„Ich fin­de nur we­ni­ge Ko­mö­di­en gut“

Co­me­di­an Ka­ya Ya­nar über sei­ne neue Ki­no­show, Su­per­hel­den-fil­me und sein Vor­bild Pe­ter Sel­lers

Leipziger Volkszeitung - - MEDIEN - In­ter­view: Mar­tin We­ber

Herr Ya­nar, in Ih­rer neu­en Show geht es um Fil­me. Wann wa­ren Sie das letz­te Mal im Ki­no? Ganz so oft schaf­fe ich es nicht, weil mir schlicht die Zeit fehlt. Aber das letz­te Mal war kurz vor Weih­nach­ten, glau­be ich, in der Neu­ver­fil­mung von „Mord im Ori­en­tEx­press“mit John­ny Depp.

Hat Ih­nen der Film ge­fal­len?

Ging so. Ko­misch war, dass John­ny Depp auf dem Film­pla­kat ganz weit vor­ne war, im Film dann aber schon nach fünf Mi­nu­ten ab­ge­murkst wur­de. Das hat mich über­rascht und war auch ein we­nig er­nüch­ternd, um ehr­lich zu sein.

Was hal­ten Sie von den gan­zen Su­per­hel­den-fil­men, die seit ge­rau­mer Zeit rauf und run­ter lau­fen?

An­schei­nend gibt es da ei­ne rie­si­ge Nach­fra­ge, die Leu­te wol­len wirk­lich je­den auch halb­wegs be­kann­ten Co­mi­chel­den ver­filmt se­hen. Den Trend kann vor al­lem Mar­vel mit Fi­gu­ren wie Spi­der­man oder Cap­tain Ame­ri­ca er­fül­len, de­ren Hel­den­uni­ver­sum scheint noch at­trak­ti­ver zu sein als das von DC, ob­wohl die ja Bat­man und Su­per­man am Start ha­ben. Das ist na­tür­lich ir­gend­wie mys­te­ri­ös (lacht).

Sind Sie ein Film­fan?

To­tal, sonst könn­te ich die Sen­dung auch nicht ma­chen. Ich schaue mir vie­le Fil­me auf DVD oder bei Net­flix und an­de­ren An­bie­tern im In­ter­net an. Das ist na­tür­lich be­que­mer, weil man die Couch nicht ver­las­sen muss, er­setzt aber auf kei­nen Fall das Ki­no­er­leb­nis mit der gro­ßen Lein­wand und der Stim­mung, die vor al­lem in gro­ßen Sä­len herrscht. Wenn 600 bis 700 Leu­te mit­fie­bern oder -la­chen, dann hat das na­tür­lich was.

Ist Ki­no noch zeit­ge­mäß?

Un­be­dingt, ge­ra­de in Zei­ten, in de­nen je­der nur noch auf sein Smart­pho­ne starrt, ist das Ki­no als Ge­mein­schafts­er­leb­nis wich­ti­ger als je zu­vor. Man ver­ab­re­det sich mit Freun­den, geht vor­her noch was trin­ken, saugt dann die Stim­mung in ei­nem Thea­ter­saal auf – das ist doch un­be­zahl­bar. Das ist wie bei ei­ner Come­dy­show, die kommt li­ve ja auch bes­ser rü­ber als auf DVD. Dass Men­schen zu­sam­men­kom­men und Spaß ha­ben, stirbt doch nie aus.

Ih­re Sen­dung wid­met sich in je­der Aus­ga­be ei­nem be­stimm­ten Film­gen­re. Wel­ches ist Ihr Lieb­lings­gen­re?

Ich mag Thril­ler wahn­sin­nig ger­ne, vor al­lem die mit ei­ner über­ra­schen­den Wen­dung am Schluss. Al­so Fil­me, wie sie et­wa der Re­gis­seur M. Night Shyamalan ge­dreht hat, Sa­chen wie „The Sixth Sen­se“und so. Ich mag aber auch bild­ge­wal­ti­ge Fil­me wie „In­cep­ti­on“, die mit den Mög­lich­kei­ten und Rei­zen des Me­di­ums an sich spie­len. Oder Fil­me zum Nach­den­ken wie „Ma­trix“, die ei­ne vir­tu­el­le Rea­li­tät schil­dern. Ge­ne­rell ge­sagt mag ich Wer­ke, die mit den Er­war­tun­gen des Pu­bli­kums spie­len und den Zu­schau­er über­ra­schen. Wenn ich am En­de sa­gen kann: „O Gott, dass hät­te ich jetzt aber nicht ge­dacht“, dann war es ein Film nach mei­nem Ge­schmack.

