Mu­si­ka­li­scher Licht­blick in der Fas­ten­zeit

Der Säch­si­sche Kam­mer­chor glänzt in der Tho­mas­kir­che mit der Jo­han­nes­pas­si­on un­ter Pe­ter Schrei­er

Leipziger Volkszeitung - - KULTUR - VON KAT­HA­RI­NA STORK

Kurz nach Be­ginn der Fas­ten­zeit wa­gen sich schon wie­der die ers­ten Aus­bli­cke auf den Kar­frei­tag und dem En­de der ent­halt­sa­men Wo­chen auf die Ver­an­stal­tungs­plä­ne: Das Lei­den Chris­ti fin­det sei­ne mu­si­ka­li­sche Ver­wer­tung un­ter an­de­rem in der Jo­han­nes­pas­si­on von Jo­hann Se­bas­ti­an Bach, die am Sams­tag­abend in der Leip­zi­ger Tho­mas­kir­che zu hö­ren war. Der Säch­si­sche Kam­mer­chor (Ein­stu­die­rung: Fa­bi­an En­ders) mit or­ches­tra­ler Un­ter­stüt­zung der Mit­tel­deut­schen Vir­tuo­sen konn­te er­neut sei­ne au­ßer­or­dent­li­che Bach­kom­pe­tenz un­ter der Lei­tung von nie­mand ge­rin­ge­rem als Kam­mer­sän­ger Pe­ter Schrei­er be­wei­sen.

Sit­zend ent­lockt der Di­ri­gent dem Chor, be­ste­hend aus Stu­die­ren­den der Mu­sik­hoch­schu­le und Ab­sol­ven­ten des Tho­maner­cho­res, den ers­ten glas­kla­ren Ton. Den Geh­stock hat Schrei­er vor Be­tre­ten des Po­di­ums weg­ge­stellt, mit sicht­ba­rer Kör­per­span­nung sitzt er vor der Par­ti­tur und hat so­wohl Orches­ter als auch Chor mit ei­ner Be­we­gung des klei­nen Fin­gers im Griff. Der ers­te Cho­rus „Herr, un­ser Herr­scher“zeich­net das über­aus ho­he Ni­veau des gan­zen Abends vor: Mes­ser­scharf schießt der Säch­si­sche Kam­mer­chor sei­ne Phra­sen ab. In kla­gen­den Ko­lo­ra­tu­ren bleibt der So­pran prä­zi­se, ex­akt und vor al­lem die dy­na­mi­schen Wech­sel, das Auf- und Ab­schwel­len der Tö­ne hin­ter­las­sen Ein­druck, ge­nau wie die sub­ti­le und flie­ßen­de Orches­ter­be­glei­tung. Schrei­er re­giert teils mit har­schen Be­we­gun­gen, teils mit har­ter Hand, wirft dem Chor die Ein­sät­ze hin oder ent­lockt ihm ein hauch­zar­tes Pia­no.

Te­nor Mar­tin Pet­zold er­öff­net als Evan­ge­list den Hand­lungs­strang. Der ehe­ma­li­ge Tho­maner lei­tet ver­siert, mit gro­ßer Text­ver­ständ­lich­keit, durch die Ge­schich­te, wan­delt sei­ne In­ten­si­tät je nach Ent­wick­lung, er­zählt mal hef­tig, mal be­hut­sam. Die Hand­lung er­langt durch sei­ne kla­re Stim­me Men­sch­lich­keit und er lässt ver­schie­dens­te Fi­gu­ren le­ben­dig wer­den. So­gar das La­ger­feu­er scheint zu knis­tern und zu fla­ckern, wenn er Pe­trus‘ Er­leb­nis­se vor dem Richt­haus be­schreibt.

Die ers­te Arie kommt von Al­tis­tin Ma­rie Hen­ri­et­te Rein­hold, Meis­ter­klas­sen­stu­den­tin an der HMT. „Von den Stri­cken mei­ner Sün­den“prä­sen­tiert sie mit scho­ko­la­dig­dunk­lem Alt, setzt sich ge­gen das dro­hend schlei­chen­de Cel­lo durch und lässt selbst Ver­zweif­lung woh­lig warm klin­gen. Ei­ne emo­tio­na­le Kehrt­wen­de stellt die dar­auf­fol­gen­de So­pra­na­rie „Ich fol­ge dir gleich- falls“dar, ge­sun­gen von Vik­to­ria Wil­son. Leuch­ten­de Freu­de strahlt durch ih­re vo­lu­mi­nö­se Hö­he und die dunk­ler ein­ge­färb­ten per­len­den Ko­lo­ra­tu­ren. Die Klang­kon­kur­renz von So­pran und gran­dio­se Flö­ten­me­lo­di­en ta­riert Schrei­er mit win­zi­gen An­wei­sun­gen aus.

Im­mer mehr spitzt sich die La­ge zu, bis schließ­lich die Kreu­zi­gung durch Pi­la­tus ge­neh­migt und voll­zo­gen wird. Der wird ge­sun­gen von Bass Lars Con­rad, so­li­de und stand­fest in den Re­zi­ta­ti­ven, warm und klar ver­ständ­lich in den Bass-ari­en und dem Aus­tausch mit Eng­bert Jung­hanns, der sehr über­zeu­gend den Chris­tus singt.

Ein Hö­he­punkt ist am En­de die Ten­ora­rie „Mein Herz, in dem die gan­ze Welt“. Patrick Grahl lässt mit viel Schmelz und me­tal­li­schem An­klang die Trau­er und Angst in sei­ne durch­weg kla­re Stim­me flie­ßen. Zwei St­un­den höchs­te mu­si­ka­li­sche Qua­li­tät in der Tho­mas­kir­che – und da­mit ein Licht­blick in Fas­ten­zeit und kal­tem Fe­bru­ar!

Fo­to: Chris­ti­an Mod­la

Pe­ter Schrei­er di­ri­giert die Jo­han­nes­pas­si­on in der Tho­mas­kir­che.

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