Von der Ei­che zur Eu­le in drei St­un­den

Holz­bild­hau­er Falk Wein­hold zeigt auf dem „Leip­zi­ger Eis­traum“sei­ne Ket­ten­sä­gen-kunst

Leipziger Volkszeitung - - LEIPZIG LIVE - VON KERS­TIN DECKER

Mit ei­nem et­wa 1,30 Me­ter lan­gen Stück Baum­stamm un­term Arm rück­te Falk Wein­hold am Sams­tag­nach­mit­tag auf dem Au­gus­tus­platz an. Ein Stück Ei­che, das er erst vor zwei Ta­gen ge­schnit­ten hat: „Die Kro­ne war weg­ge­bro­chen, des­halb muss­te der Baum ge­fällt wer­den“, er­läu­ter­te der Holz­fäl­ler und Baum­pfle­ger aus Kö­nigs­wal­de bei Ann­a­berg-buch­holz. Er stell­te den Stamm auf ein Po­dest, be­ar­bei­te­te ihn knapp drei St­un­den lang mit zwei Ket­ten­sä­gen, mach­te tüch­tig Lärm und Spä­ne – und plötz­lich war aus dem Stück Holz ei­ne er­staun­lich fi­li­gra­ne Eu­le ge­wor­den.

Ein biss­chen mar­tia­lisch sah es aus, wie der 36-Jäh­ri­ge – aus­ge­stat­tet mit Schutz­bril­le und Ohro­pax – mit sei­nem gro­ben Ar­beits­ge­rät um den Stamm her­um­tän­zel­te. Erst mit ei­ner gro­ben Sä­ge, dann mit ei­ner fei­ne­ren, zum Schluss mit ei­ner Schleif­schei­be. Die Spä­ne flo­gen me­ter­weit und setz­ten sich als „Kon­fet­ti“auf den Haa­ren der Schau­lus­ti­gen ab. Wein­hold schwitz­te or­dent­lich bei sei­ner an­stren­gen­den Ar­beit, bei der ihm vie­le Leu­te zu­schau­ten.

Ei­gent­lich hat­te er vor­ge­habt, bei sei­ner Vor­füh­rung auf dem „Leip­zi­ger Eis­traum“ein Herz aus zwei Schwä­nen zu ge­stal­ten. Aber dar­aus wur­de nichts, da ein Span­nungs­riss durch das Holz ging und ei­ner der bei­den Äs­te ab­ge­sägt wer­den muss­te. So ent­schied er sich für ei­ne Eu­le. „Ei­ne Bü­cher­eu­le“, prä­zi­sier­te der Künst­ler, denn er ließ den Vo­gel auf ei­nem Buch sit­zen. Da das Holz frisch ge­schnit­ten war, trat sei­ne Ma­se­rung deut­lich zu­ta­ge, die Wein­hold durch sei­ne Schnit­te noch be­son­ders be­ton­te. Als er zum Schluss sein et­wa 50 Ki­lo schwe­res Kunst­werk mit Öl ein­pin­sel­te, trat die Ma­se­rung noch kla­rer her­vor. Ein Be­su­cher aus Chem­nitz ver­lieb­te sich gleich an Ort und Stel­le in den Vo­gel und kauf­te die 480 Eu­ro teu­re Skulp­tur. Beim neu­en Be­sit­zer kann die Eu­le im Gar­ten ste­hen: „Das ist Ei­che, die über­lebt uns al­le“, ver­si­cher­te Wein­hold. Nor­ma­ler­wei­se hat der Baum- pfle­ger jetzt im Win­ter gar kei­ne Zeit für Schau­vor­füh­run­gen. „Bis zum 28. Fe­bru­ar ist Fäll­zeit. Durch den Or­kan gibt es im Mo­ment be­son­ders viel zu tun“, er­zähl­te er. Im Som­mer hin­ge­gen ver­dient er mitt­ler­wei­le sein Geld mit den Holz­plas­ti­ken. Vor acht Jah­ren hat er da­mit an­ge­fan­gen: „In ei­nem Baum hing ein auf­ge­klapp­ter Ast, der wie ein Kro­ko­dil aus­sah. Da ha­be ich ein Kro­ko­dil dar­aus ge­macht.“Für die Un­men­gen von Rin­de und Spä­nen, die bei sei­ner Ar­beit an­fal­len, hat Falk Wein­hold üb­ri­gens zu Hau­se ei­ne Holz­häck­sel­hei­zung.

Fo­tos: Dirk Kn­ofe

Nach ei­ner Drei­vier­tel­stun­de ist schon klar zu er­ken­nen, dass es ei­ne Eu­le wird.

Um 14 Uhr wirft Falk Wein­hold auf dem Au­gus­tus­platz sei­ne Ket­ten­sä­ge an.

Ge­gen 16.30 Uhr ist der Holz­bild­hau­er schon da­bei, sein Kunst­werk mit Öl zu be­han­deln.

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