­jah­res­kar­te kos­tet in Leip­zig 254 Eu­ro, 62 Eu­ro mehr als im Jahr 2010. Im pol­ni­schen Dan­zig, in dem die Stadt­wer­ke ein lu­kra­ti­ves Aus­lands­ge­schäft un­ter­hal­ten, fah­ren al­le Schü­ler ab 1. Ju­li 2018 gra­tis. So viel ist dort der Stadt Fa­mi­li­en­freund­lich­keit wert.

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