Was ist mit Ko­mö­di­en?

Lus­ti­ger­wei­se gibt es nur ganz we­ni­ge Ko­mö­di­en, die ich rich­tig gut fin­de. Ich glau­be, dass sich Ko­mik in Form ei­nes 90oder 120-mi­nü­ti­gen Films so­wie­so nicht so gut ver­mit­teln lässt wie et­wa in ei­ner Come­dy­show mit kur­zen Gags und Sket­chen. Die meis­ten Ki­no­ko­mö­di­en sind ein­fach nicht durch­ge­hend lus­tig, das hal­ten wirk­lich nur die we­nigs­ten durch. Mon­ty Py­thon zum Bei­spiel hat es ge­schafft. Das ist ein ab­ge­dreh­ter Hu­mor, den ich wirk­lich sehr mag. Gibt es Ki­no­ko­mö­di­an­ten, von de­nen Sie sich was ab­ge­guckt ha­ben? Durch­aus, ich fin­de zum Bei­spiel Ro­ber­to Be­ni­g­ni ganz groß­ar­tig. Sein Meis­ter­werk „Das Le­ben ist schön“ist un­er­reicht, ein ab­so­lu­ter Ge­nie­streich, wie ich fin­de. Ich mag aber auch sei­ne an­de­ren Fil­me, in de­nen er ein­fach nur al­bern war. Ich be­wun­de­re sein Ti­ming und ich fin­de gut, dass er ru­hig bleibt – ich mag kei­ne Come­dy, die schreit und laut ist und die La­cher er­zwin­gen will. Aber mein ab­so­lu­ter Come­dy-held ist Pe­ter Sel­lers, der hin­ter al­len sei­nen Fi­gu­ren kom­plett ver­schwun­den ist. Er ist für mich der bes­te In­spek­tor Clou­seau al­ler Zei­ten. Ich ha­be mich von ei­nem sei­ner bes­ten Fil­me, „Der Par­ty­schreck“, auch ein biss­chen zu mei­ner Fi­gur des In­ders Ran­jid in­spi­rie­ren las­sen.

Mö­gen Sie Ac­tion­fil­me?

Die fin­de ich dann gut, wenn die Haupt­dar­stel­ler sich und ih­re Hel­den­rol­le iro­nisch bre­chen.

Ihr Lieb­lings­film?

Ein Klas­si­ker: „…denn sie wis­sen nicht, was sie tun“mit Ja­mes De­an. Das ist für mich ein ge­ne­ra­tio­nen­über­grei­fen­des Meis­ter­werk. Kei­ner hat die in­ne­re Zer­ris­sen­heit, die vie­le Te­enager und jun­ge Men­schen durch­ma­chen, so gut dar­ge­stellt wie hier Ja­mes De­an.

Und was geht gar nicht?

Lie­bes­fil­me, um ehr­lich zu sein. Da­mit ent­spre­che ich zwar voll dem Kli­schee des männ­li­chen Ki­no­gän­gers, aber es ist ein­fach so. Na­tür­lich steht dank mei­ner Freun­din die ei­ne oder an­de­re Roman­ze auch mal bei uns zu Hau­se auf dem Pro­gramm, aber da muss ich dann halt durch. Oft heu­le ich am Schluss dann doch mit (lacht).

Wer trös­tet dann wen?

Meis­tens sie mich, wür­de ich sa­gen.

Fo­to: Sat.1

Wer flie­gen kann, ist ein Su­per­mann: Ka­ya Ya­nar prä­sen­tiert in un­ter­schied­li­chen Gen­res sein Ki­no-ran­king und schlüpft in sei­ner neu­en Show in die ein oder an­de­re Film­rol­le, tes­tet Film­st­unts, blickt hu­mor­voll hin­ter die Ku­lis­sen und fliegt da­bei auch...

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