Wil­de Schön­hei­ten aus den An­den

Or­chi­de­en­schau lockt Tau­sen­de Pflan­zen­freun­de in den Bo­ta­ni­schen Gar­ten der Uni­ver­si­tät

Leipziger Volkszeitung - - LEIPZIG - VON IN­GRID HILDEBRANDT

Be­su­cher der Or­chi­de­en­schau im Bo­ta­ni­schen Gar­ten be­stau­nen die Viel­falt der blü­hen­den Schön­hei­ten.

Far­ben­fro­hes „Win­ter­mär­chen“mit­ten im kal­ten Leip­zig – das ist die Or­chi­de­en­schau im Bo­ta­ni­schen Gar­ten der Uni­ver­si­tät, die am Wo­che­n­en­de er­öff­net wur­de. Wer das Reich der Blü­ten­wun­der be­tritt, fühlt sich in die Wäl­der von Mit­tel- und Süd­ame­ri­ka ver­setzt. Es ist grün so weit das Au­ge reicht. Aber nur auf den ers­ten Blick.

Der zwei­te Blick ver­zau­bert noch mehr: Über­all leuch­ten Blü­ten im Grün. Sämt­li­che Schat­tie­run­gen schei­nen ver­tre­ten. Vie­le der Blü­ten sind über zehn Zen­ti­me­ter groß, an­de­re zei­gen sich im Mil­li­me­ter-for­mat. Schlän­geln sich man­che Or­chi­de­en an Baum­rin­den hoch, schwe­ben an­de­re als Auf­sit­zer­pflan­zen an Ast­ga­beln, wie­der an­de­re wach­sen im Laub oder im Moos­pols­ter. „Spe­zi­ell für die Schau wur­de un­ser Grund­be­stand an Wild­or­chi­de­en durch Hun­der­te Ge­wäch­se von Or­chi­de­en-lieb­ha­bern er­wei­tert“, sagt Mat­thi­as Schwie­ger. „Ge­kreuz­te Sor­ten sind dar­un­ter, aber auch et­li­che Na­tur­for­men. Al­le wer­den in un­se­ren tro­pi­schen Ge­wächs­häu­sern so kunst­voll prä­sen­tiert, als wenn sie schon lan­ge dort wach­sen wür­den“, so der Tech­ni­sche Lei­ter des Bo­ta­ni­schen Gar­tens. Ein Er­folgs- rezept, das immer mehr Na­tur­freun­de an­lockt. „Die Be­su­cher­zahl hat sich in den letz­ten Jah­ren ver­dop­pelt“, freut sich Schwie­ger.

Das liegt wohl auch am gärt­ne­ri­schen Ge­schick. Blick­ach­sen len­ken die Be­su­cher­au­gen zu den schö­nen Ge­wäch­sen. Be­lieb­te Hin­gu­cker sind die Van­de­en (Van­da ist in­disch für Orchidee) mit ih­ren bun­ten Blü­ten. Eben­so be­staunt wer­den ih­re oft me­ter­lan­gen, ver­schlun­ge­nen Luft­wur­zeln. Um­ringt sind aber auch Vi­tri­nen: Dort stel­len die Gärt­ner Or­chi­de­en vor, wie sie in der Na­tur vor­kom­men. „In der Na­tur sind die meis­ten Or­chi­de­en we­sent­lich klei­ner und fi­li­gra­ner“, be­rich­tet der Or­chi­de­en­gärt­ner des Bo­ta­ni­schen Gar­tens, Tho­mas Grun, und weist auf zwei Pflan­zen­schät­ze in den Schau­käs­ten: Phrag­mi­pe­di­um bes­seae und Phrag­mi­pe­di­um da­les­san­droi. „Frau­en­schuh“-or­chi­de­en, die sich äh­neln und ei­gent­lich in den An­den zu Hau­se sind. Lan­ge wa­ren sie un­be­kannt. „Dann wur­de die ei­ne Art schon mal En­de des 19. Jahr­hun­derts ge­se­hen. Seit­dem geis­ter­te sie in den Köp­fen der Or­chi­de­en­lieb­ha­ber“, er­zählt Grun. Gibt es sie wirk­lich? Und wo wächst sie? „Dass vie­le jah­re­lang an ihr vor­bei­ge­lau­fen sind, ahn­te man nicht. Denn die Wie­der­ent­de­ckung ge­schah an ei­nem Stra­ßen­gra­ben. Dort wuch­sen die klei­nen Schön­hei­ten qua­si un­be­ach­tet vor sich hin.“Wäh­rend Phrag­mi­pe­di­um bes­seae und Phrag­mi­pe­di­um da­les­san­droi wis­sen­schaft­lich be­ar­bei­tet wur­den, be­gann die Jagd nach den Stra­ßen­gra­ben-ra­ri­tä­ten.

Mitt­ler­wei­le fin­de man die Na­tur­for­men von Phrag­mi­pe­di­um bes­seae und Phrag­mi­pe­di­um da­les­san­droi eher in den Wäl­dern der An­den. Dort, in den Ne­bel­wäl­dern der Hochan­den, wächst in rie­si­gen Pols­tern auch Mas­de­val­lia ni­di­fi­ca die Äs­te ent­lang. Die mil­li­me­ter­gro­ßen Blü­ten der Or­chi­de­en kön­nen eben­falls im Bo­ta­ni­schen Gar­ten be­wun­dert wer­den. Und auch Mas­de­val­li Ig­nea ge­hört zur Samm­lung des Bo­ta­ni­schen Gar­tens. Or­chi­de­en­gärt­ner Grun kennt sie auch von sei­nen Rei­sen: „Als feu­er­ro­te Punk­te ha­be ich ih­re Blü­ten an Fels­wän­den in Pe­ru ge­se­hen.“Vie­le kurz­wei­li­ge Ge­schich­ten von der gro­ßen Pflan­zen­fa­mi­lie kann der Fach­mann er­zäh­len. Dar­über hin­aus bie­tet er für in­ter­es­sier­te Or­chi­de­en­freun­de bis 24. Fe­bru­ar um 18 Uhr ei­ne Abend­füh­rung durch die Schau. Da­für ist ei­ne An­mel­dung er­for­der­lich.

Au­ßer­dem lädt der Or­chi­de­en­gärt­ner des Bo­ta­ni­schen Gar­tens im An­schluss an die Aus­stel­lung am 3. März und 26. Mai zu Work­shops ein, bei de­nen er Tipps zur er­folg­rei­chen Or­chi­de­en­kul­tur gibt und Frei­land­or­chi­de­en am Na­tur­stand­ort zeigt. Wächst bis da­hin die Vor­freu­de, ist für das Samm­ler­glück jetzt schon ge­sorgt. Cin­dy Lim­berg vom För­der­kreis des Bo­ta­ni­schen Gar­tens: „Für Be­su­cher, die das Er­leb­nis der Pflan­zen ge­wis­ser­ma­ßen mit nach Hau­se tra­gen wol­len, bie­ten drei re­nom­mier­te Or­chi­de­en­gärt­ne­rei­en Pflan­zen zum Ver­kauf an und ge­ben kom­pe­ten­te In­for­ma­tio­nen und Pfle­ge­tipps.“

Die Or­chi­de­en­schau im Bo­ta­ni­schen Gar­ten in der Lin­né­stra­ße 1 ist bis 25. Fe­bru­ar täg­lich von 10 bis 18 Uhr ge­öff­net. Ein­tritt: fünf Eu­ro. Te­le­fon: 0341 9736850.

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