Aben­teu­er­trip durch die Wüs­te für ei­nen gu­ten Zweck

„Leip­zig goes Ban­jul“– Stu­den­ten brin­gen bei ei­ner Trans­sa­ha­ra-ral­lye ein Au­to nach Gam­bia

Leipziger Volkszeitung - - LEIPZIG - VON MARK DA­NI­EL ➦ www.leip­zig-goes-ban­jul.de

Seit ges­tern ist die Lie­ge­flä­che fer­tig. Osb-plat­ten, 15 Mil­li­me­ter dick, mit Schar­nie­ren zum Zu­sam­men­klap­pen und Stau­raum un­ter der Schlaf­flä­che. Die Brei­te von 1,40 Me­ter im Au­to ist okay für zwei Per­so­nen – und de­fi­ni­tiv bes­ser, als beim Zel­ten den Wind der afri­ka­ni­schen Wüs­te ab­zu­be­kom­men. Noch zwölf Ta­ge ha­ben Alex­an­dra Wintz und Flo­ri­an Pusch Zeit, be­vor sie auf­bre­chen zu ei­nem ganz be­son­de­ren Aben­teu­er: Mit ei­nem al­ten Mer­ce­des fah­ren sie die ka­ri­ta­ti­ve Trans­sa­ha­ra-ral­lye Dres­den-da­kar-ban­jul.

Der gu­te Zweck hei­ligt die Mit­tel, die das Vor­ha­ben kos­tet: Wenn nach über 7000 Ki­lo­me­tern und drei Wo­chen Gam­bi­as Haupt­stadt Ban­jul er­reicht ist, wird das 20 Jah­re al­te Au­to ver­stei­gert und der Er­lös ge­spen­det, nach Deutsch­land geht’s zu­rück per Flug. „Vor Ort kön­nen wir ver­schie­de­ne Hilfs­pro­jek­te be­sich­ti­gen und bei der Mit­tel­ver­tei­lung ein Wort mit­re­den“, sagt der vor 24 Jah­ren in Cott­bus ge­bo­re­ne Pusch, der seit 2012 in Leip­zig an der HTWK Elek­tro­tech­nik stu­diert. „Au­ßer­dem wer­den wir hel­fend an­pa­cken, wo wir kön­nen“, er­gänzt Wintz. Die 25-Jäh­ri­ge ab­sol­viert ih­ren Ma­nage­men­tMas­ter­stu­di­en­gang in Nürn­berg. Zu­sam­men­ge­bracht hat die bei­den ein För­der­pro­gramm im Rah­men ih­rer Werk­stu­den­ten­tä­tig­keit bei Sie­mens. Wäh­rend ei­nes Tref­fens in Er­lan­gen letz­ten No­vem­ber sprach der Leip­zi­ger über die Ral­lye-teil­nah­me. Das Fahr­zeug da­für stand schon vor der Tür: ein Benz M 240 T, Bau­jahr 1998, 240000 Ki­lo­me­ter auf dem Ta­cho, er­stan­den und in Schuss ge­bracht für 1600 Eu­ro. Die Kom­mi­li­to­nin pack­te Reise- und Aben­teu­er­lust – und stieg ins Pro­jekt ein. Der Trip liegt in den Se­mes­ter­fe­ri­en, „und vor dem Ab­schluss un­se­res Mas­ter­pro­gramms wol­len wir die Zeit nut­zen, uns so­zi­al zu en­ga­gie­ren“, so die Frän­kin.

Die Rou­te be­ginnt in Dres­den, die bei­den Stu­den­ten sto­ßen aber von Nürn­berg aus zu den ins­ge­samt 50 Teams. Durch­quert wer­den Süd­frank­reich, Spa­ni­en, Ma­rok­ko, Mau­re­ta­ni­en und Se­ne­gal. Au­ßer­ge­wöhn­lich dürf­te un­ter an­de­rem die Strand­pas­sa­ge in Mau­re­ta­ni­en sein: Sie führt so dicht am At­lan­tik ent­lang, dass sie nur bei Eb­be pas­sier­bar ist – ein Hö­he­punkt für Of­f­road-lieb­ha­ber. Die un­be­fes­tig­te Stre­cke durch die West-sa­ha­ra be­trägt 700 Ki­lo­me­ter. Und wenn der al­te Benz schlapp­macht? „Re­la­tiv ein­fa­che Re­pa­ra­tu­ren be­kom­me ich hin“, meint Flo­ri­an Pusch, „ich bin Old­ti­merFan und hab auch schon ei­nen über 30 Jah­re al­ten Wart­burg flott­ge­macht.“

Zu­sätz­li­che Si­cher­heit ge­ben Ca­reFahr­zeu­ge der Ral­lye-or­ga­ni­sa­to­ren, die den ein­zel­nen Grup­pen hin­ter­her­fah­ren. Die Kom­mu­ni­ka­ti­on un­ter­ein­an­der funk­tio­niert über Funk­ge­rä­te mit fünf Ki­lo­me­tern Reich­wei­te. Da die Rou­te nicht ex­akt be­folgt wer­den muss, be­vor­zu­gen die bei­den Stu­den­ten den Weg durch das At­lasGe­bir­ge – der Blick­wei­te we­gen.

Pflicht-treff­punk­te sind der 7. März in Gi­bral­tar we­gen der ge­buch­ten Über­set­zung mit der Fäh­re so­wie der 19. März zur Ein­rei­se in den Se­ne­gal. 7200 Ki­lo­me­ter in drei Wo­chen – ei­ne Maß­ga­be, die nicht Spaß, son­dern ei­ne Men­ge An­stren­gung ver­heißt. Doch die Aus­sicht auf au­ßer­ge­wöhn­li­che Er­fah­run­gen in Ver­bin­dung mit dem gu­ten Zweck reizt das Leip­zig-nürn­ber­ger Ge­spann. „So wis­sen wir auch, dass die Spen­den dort an­kom­men, wo sie hin­ge­hö­ren“, sagt Pusch. Man­gels Per­spek­ti­ve flüch­ten vie­le Men­schen aus Gam­bia. Auf man­che, die nicht über die li­by­sche Küs­te nach Eu­ro­pa ge­lan­gen, war­ten Fol­ter und Skla­ve­rei. „Die Ral­lye kann mit da­für sor­gen, dass es im Land vor­an­geht.“Im wahrs­ten Wort­sinn: Der Benz könn­te als Ta­xi ge­nutzt wer­den und Ein­nah­men ga­ran­tie­ren, denn der Tou­ris­mus in Gam­bia wächst.

In­klu­si­ve Au­to­kauf kos­tet das Pro­jekt „Leip­zig goes Ban­jul“rund 6000 Eu­ro. Zu den bis­he­ri­gen Spon­so­ren ge­hö­ren Freun­de, Fa­mi­lie und die HTWK. Noch be­nö­tigt wer­den Ben­zin­geld und Spen­den für Men­schen in Gam­bia so­wie Ma­te­ri­al von Klapp­s­pa­ten über Zünd­spu­le bis Ak­kuf­lex. Wer hel­fen will, er­fährt al­les auf der Web­site der Aben­teu­rer.

Zep­pe­lin­brü­cke: Rad­fah­rer fährt Fuß­gän­ger an und ver­letzt sich

AFD will mit Groß­de­mons­tra­ti­on vors Kanz­ler­amt zie­hen

Fo­to: An­dré Kemp­ner

Die Auf­kle­ber sind schon dran: Alex­an­dra Wintz und Flo­ri­an Pusch mit ih­rem Mer­ce­des, der sie durch die Wüs­te fah­ren soll.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.